ein neues werk aus graz!

(fk) lektürebedingungen am 5.12.07 um 19.30: das café “godot” im bezirk prenzlauerberg, beim hereinkommen schallt mir das hungrige “this is not enough” einer russischen mädchenband entgegen. recht haben sie. an den tischen laptopbeflackerte flaumgesichter, die bedienung kommt – auch später nicht. na wunderschöner feierabend, det is berlin! zum werk: das theaterstück einer mir bislang unbekannten, aber nachdrücklich empfohlenen jungen grazer autorin. graz also, aha. bei graz fallen mir ein: der legendäre grazer stadtpoet w.b., den ich lebendig leider nicht mehr erlebt habe, bürgerhäuser mit luxuriös bröckelnden holzfassaden, in grünem öl ersäufter salat, unser sympathisch versponnener grazer autor j.s. und eine denkwürdige taxifahrt in und vermutlich auch um graz herum. anlässlich einer am schauspiel graz bevorstehenden (und dann sehr gelungenen) uraufführung eines stückes von j.s. war ich an diesem tag gleich am bahnhof in ein taxi gestiegen, in dem ich erst beim losfahren bemerkte, dass mir die rückenlehne keinen halt bieten würde. es ging also dann liegend durch graz, mit meiner reisetasche auf dem bauch, während mir der fahrer, der am bahnhof erst nach meinem beruf, dann nach dem fahrtziel gefragt hatte, bereits von seinem roman erzählte, den er nun endlich zu papier bringen wolle, indem er ihn einer eigens zu diesem zweck engagierten schreibkraft diktieren werde, weil ihm das selbertippen zuviel mühe bereite. von graz sah ich währenddessen nichts, dabei kostete die fahrt dann dreiundzwanzig euro. mindestens zehn euro zuviel, wie sich einen tag später herausstellen sollte. insgesamt hatte ich aber noch glück, dass es sich nur um einen kurzroman handelte. im zug nach wien saß mir dann auf der rückreise (das glaubt mir sowieso niemand) eine jurastudentin gegenüber, fragte mich nach meiner profession und erzählte mir (das ist ehrlich wahr!) bis zum wiener südbahnhof von ihrem (na was? – genau!) unaufgeschriebenen aber im prinzip abgeschlossenen romanprojekt. graz – fruchtbare brutstadt ungezählter literarischer genies. nun also frau p.h. und ihr stück, in dem es, nur soviel sei hier bereits verraten, um den zusammenprall einer häuslebauenden städterpatchworkfamilie mit einer reihe eigentümlicher speckgürteleingeborener geht. es ist ein sehr komisches und im nachklang gleichzeitig wehmütig stimmendes stück, in dem die autorin ihre figuren mit wenigen strichen und in einer unerhörten sprache ungemein lebendig zeichnet. zum schluss zwängt sie ihre menschlein alle in einer zuckenden familienidyllenzeitbombe zusammen. die autorin wird nicht reich damit werden, aber man will das stück unbedingt sofort auf der bühne sehen. was also tun damit? – mehr davon nächste woche. einstweilen empfehle ich unbedingt einen wochenendausflug in die schöne steiermark.

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