über fragwürdige theaterrealitäten und nötige kassenstürze
(fk) eine entgegnung auf den theatertreffenimpulsbeitrag “stockhausens schrei” von joachim lux, in dem es u.a. um den stellenwert neuer dramatik im derzeitigen theatergeschehen geht (hier bei nachtkritik nachzulesen):
theaterautorinnen und -autoren und ihrer hier geschmähten lobby geht es heute doch längst nicht mehr um so wahnwitzige ideen wie die abschaffung oder zurückdrängung des regietheaters, die wiederbelebung mausetoter werktreuedebatten oder eine neubeflammung ideologischer nebelkerzen. auch nimmt man “postdramatische projekte” nicht als ungeliebte konkurrenz, sondern als gleichberechtigte theaterformen wahr.
heutige autoren kennen sich aus im betrieb, sie sind nicht selten selbst als regisseure, schauspieler, übersetzer oder dramaturgen tätig, sie reisen herum, mischen sich ein und wissen zu schätzen, wenn ihre stücke im sozialen kunstprozess theater eine spielerische auffaltung (oft auch überraschender möglichkeiten) erfahren. so sie es denn überhaupt erst einmal hineinschaffen ins system, vorbei an den mit manuskripten zugeschmissenen schwellenwärtern in den verlagen, dramaturgien und preisjurys.
es geht in der aktuellen autorendebatte, auf die sich joachim lux hier vielleicht auch bezieht, doch zuerst um ganz konkrete materielle forderungen von autoren. diese sollte man zur kenntnis nehmen und sie nicht reflexhaft als “litanei” abtun, auch wenn die konkreten ansprüche manchmal ungeschickt mit etwas nebulösen inhaltlichen forderungen verbunden werden. geschönte zahlen, wie sie der bühnenverband alljährlich verbreitet, helfen niemandem weiter.
der deutschsprachige stьükemarkt ist ein subventionsregulierter markt, er setzt auf vielfalt (und das ist gut so! bloß: wie soll die aussehen?), fördert so aber auch immer mittelmaß und entwickelt mitunter auch alibierscheinungen bei der beschäftigung mit neuen stücken. hier ist der von lux eingeforderte kassensturz tatsächlich dringend nötig. hier fehlt längst eine neujustierung, hier müsste eine evaluierung der förderinstrumente stattfinden, das ist überfällig.
man frage beispielsweise einmal aktuell studierende des faches “szenisches schreiben” an der udk in berlin nach ihren oft erstaunlichen fördererfahrungen. das materielle hauptproblem besteht für viele autorinnen und autoren doch weiterhin darin, dass, ausgelöst auch von der verbreiteten förderalitis, jährlich eine unübersehbare zahl neuer (stärkerer und schwächerer) stücke entsteht, die theaterspielpläne sich aber – entgegen der marktschreierei der theater – auch in den letzten zwei jahrzehnten nicht ausreichend für neue stüьcke geöffnet haben.
das gilt für die neue wirkungsstätte von herrn lux weniger, für die allermeisten stadttheater aber im durchschnitt um so mehr. abgesehen vom prestigeträchtigen eiertanz um die ur- und erstauffьhrungen (in den theaterstudios, -fluren und -foyers dieses landes), siehts für das zweite stück eines autors oft schon mau aus. und das liegt sicher nicht an fehlenden qualitäten neuer stücke. auch die wenigen herausragenden werke, die ab und an tatsächlich geschrieben werden, haben es schwer, sich in der fülle der neuerscheinungen zu behaupten. zur alten klage über fehlende dramatische großwerke vielleicht noch dies: natürlich gibts neben den wunderbaren textflächen von frau jelinek, mit denen man sich nicht die sicht auf anderes vernageln sollte, eine ganze reihe relevanter und herausfordernder theaterstücke, die formal und inhaltlich auf der höhe der zeit sind.
vielleicht sind diese stьcke aber auch einer sich gerade ausbreitenden bühnenmode, die nach “mehr realität” auf der bühne verlangt (was immer das heißen und welche erfahrungsarmut auch immer dahinter stecken mag), ästhetisch bereits um mehrere hundert seemeilen voraus.

Am 13. August 2008 um 11:35 Uhr
mein name ist norbert stang, ich komme von der klangperformance-art her , siehe webside.
die eigentliche krise sehe ich in der bildenen kunst, meiner mutterdisziplin, das kabarett war meine erste antwort, darauf folgte mein erstes theaterstück , das sich mit der thematik, einen sterbenden als kunstwerk auszustellen intensiver beschäftigt.es wäre für mich eine große freude ihnen bei interesse diese stück zuzusenden.
freundlichst
ihr
norbert stang
Am 14. August 2008 um 14:15 Uhr
lieber herr stang, was meinen sie denn mit “eigentlicher krise”? vor dem versenden ihres stückes bitte genau die programme, einsendekonditionen und lektoratskapazitäten der in frage kommenden theaterverlage checken. auf http://www.theatertexte.de finden sie eine adressübersicht. gruß – fk