usa – deutschland: null zu null
(fk) Die Tendenz zur Ex- und Hoppisierung neuer Stücke ist oft beschrieben worden. Eine überraschende Übereinstimmung zwischen US-amerikanischen und deutschen Theaterverhältnissen wurde bei einer Diskussionsrunde am vergangenen Sonnabend am Düsseldorfer Schauspielhaus deutlich. Anlässlich der Abschlusspräsentation des Düsseldorfer “Autorenlabors” (s. auch den Beitrag von Thomas Jonigk hier im dramablog) berichtete der amerikanische Dramatiker J. T. Rogers von der wenig förderlichen Praxis amerikanischer Theatermacher, sich mit Blick auf private Geldgeber jeweils nur auf “unentdeckte” Werke zu konzentrieren. Der Einfluss des privaten “funding” führe dazu, dass es in aller Regel bei einzelnen Produktionen bleibe, sagte Rogers. Eine fragwürdige Neuheit jage die nächste, kontinuierliche Autorenförderung finde nicht statt. – Novität statt Qualität. Es muss nachdenklich machen, dass ein kommerzielles, an den Ansprüchen privater Geldgeber ausgerichtetes Theatersystem im Bereich neuer Dramatik zu ganz ähnlichen Wirkungen zu führen scheint wie die verbreitete Spielplanpolitik im hochsubventionierten deutschen Stadttheater. Haben wir bzw. wer hat die “publicity” eigentlich nötig?
Auch bei der Biennale in Wiesbaden wurde (am vergangenen Freitag) über die Situation zeitgenössischer Autoren diskutiert: Der polnische Autor und Regisseur Jan Klata und der französisische Performer Philippe Quesne (Vivarium Studio, Paris) erläuterten ihre Arbeitsweisen. Jan Klata läßt sich eher von Musik und Laiendarstellern inspirieren, stellte mit “Transfer” in Wiesbaden aber eine Art Dokudrama vor, Quesne setzt dem französischen, tendenziell sehr statischen Sprechtheater sein improvisatorisches Spiel mit veränderlichern Texten und Situationen entgegen. Neu – jedenfalls hierzulande – sind beide Ansätze nicht, das gaben beide Autoren/Regisseure schnell zu. Auf dem Podium war man sich ebenfalls schnell einig, dass die immer wieder von Theaterleuten aus der Luft gegriffene Frage “Macht Postdramatik den Autor überflüssig?” einem Ablenkungsmanöver gleichkommt, solange die Spielplananteile von Neuer Dramatik und Postdramatik insgesamt kaum mehr als 15% aller hiesigen Stadttheater-Produktionen ausmachen.
