Der Mann aus Podolsk
(Originaltitel im Russischen: „Čelovek iz Podolska“)
Nikolai, ein junger Mann aus der Provinzstadt Podolsk, wird in Moskau verhaftet und auf die Polizeiwache gebracht. Nach dem Grund gefragt, bekommt er die bedrohlich klingende Antwort: Das werden wir gleich herausfinden. Die Dialoge imitieren zunächst eine typische Verhörsituation, wobei die Fragen der Polizisten immer absurder klingen und jeder Logik widersprechen. Was wie eine rabenschwarze Realsatire beginnt, verwandelt sich nach und nach in eine merkwürdige Therapiestunde. Festgenommen wurde der junge Mann nicht etwa, weil er sich eines Vergehens schuldig gemacht hätte, nein, man will ihm helfen, ein sinnvolleres Leben zu führen. Nikolai ist Journalist, arbeitet für ein kleines Anzeigenblatt und spielt nebenbei in einer Hobbyband. Nichts macht ihm wirklich Spaß, alles plätschert so dahin, auch seine Liebesbeziehungen. Die Polizisten, allen voran die attraktive Reviervorsteherin, bohren sich mit ihren Fragen immer tiefer in Nikolais Innenleben und nötigen den jungen Mann zu aufgesetzt-fröhlichen Spielchen. Sie fordern ihn auf, die Augen zu öffnen – für die Schönheit seiner Heimatstadt zum Beispiel, die doch seinem Sehnsuchtsort Amsterdam in Nichts nachstehe. So wird die Polizeiwache für Nikolai zu einem Ort beginnender Sinnsuche und als er ihn verlässt, bekommt er die drohende Ansage mit auf den Weg, man würde sich bald wiedersehen. Eine verstörende Satire auf die Allgegenwart von Väterchen Staat, der sich in den letzten Rückzugsraum des Menschen einschleicht und ihn zu erziehen versucht.
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Übersetzung
Elina Finkel↗
Besetzung
1D, 4H
Theater
Frei zur DE
URAUFFÜHRUNG
25.05.2017   Teatr.doc, Moskau
R: Michail Ugarow, Igor Stam