Autorenförderung: Institutionen, Preise und Stipendien
(Möglicherweise) nützliche Adressen für “verlagsungebunde” Autorinnen und Autoren dramatischer Werke
- Verband deutscher Bühnen- und Medienverlage: Dachverband der Theaterverlage, Kontaktdaten von ca. 70 Theater-, Musik- und Medienverlagen, Stückedatenbank, Bestellmöglichkeit von Theatertexten. www.theatertexte.de
- Stückemarkt der Berliner Festspiele: alljährlich während des Berliner Theatertreffens stattfindene Dramatikerbörse, offen für freie Einsendungen (deutsch- und fremdsprachig), Lesungen, Diskussionen, Förderpreis, Stückauftrag. www.stueckemarkt.de
- Autorenlabor des Düsseldorfer Schauspielhauses: 5 Stipendien für Nachwuchsautoren, Dramaturgische Begleitung durch den Autor und Dramaturgen Thomas Jonigk, UA-Möglichkeit, offen für Bewerbung freier Autoren. www.duesseldorfer-schauspielhaus.de/theater/extras/autorenlabor
- Dramenprozessor des Theater Winkelwiese, Zürich: Autorenförderprojekt für Schweizer Dramatikerinnen und Dramatiker, dramaturgische Betreuung, Lesungen, UA-Möglichkeit. www.winkelwiese.ch
- stück/für/stück am Schauspielhaus in Wien: Autorenförderungsprojekt für österreichische und andere deutschsprachige Autorinnen und Autoren, dramaturgische Betreuung, Stipendiums-Möglichkeit. www.schauspielhaus.at
- Autorentheatertage Hamburg 2008: Jährlicher Stückewettbewerb des Thalia Theaters in Hamburg, Juror 2008 ist der Zeit-Kritiker Gerhard Jörder, sogenannte “Werkstattinszenierungen”, offen für freie Einsendungen, zwei Autorenpreise. www.thalia-theater.de
- Wochenende der jungen Dramatiker an den Münchner Kammerspielen: jeweils im Herbst stattfindenes Kurzfestival mit sogenannten “szenischen Lesungen und skizzenhaften Inszenierungen”, offen für deutsch- und fremdsprachige Nachwuchsautoren. www.muenchner-kammerspiele.de
- Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin www.udk-berlin.de
- Deutscher Literaturfonds e.V.: Autorenförderung für ein bestimmtes literarisches (auch dramatisches) Projekt, Jahresstipendium. www.deutscher-literaturfonds.de
- Eine gute Übersicht über Preise und Stipendien für freie und verlagsgebundene Theaterautorinnen und -autoren bietet der Newsletter des Uschtrin Verlags: http://newsletter.uschtrin.de/. Unter dieser Adresse finden sich aktuelle Listen sowie eine Bestellmöglichkeit für den Newsletter.
(wird fortlaufend ergänzt – fk)

Am 18. Dezember 2007 um 08:18 Uhr
Da ist wohl eine Korrektur der Pressemeldung angebracht?
Der neue Inhalt über dramablog-henschel-theater.de müsste lauten: henschel SCHAUSPIEL und theaterheute haben einem unter dem Kürzel fk agierenden Essayisten und Lektor einen Blog spendiert…
Jaja, Web2.0 hat seine Tücken…
Aber der Text über die Arbeitsbedingungen des Lektors ist witzig, hat Sprachrhythmus, verrät liebevolle Kenntnis der Texte vom l.t. und hat am Ende gar eine überraschend schöne, schlagende und eigentlich poetisch zu nennende Formulierung gefunden.
Aber nun wird gleich revolte47 antworten…
Vielleicht ist die ganze Debatte ohnehin am falschen Ende aufgezäumt. Dramatik setzt im herkömmlichen Verständnis nun einmal handelnde Personen, Widersprüche, Interessenskonflikte voraus. Das entspricht m.E. der derzeitigen Welt-Wahrnehmung nicht mehr. Deswegen gibt es kaum bzw. nur marginal relevante neue Dramatik, und die Dramatik hat sich seit zwanzig JAhren davon verabschiedet, Themen zu setzen oder Avantgarde des deutschsprachigen Theaters sein zu wollen. Die Avantgarde kommt offenbar ohne Autoren aus. (Oder sagte ich das schon?)
Am 18. Dezember 2007 um 13:32 Uhr
danke für die guten noten. den blog haben wir uns selbst spendiert, lieber festersen. geld war (bislang) nicht im spiel. revolte47 hat seiner stückeinsendung übrigens kommentarlos 5 euro beigelegt. falls das ein bestechungsversuch war: SO BILLIG BIN ICH NICHT ZU HABEN! und beispielsweise herrn l.t. würde ich absolut zur dramatischen avantgarde zählen. man lese bloss mal sein werk h.i.d.s. – aber ich will hier ja keine werbung machen. die ästhetische debatte fänd ich übrigens auch die interessanteste. hier wäre viel platz dafür …
Am 18. Dezember 2007 um 16:38 Uhr
Ich bin Theaterautorin und habe mich an den oben genannten Programmen zur Autorenförderung teilweise beteiligt, teilweise erfolgslos beworben. Ich finde es grundsätzlich gut und erhaltenswert, dass es für junge Schreibende so viele Möglichkeiten gibt. Aus Erfahrung und vom Hörensagen weiß ich jedoch auch, dass die vorhandenen Chancen mitunter starken Druck ausüben können. Abgelehnt zu werden ist enttäuschend bis entmutigend, muss jedoch nichts über das Potential eines Autors verraten. Vielleicht sind die Autodidakten unter den Schreibern die stabilsten. Vielleicht gelingt es einem unabhängig von Außenförderung konzentrierter und schneller, seine eigenen Maßstäbe zu entwickeln. Eine Beurteilung von Außen, von qualifizierten Menschen in prominenten Positionen, kann die eigene Kritikfähigkeit mundtot machen. Dann kommt es darauf an, wie stark ein Autor ist, ob er seine innere Stimme hört und ihr vertraut, ob er den Zugang zu den eigenen Interessensgebieten findet und vertieft, ob er in sich selbst gefestigt ist und sich treu bleibt.
Es gibt ein vielfältiges Angebot und für den einen ist hilfreich, was den anderen vernichtet. Die Gefahr, durch zu viel Einflussnahme von anderen seine Schreiblust zu verlieren, möchte ich aussprechen. Trotzdem und im Nachhinein waren alle Erfahrungen, die ich gemacht habe, lehrreich.
Am 18. Dezember 2007 um 18:52 Uhr
Zunächst einmal auch von meiner Seite: Gratulation zum (selbst) spendierten Blog! Und ein herzliches Hallo in die belebende Runde!
Was mich ein bisserl beim Gros Ausschreibungen irritiert:
Mit spätestens 35 Jahren und einem Lebenstag heißt es time out game over. Huch. Ist der szenisch schreibende Horizont ab Mitte dreißig schon stark eingetrübt? Müssen die Hoffnungen dann akkurat vernietet, in jedem Fall aber erfüllt, und nicht abgeklemmt sein? Oder darf man mitunter davon ausgehen, dass das Leben, das schreibende, zumal, ab diesem Lebensalter erst spannend wird?
Vielleicht ist es aber auch ganz anders: Die Lektoren, Regisseure, Dramaturgen, Kultur-Redakteure, Intendanten und Schauspieler sind in Wirklichkeit ALLE nicht älter als 35 Jahre – und nur mir ist dies noch nicht aufgefallen? Herrschaftszeiten, das wäre ein richtig dickes Ding! Perspektiven lassen sich ja bekanntlich manchmal verschieben… .
Am 18. Dezember 2007 um 19:20 Uhr
Liebe/r (?) Viana do Castello,
ich werfe einen Gedanken ein, der sich unter Umständen gegen mich und meine Kollegen wendet… Die Förderungsprogramme dienen den jungen Autoren, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen und bezwecken nach meinem Verständnis das Anschieben einer Karriere. Langfristig sollte man davon ausgehen können, dass Autoren nicht von subventionierten Subventionen, sondern “ganz normal” vom subventionierten Theaterbetrieb leben können. Ohnehin sind viele Förderprogramme nicht mit Honoraren verbunden. [Das Autorenlabor und der Dramenprozessor bilden, meiner bescheidenen Bildung nach, die löblichen Ausnahmen hier ... ?]
Für mich stellt sich die Frage, ist es möglich, als “reiner” Theaterautor genügend Geld zu verdienen, perspektivisch [also exakt ab dem Start ins 37. Lebensjahr, hüstle...]. Auch für über 35jährige gibt es ja die Möglichkeit auf Stipendien und Preise.
Die Idee, dass die Perspektive unter den Lektoren, Regs, Drams, Kult-Reks, Intds und Schauspln so eng ist, ist lustig und in ihrer Pointiertheit trägt sie wohl viel wahres in sich.
Ich verfolge die Diskussion in diesem Blog mit großem Interesse!
Am 21. Dezember 2007 um 20:22 Uhr
Wie jung soll ein Dramatiker sein?
Ein Freund hat mir gesagt: Derzeit könne man die Intelligenz eines Autors daran ablesen, wie früh er sich vom Theater verabschiede. Heutzutage würde man ja immer später erwachsen, aber wer mit vierzig noch dabei sei, an dessen Zurechnungsfähigkeit müsse gezweifelt werden. Kein seriöser Autor würde seine Texte diesem Theaterbetrieb aussetzen. Er fragte mich, ob es denn einen ernstzunehmenden Dramatiker über vierzig gebe. Sich mit dreißig lächerlich machen sei okay. Das halte aber kein Gesunder länger als zehn Jahre aus. Übrigens gebe es kaum jemanden, der jünger sei als dreißig und etwas zu sagen habe. Nicht umsonst würden die Theater genau nach jenen gieren. Ein Autor, der erwachsen werde, gehe zur Prosa über, da könne er viele Beispiele nennen… Nur die Spekulanten und Prostituierten unter den Autoren, die ihren Marktwert im Theater weiter nutzen wollten, würden beim Drama hängen bleiben.
Ich persönlich finde diese Jugend-Bashing lächerlich und es sagt wohl alles, wenn ich verrate, daß jener Lästerfreund ein (von den Theatern gespielter) Dramatiker Mitte vierzig ist.
Am 23. Dezember 2007 um 11:50 Uhr
Liebe Anna Praktikant, da haben Sie bestimmt recht. Das biologische Alter von Autorinnen und Autoren hat vermutlich wenig mit der literarischen oder theatralen Qualität ihrer Werke zu tun. Man denke etwa an die Herren Büchner und Tabori. Aber Lebenserfahrungen schaden sicher nicht. Vielleicht ist hier eher ein Zusammenhang zu finden: Welchen Einfluss hat das (Er-)Leben in unseren immer stärker vermittelten Erfahrungswelten auf das Schreiben fürs Theater. Wenn es nicht ausdrücklich um Förderung von Newcomern geht, sollten Altersbeschränkungen in Ausschreibungen für Dramatikpreise jedenfalls keine Rolle spielen, finde ich. – Frohes Fest allerseits!
Am 30. Dezember 2007 um 18:18 Uhr
Natürlich sind die Autorenförderungen `gut und erhaltenswert` wie ks schreibt, aber als Autor sollte man sein Schreiben nicht davon abhängig machen, ob es nun gefördert wird oder nicht. Man sollte sowieso nur schreiben, weil man muß, nicht weil man es kann oder darf…eine Förderung ist für das Schreiben an sich erstmal völlig uninteressant. Natürlich macht es einem finanziell das Leben leichter, aber nicht das Schreiben. Und…also wenn man sich als Autor durch Meinungen oder Kritiken anderer beeinflussen läßt, dann sollte man den Stift beiseite legen und erstmal wieder überlegen, was man überhaupt selbst sagen will. Als Autor ist man schließlich nicht der Erfüller von Meinungen anderer…Es ist auch völliger Unsinn, diesen Beruf mit der Hoffnung damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, auszuüben…also wirklich…da sollte man besser Bäckereifachverkäuferin oder sonstwas geworden sein…
Die Frage nach der Jugend und wie jung ein Dramatiker zu sein hat, finde ich auch zum Lachen, auch wenn die Antwort traurig ausfällt. Ich finde es schade, daß man als vierzigjähriger fast keine Möglichkeiten hat, an den Fördermodellen noch teilzuhaben. Warum ist das so? Ich weiß dazu keine Antwort. Man müßte dazu mal die betreffenden Stellen befragen. Was macht nur einer, der sich erst mit Mitte fünfzig entscheidet, zu schreiben? Aber zu behaupten, daß ein unter dreißigjähriger Autor nichts zu sagen hat, kann man so auch nicht stehenlassen. Warum soll ein zwanzigjähriger Autor nicht mehr sagen können, als ein vierzigjähriger? Es kommt auf den Blick auf die Welt an, nicht wahr? Es stellt sich auch die Frage, ob die sogenannte Lebenserfahrung so sehr von Bedeutung ist. Braucht es nicht eher eine Wut? Eine Wut gegenüber den umgebenden Umständen? Und eine Sprache, diese Wut auszudrücken? Eine Dringlichkeit, eine Notwendigkeit zu Schreiben? Das können keine Autorenförderungen herstellen, das muß jeder Autor in sich selbst herstellen.
Am 6. Januar 2008 um 09:31 Uhr
Ich finde es interessant zu fragen, was es braucht, um zu schreiben. Ich denke, die Motivationen sind vielfältig. Ich schreibe in den besten Momenten aus Spaß, manchmal aus Fabulierlust und in den anstrengendsten Fällen gegen die Lebensmüdigkeit an. Ich finde es nicht minderwertig, Freude beim Schreiben zu haben, stoße aber oft auf Skepsis und Kopfschütteln.
Schreiben mit Wut habe ich bisher nicht erlebt. Aus Trotz schon eher.
Ich kann auch nicht ausschließen, dass Gefallsucht und Narzissmus mich mitunter anspornen.
Frohes neues Jahr!
Am 6. Januar 2008 um 12:37 Uhr
Jede Motivation ist gut, solange es nicht die Überweisung aufs Konto ist. Solange es nicht das Herstellen einer eigenen Marke ist, die dich marktfähiger macht. Solange sie nicht von der Vorstellung kommt, du seist eine Dramatikerin oder müsstest eine werden. Solange sie nicht von Regeln kommt, die andere in dich hineingepflanzt haben. Solange du nicht wie jemand anderes schreiben möchtest. Solange du weißt, daß in dir Unglaubliches Verborgen liegt. Solange du keine Angst hast. Solange du keine Hoffnung hast.
Frohes neues Stück!