Erhabenes im Selbstversuch

richtschwert ende 16. jh.Über Hochkultur am Wochenende, wackelnde Schwerter und brummelnde Standheizungen – oder: Warum Nummer sicher einfach nicht reicht.


(fk) Freitagabends in einem renommierten Staatstheater irgendwo im Lande: Alter König will Nachlass regeln, ärgert sich über die ehrlichste seiner drei Töchter, verteilt Macht und Ländereien an die beiden anderen und bezahlt diese Entscheidung mit dem Verlust von Macht, Besitz und Geisteslicht. Eigentlich ein tolles Stück. Das Paradeschauspiel scheidender Intendanten wird hier in einem riesigen schwarzen Kasten gespielt. Der Ablauf der Ereignisse ist reibungslos montiert, die Vorgänge aufs Nötigste reduziert, leider wirken die Arrangements mitunter etwas hölzern. Einmal, kurz nachdem der ehemalige König von Offizier auf Trottel geschaltet hat, wird kurz nach der Schwerteinstichstelle im Bühnenboden gesucht. Überhaupt gewinnt man schauspielerisch den Eindruck, einer zwar routinierten, aber irgendwie auch kultiviert-gelangweilten Ablieferung beizuwohnen. Nach drei Stunden senkt sich der Vorhang. Erleichterung vor und auf der Bühne. Parkett und Ränge, gerade mal zu einem Drittel gefüllt, leeren sich schnell.


Im berühmten Opernhaus der Stadt, einen Abend später: Zunächst als betrunkener Soldat, dann als musizierender Pater, versucht der Graf sich seiner im Hause ihres eifersüchtigen Vormundes eingesperrten Angebeteten zu nähern. Ein umtriebiger Friseur greit ihm dabei einige Male kräftig unter die Arme. Eigentlich eine Fritzl-Story, denke ich kurz. Aber es kommt – für viele der Anwesenden nicht ganz unerwartet – doch zu einem erfreulicheren Ende. Der Inszenierung gelingt es, an keiner einzigen Stelle auch nur den Verdacht inhaltlicher Relevanz aufkommen zu lassen. Es wird schön gesungen, die Staatskapelle spielt dazu sehr akkurat alle nötigen Noten. Nur das Bühnenbild sieht aus wie ein aufgeschnittener Morchel, um hier mal feuchtere Metaphern zu vermeiden. Wir haben das Glück, nur hinhören zu müssen, weil wir gerade mal noch Karten für die Bankplätze im 4. Rang erwischt haben. Sämtliche eintausenddreihundert Sessel des Hauses sind besetzt. So sei das hier an jedem Wochenende, sagt mir ein Stadtbewohner. Schon im Foyer, das man aus einer Bierwerbung kennt, hört man dann später das Brummeln der Reisebusse, die den Opernvorplatz hufeisenförmig umzingeln. Erstaunlich zügig watschelt das All-inclusive-Publikum dann durch den Regen zu den vorgewärmten Vehikeln, die sie wieder zurück in ihre Hotels bringen werden. – Und das alles im März 2009.

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