“Uns pflegen heißt euch pflegen” – eine Autoreninitiative

10 Wünsche für ein künftiges Autorentheater

Seit Jahren gibt es einen scheinbaren Boom neuer Stücke auf deutschen Bühnen. In immer weniger Tagen immer mehr Uraufführungen zu stemmen wurde ein Trendsport für Intendanten nach dem Motto: „Schöner Theater machen heißt schneller produzieren und schneller spielen!“ Die tatsächlichen Aufführungszahlen sind allerdings rückläufig.Meist werden Stücke kein zweites Mal inszeniert. Die Honorare für Stückaufträge, Ur- und Erstauf­führungen gehen in den Keller. Was aber bedeutet Quantität statt Qualität für die Theaterpaläste? Auch dort sehen viele den Substanzverlust kritisch und suchen nach Auswegen. Wo soll sich unser Theater hinbewegen? Wozu heutige Texte, die schlechter und teurer sind als Shakespeare? Welche Rolle soll der zeitgenössische Autor spielen, wenn nicht die des fünften Rades am Regiekarren? Wie kann unser Autorenrumoren konstruktiv werden?
Wo haben sich Wirksamkeit und Notwendigkeit des zeitgenössischen Theaters versteckt?
Wir wünschen uns (weil fordern blöd wäre; schließlich wollen wir uns am kürzeren Strang nicht aufhängen):

1. Keine Uraufführungssucht! Bereits entdeckte Autoren wiederentdecken.
Qualitätsgeilheit statt Frischfleischwahn!

2. Angemessene Uraufführungsprämien! Gegen die vom Theater gern kritisierte Ausbeutung des Menschen kann das Theater selbst etwas tun. Dramatiker sind keine Praktikanten.
Angemessene Honorare auch für Werkstattinszenierungen und Lesungen o. ä.!

3. Mehr Aufführungen einer Inszenierung statt ex und hopp!

4. Kontinuierliche Zusammenarbeit mit Autoren! Mehr Hausautoren! Autorentheaterevents ohne Altersbeschränkung und mit Folgen; d.h. keine One-Night-Stands mit Schreibern, sondern Beziehungspflege.

5. Eine verantwortungsvolle Umsetzung neuer Dramatik. Die Inszenierung durch einen Regieassistenten ist nicht immer die Krönung für einen Text. Eine gute Besetzung dagegen schon.

6. Neue Stücke öfter auf die große Bühne! Durch nachhaltige Arbeit mit den Autoren wird das möglich sein. Mutdoping für Dramaturgen!

7. Mehr Dialog mit dem zeitgenössischen Publikum vor Ort statt auf die überregionale Presse zu schielen.

8. Die Einführung einer Klassikerabgabe! Für das Spielen tantiemenfreier Klassiker geht ein kleiner Betrag an einen Fonds für zeitgenössische Dramatik.

9. Steuerkarten für zeitgenössische Dramatiker! Erste symbolische Geste: Gespielte Autoren bekommen an allen deutschsprachigen Bühnen ermäßigte Karten.

10. Eine offene Debatte mit allen Theaterschaffenden über die bestehenden Strukturen, über die Zukunft des Theaters und die Frage, ob es nicht auch ohne neue Dramatik geht.

Kontakt:Rolf Kemnitzer, Andreas Sauter, Katharina Schlender (battle-autor@gmx.net)
Wer sich unseren Wünschen anschließen will, bitten wir zu unterschreiben
und diese Erklärung an folgende Adresse zu schicken: battle-autor@gmx.net
oder per Post an Andreas Sauter, Dieffenbachstr. 29, 10967 Berlin.
Wir planen, den Text samt Liste der Unterzeichner zu veröffentlichen.

(Stand: Sommer 2007)

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