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Bild: Jaan Tätte

Jaan Tätte

Jaan Tätte wird 1964 in Viljandi, Estland geboren. Von 1982 bis 1984 Biologiestudium in Tartu; 1985/86 Regieausbildung am Pädagogischen Institut Tallinn; bis 1990 Bühnenkunst-Studium am Staatlichen Konservatorium Estlands. Seit 1990 arbeitet er als Schauspieler am Linnateater in Tallinn. In Estland ist er außerdem als Sänger bekannt, er hat zusammen mit dem Schauspieler Marco Matvere mehrere CDs aufgenommen. Seit Ende der neunziger Jahre schreibt Tätte Theaterstücke. Mit dem Stück Bungee Jumping oder die Geschichte vom goldenen Fisch (DEA 21.1.200 am Stadttheater Würzburg, Regie Harald Siebler),das in Estland mit mehreren Literatur- und Theaterpreisen ausgezeichnet wurde, hat er sich auch international als Dramatiker einen Namen gemacht. In Deutschland erlebte es bereits mehr als 30 Inszenierungen. Weitere Stücke: Die Brücke, Fasten Seatbelts oder Viel Glück zum Alltag!, Elchtest, Der Brunnen.

  • Die Brücke
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    Textbuch

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    (Sild)
    Aus dem Estnischen von Irja Grönholm
    4 D, 5 H

    Leele, eine junge Frau auf der Brücke des Lebens. Sie ist schön und gescheit, sie weiß, was sie wert ist, aber noch nie hat einer das "Ich liebe dich" gesagt, auf das sie so sehnlich wartet. Weil sie keine Zeit mehr hat, bestellt sie kurzentschlossen den jungen Arzt aus dem Zentralkrankenhaus zu einem Treff auf eine alte Holzbrücke. Sie fordert ihn heraus. Sten, der Arzt, zufällig gekommen (oder auch nicht zufällig, er kennt Leeles Krankengeschichte, er hat Briefe an sie in der Tasche), beantwortet den hinreißenden Monolog der jungen Frau mit einer Liebeserklärung. Der zweite Teil des Stückes, den Jaan Tätte in einem phantastischen Zwischenreich angesiedelt hat, gehört geheimnisvollen Gestalten, die schon auf der Holzbrücke auftauchten. Vielleicht zwischen Himmel und Hölle, jedenfalls zwischen Leben und Tod tummeln sich sieben Personen alle auf der Suche nach einem Liebesglück, das ihnen niemand mehr gewähren kann. Knaut, der Spielmacher im Nirgendwo, der sich als Vater von Leele ausgibt und das baldige Kommen der Tochter ankündigt, arrangiert ein bizarres Party-Spiel, weil man ja vielleicht alles noch einmal von vorn anfangen könne. Maara und Humee, zwei verheiratete Frauen in mittleren Jahren, erzählen erotische Träume, die ihnen ein Nobody erfüllt, der nebenbei Bomben bastelt. Ebe, die dritte Frau, die Speckdiebin, gerät an einen Brutalo-Typ, der ihr erst den Liebhaber spielt und sie dann allgemeinem Gespött preisgibt. Auf Leele freilich warten die Liebessucher vergeblich ... Es ist ein faszinierendes Werk über rare Glücksmomente und unwiderrufliche Irrtümer im Leben. Ein theatralisch ergiebiges Spiel von den Rätseln der Liebe.

    Deutsche Erstaufführung: 27.04.2002, Staatstheater Stuttgart, Regie: Henning Bock

  • Der Brunnen
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    Textbuch

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    (Kaev)
    Aus dem Estnischen von Irja Grönholm
    1 D, 2 H

    Verbrannte Erde, ein Brunnen, zwei entkräftete Männer. Sie sind am Verdursten, der Brunnen gibt ihnen nur noch höchstens ein Glas Wasser pro Tag. Die Sonne sengt erbarmungslos, nur morgens und abends können die beiden sich überhaupt bewegen. Geradezu absurd wirken da ihre Versuche, sich die Situation schönzureden, sie zu verdrängen, an eine Zukunft zu glauben. Jeder markiert den Stärkeren, will nicht einmal zugeben, daß er Durst hat. Nüchtern überlegen sie, wer wen ermorden wird, denn die letzten Wassertropfen werden nur noch für einen reichen. Aber dazu kommt es nicht. Wie aus dem Nichts taucht eine junge Frau auf, und es beginnt ein aberwitziges Spiel. Sie flirtet mit ihnen, umgarnt sie, päppelt sie so weit es geht auf, denn sie will etwas von ihnen - ein Kind. Mit letzter Kraft verrichten beide ihre Mannespflicht und bleiben verwirrt und geschwächt, zugleich aber auch irgendwie geläutert, zurück. War es eine Fata Morgana, oder ist das Ganze vielleicht nur ein fürchterlicher Alptraum, aus dem sie schon bald wieder erwachen? Eine tragikomische Endspiel-Version über die Kunst der Verdrängung und des Selbstbetrugs, wie sie eindringlicher kaum sein könnte.

    Uraufführung: Linnateater, Tallinn 2006
    Deutsche Erstaufführung: 18.10.2008, Zimmertheater Tübingen

  • Bungee Jumping
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    oder Die Geschichte vom goldenen Fisch
    (Ristumine Peateega ehk Muinasjutt Kuldsest Kalakesest)
    Aus dem Estnischen von Irja Grönholm
    1 D, 3 H

    Auf Quartiersuche in einer abgelegenen Anglerhütte gelandet, geraten Roland und Laura, zwei "young urban professionals" estnischer Prägung, in einer stürmischen Regennacht unversehens in einen gewaltigen Gewissenskonflikt. Der vereinsamte Angler Osvald macht dem Paar ein fatales Angebot. Falls ihm die schöne Laura überlassen wird, winken Gelder in exorbitanter Höhe. Ist Osvald ein Verrückter, der sich in das Illustriertenfoto einer badenden Nixe vernarrt hat und sie nun in der nässetriefenden Besucherin wiederzuerkennen meint? Ist er ein Träumer und Spinner, der sich eine eigene Variante von der Mär vom Goldenen Fisch ausgedacht hat? Will er vielleicht nur die Standhaftigkeit des Paares auf die Probe stellen? Oder ist Osvald gar ein kleiner Gauner im Dienste einer Bande, die in der Hütte ihre Dollars zwischenlagert? Jedenfalls vermögen Laura und Roland den Verlockungen des Reichtums nicht zu widerstehen und gerieren sich geradezu bösartig, als ihnen der in Aussicht gestellte Gewinn wieder zu entschwinden scheint. Augenzwinkernd und immer auch das Theater im Theater im Blick, erzählt der estnische Autor (und Schauspieler) seine beziehungsvolle Geschichte mit verblüffenden Wendungen.

    Deutsche Erstaufführung: 21.01.2000, Stadttheater Würzburg, Regie: Harald Siebler
    Schweizer Erstaufführung: 08.02.2001, Theater Neumarkt, Zürich
    Österreichische Erstauff: 03.05.2003, Bregenz

  • Elchtest
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    Textbuch

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    (Meeletu)
    Aus dem Estnischen von Irja Grönholm
    2 D, 3 H, Besetzung variabel

    Ein junger Geschäftsmann, durch den Handel mit Nokia-Handys schnell zu Reichtum gekommen, gerät in eine Sinnkrise. Er fährt in eine abgelegene Gegend, kauft einem Bauern sein Haus ab und genießt das einfache, "richtige" Leben. Die Dorfbewohner wissen nicht so recht, ob er ein Verrückter oder ein Heiliger ist, und da er ihnen so heilsame Ratschläge geben kann, entscheiden sie sich für letzteres. Freudig nimmt er diese Rolle an, erklärt sich zum Verkünder des Licht-Glaubens, zelebriert abstruse Waldmessen und predigt Binsenweisheiten. Seine Firma, das Geld, nichts zählt mehr, er sagt sich begeistert von allem los, will nur noch der Natur und den Menschen dienen. Doch die bleiben plötzlich weg. Sollte der selbsternannte Guru übersehen haben, dass sie nur seinem Reichtum huldigen wollten? Jaan Tätte zielt mit dieser witzigen Parodie in alle Richtungen - auf die Oberflächlichkeit der neureichen Yuppies, die jede Bodenhaftung verloren haben, auf die Dumpfheit vermeintlicher Dorfidylle, die Banalität übertriebener Naturanbetung und auf die Fragwürdigkeit narzißtischer Aussteigermodelle. Die amüsante Rückschau der Ich-Figur, über die sich diese Geschichte aufblättert, ist als Episodenspiel mit Mehrfachbesetzungen ebenso denkbar wie als abendfüllender Monolog.

    Schweizer Erstaufführung: Eigenproduktion Tropfsteiverein , Theater
    Deutsche Erstaufführung: 30.09.2006, Staatstheater Wiesbaden, Regie: Beat Fäh

  • Fasten Seat Belts
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    Textbuch

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    oder Viel Glück zum Alltag!
    (Palju õnne argipäevaks!)
    Komödie
    Aus dem Estnischen von Irja Grönholm
    2 D, 2 H

    Anett kommt von einer Dienstreise zurück und verkündet Fred, ihrem Ehemann, dass sie sich unsterblich verliebt hat. Fred nimmt zunächst an, sie wäre nach siebzehn Jahren Ehe wieder für ihn entflammt, aber Anett spricht natürlich von einem anderen Mann. Und da sie nun so glücklich ist, hat sie den Geliebten gleich mitgebracht. Ist diese Frau nun naiv und glaubt wirklich an eine harmonische "Dreisamkeit", oder spielt sie ein gerissenes Spiel, um Nachbarin Anna eins auszuwischen? Die nämlich ist seit Jahren in Fred verliebt und wartet nur darauf, ihren Angebeteten endlich verführen zu können. Aber selbst jetzt ist Fred für sie nicht zu haben, dafür zeigt sich Manfred, der neue Mann im Haus, durchaus nicht abgeneigt. Zunächst allerdings krabbelt dieser zu Fred ins Bett, was den ohnehin schwer Gebeutelten endgültig aus der Fassung bringt. Eine wendungsreiche Komödie, die mit erfrischender Leichtigkeit über das ewige Thema der menage á trois behandelt und zugleich heftige Seitenhiebe in Richtung "modernes Leben" austeilt.

    Deutsche Erstaufführung: 12.05.2005, Mecklenburgisches Staatstheaer Schwerin, Regie: Nils Brück
    Österreichische Erstauff: 22.03.2006, Theater Kosmos, Bregenz

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