Zehn Fragen an …
… Felicia Zeller (Theaterautorin und Medienkünstlerin, Berlin) und Oliver Schmaering (Theaterautor, Berlin)
Kurzinterview / Stimmungsbild (wird nach dem 10.3. fortgesetzt – fk)
1) Welche drei bemerkenswerten Theaterstücke fallen Ihnen spontan zuerst ein?
Felicia Zeller: Capucetto Rosso – Rene Pollesch, Seefahrerstück – Oliver Schmaering, Über Tiere – Jelinek
Oliver Schmaering: Brecht: Baal, Müller: Der Auftrag, Horvath: Kasimir und Karoline
2) Welche bemerkenswerten Inszenierungen fallen Ihnen spontan zuerst ein?
Felicia Zeller: Capucetto Rosso – Rene Pollesch, Volksbühne / Kaspar Häuser Meer – Marcus Lobbes, Freiburg / Tanzen! – Armin Petras, Gorki Studio Berlin
Oliver Schmaering: Pucher: Othello, Lepage: The Andersen Project, half past selber schuld: Die Sündenvergebmaschine
3) Sind Sie der Meinung, dass TheaterautorInnen in angemessener Weise entlohnt werden?
Felicia Zeller: Honorar sollte dem Regiehonorar entsprechen.
Oliver Schmaering: Die Realeinkünfte von DramatikerInnen sinken seit Jahrhunderten stetig. Schillers Armut wäre heute verlockend.
4) Wie sähe Ihr ideales Modell einer Autoren-Zusammenarbeit mit einem Theater aus?
Felicia Zeller: Regisseur und Autor suchen sich selbst gegenseitig aus. Der Grund der Aufführung ist das Stück. Dramaturgie und Intendanz arbeiten mit. Gute Schauspieler, professioneller Rahmen.
Oliver Schmaering: Vertrauen in die Themenwahl und die ästhetischen Ideen des Autors. Obszön hohes Auftragshonorar.
5) Was halten Sie von der Einführung einer Klassikerabgabe als “Umlagemodell” zur zuätzlichen Honorierung zeitgenössischer DramatikerInnen?
Felicia Zeller: Halte nichts von Quotenregelungen.
Oliver Schmaering: Konsequente Idee. Möglich wäre auch eine Quote (etwa: mindestens 60 % aller Aufführungen eines Theaters müssen sich auf Texte lebender Autoren beziehen). Denkbar wäre alternativ vor allem die Serienproduktion von Erfolgsstücken. Unmöglich sind infantile Forderungskataloge ohne politische Durchsetzungsmechanismen.
6) Stellt das heutige Regietheater für Sie ein Problem dar? Welchen Einfluss hat das Regietheater auf Ihre Arbeit?
Felicia Zeller: Ich habe kein Problem mit Regisseuren, wenn sie nicht doof sind und das Prinzip eines Stücks erkennen. Wenn sich Regisseure an meinen grundsätzlichen Anweisungen orientiert haben, kamen die Stücke immer am besten. Einfluss von früheren Arbeiten von Frank Castorf (Abschweifungen, konzentrierte Ballungen).
Oliver Schmaering: Ich bin ein bedingungsloser Anhänger des Regietheaters. Ich schreibe für starke RegisseurInnen mit eigener szenischer Phantasie.
7) Steckt die “Neue Dramatik” in einer größeren inhaltlichen Krise? Wenn ja: Lässt sie sich kurz beschreiben?
Oliver Schmaering: Die sogenannten “jungen Dramatiker” werden von den auftraggebenden Theatern nicht selten behandelt wie kleine Kinder. Also entstehen zu Teilen entsprechende Stücke. (Wenig Tantiemen, ausbleibendes Nachspiel, niedrige Auftragshonorare verursachen einen ökonomischen Druck, der sein Übriges tut.) Eher unwahrscheinlich, dass unter diesen Bedingungen der “neue Brecht” schon vor der Theaterpforte steht. Für einen Skandal halte ich die vielsagende Tatsache, dass Theater zunehmend desinteressiert an nicht von ihnen beauftragten Texten sind.
8 ) Wie sind Ihre Erfahrungen mit Veranstaltungen wie “szenischen Lesungen”, “try outs” oder “Werkstattinszenierungen”?
Felicia Zeller: Habe in meinem Jahr als Hausautorin am theater rampe, Stuttgart, alle meine bis dato entstandenen Stücke als szenische Lesungen ausprobiert und dabei viel gelernt: über Timing, Sound, Wirkung.
Oliver Schmaering: Wenig Erfahrungen. Keinen Bedarf.
9) Uraufführungszahlen steigen – Vorstellungsserien werden tendenziell kürzer: Was tun?
Felicia Zeller: Weniger Stücke schreiben.
Oliver Schmaering: Siehe oben.
10) Verraten Sie uns, woran Sie gerade arbeiten?
Felicia Zeller: Lungere nur so herum.
Oliver Schmaering: An einem Amerika-Stück.

Am 3. März 2008 um 17:29 Uhr
…der Blog wirkt, wie zum Scheitern verurteilt, weil er etwas voraussetzt, was es so nicht mehr geben soll: Ein Leben, dem Drama ausgesetzt. – Jede Biographie, auch die einer erfundenen Figur, scheint sich von ihrem eigenen Schicksal emanzipieren und sich allen nur erdenklich Metamorphosen anschließen zu können…und sei es auch der eigene Tod…, lungere nur so herum, oder aber auch, produktives Rumgammeln, sind die Formen, in denen wir uns ständig neu erfinden. Und was daran sollte schon so unangehem sein ? – Leider scheint diese Haltung nicht gagentauglich zu sein, oder wenn, nur temporär. – Aber allerorts wird unfreiwillig gestorben. Erliegen Menschen wideren Verhältnissen. Was nur hindert daran, es als Elend und verachtungswürdig zu beschreiben und zu dramatisieren und Veränderung zu fordern?
Am 4. März 2008 um 14:05 Uhr
… nach dem urlaub wird hier auch meinerseits schön weitergescheitert. gruß von der insel. fk
Am 5. März 2008 um 23:31 Uhr
Neinein. In diesem Blog ist schon mehr passiert als in manchem “Theater Heute”-Jahrgang. Und es ist erstaunlich, wie gut so mancher Dramaturg Bescheid weiß, was hier gespielt wird. Hier wird ganz offenbar viel mehr gelesen als geschrieben, auch von vielen Autoren, aber man geht vielleicht nicht so gern aus der Deckung oder findet keinen Anlaß.
Mich hat hier manches angeregt, auch das Unausgegorene, das Unhaltbare, das Unfreundliche, auch ich mich selbst. Es ist schön, sich zu all dem äußern zu dürfen, in einer Direktheit, die die offiziellen Blätter nie aushalten würden.
Natürlich wird hier schwadroniert, polemisiert, phantasiert, aber die Produktion braucht solchen Rückraum. Der DramaTon, das DramaDrom, der DramaBrief, all das sind auch Folgen solcher Schreiberei ins Blaue hinein.
Vielen Dank an Frank Kroll für seine “Liebesmüh”!
Am 6. März 2008 um 15:30 Uhr
…was wird hier denn gespielt…
Am 6. März 2008 um 23:01 Uhr
Das sollte man vielleicht jene fragen, die hier am meisten kommentieren. Ich für meinen Teil spiele das Spiel, frank und frei meine Meinung über Theater und die hiesigen Beiträge zu äußern. “Drama damma” – ist das nicht ein Filmtitel? Übersetzt heißt das: “Träumen tun wir”.
Am 7. März 2008 um 12:11 Uhr
…”Und es ist erstaunlich, wie gut so mancher Dramaturg Bescheid weiß, was hier gespielt wird”…schreiben Sie. Den Satz würde ich gerne verstehen. Was, und welchen Dramaturgen meinen Sie damit. – Frank und frei seine Meinung über Theater und die hiesigen Beiträge zu äußern, dass kann, so glaube ich, fast jeder hier für sich in Anspruch nehmen.
Am 7. März 2008 um 15:09 Uhr
Es kommt ja vor daß Autoren mit Dramaturgen reden, auch mir passiert das zuweilen (die teilweise heimlich mitgehörten Gesprächsprotokolle bereite ich gerade zu einem Stück auf, in dem das Theater sich mal wieder nur auf dich selbst bezieht). Und da zeigt sich, daß durchaus ein Interesse da ist an dieser ganzen Initiative zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Autoren und Theatern. Es fehlt da manchmal an konkreten Ideen, an Modellen, die für alle Seiten erfolgsversprechend sind. Wir (DramaTisch) verschicken gerade einen Fragebogen, angeregt auch vom obigen Fragebogen an Autoren, in dem wir versuchen, mit Dramaturgen und Intendanten vertiefend ins Gespräch zu kommen.
Und frank und frei sein, klar, das darf hier zum Glück jeder.
Am 7. März 2008 um 15:23 Uhr
…klingt gut. Hoffentlich wird was draus. Die verschiedenen Modelle der (erfolgversprechenden) Zusammenarbeit sollte man unbedingt auch hier im Blog darstellen, wenn entsprechende Reaktionen vorhanden sind…
Herzliche Grüße
Baucks