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Bild: Alexander Wampilow

Alexander Wampilow

19.08.1937 Kutilik (Sibirien) - 17.08.1972 Baikalsee

Es kommt die Stunde, da wir für unsere Gleichgültigkeit und unseren Egoismus bezahlen müssen. (Aus Wampilows "Zwanzig Minuten mit einem Engel")

Wampilow gilt als literarischer Wegbereiter der sowjetischen "Tauwetterperiode", die in den sechziger Jahren begann. Der Linguist und Zeitungsredakteur setzte eine große Tradition fort, die sich von Gogol über Tschechow bis zu Majakowkski zieht. Seine Stücke spielen in der inneren und äußeren Provinz. Die traumhaft realistischen Figuren existieren im abgelegenen, provisorischen Alltag. Wampilow schrieb drei Einakter und vier abendfüllende Stücke. Er ertrank mit 35 Jahren bei einer Bootsfahrt im Baikalsee.

"Und jeder Satz ist ein Satz für Schauspieler. Und dennoch braust durch diese Stücke der Wind der Vororte, der kleinen, irgendwo verlorenen Städtchen, der Wind, den man einatmen wird, wenn man aus dem Theater hinaustritt." (Konstantin Rudnizki)

  • Abschied im Juni
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    Textbuch

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    (Prošcanie v ijune)
    Komödie in 3 Teilen
    Aus dem Russischen von Harry Burck
    5 D, 5 H

    Kolesow steht kurz vor dem Examen. Er ist ein Student, dem noch die Welt zu Füßen liegt. Darum, so prahlt er, wird er auch das schönste Mädchen der Stadt zu einer Hochzeitsfeier mitbringen. Doch Tanja lässt ihn abblitzen und wegen einer Sängerin kommt es zu einer handfesten Schlägerei. Kolesow ist über Nacht ein von der Polizei gesuchter Rowdy. Daraufhin will der Rektor ihn von der Uni schmeißen. Aber als er mitbekommt, dass seine Tochter Tanja ausgerechnet in diesen Typen verliebt ist, bietet er ihm einen Deal an: Er bekommt sein Diplom, muss sich aber sofort von Tanja fernhalten und die Stadt verlassen. Bis hierhin war es Komödie. Der letzte Akt wird die dramatische Farce.

    DDR-Erstaufführung: 18.11.1976, Bühnen der Stadt Gera, Regie: Jefim Chigerowitsch

  • Der ältere Sohn
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    Textbuch

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    (Am Stadtrand)
    (Staršij syn [Predmest'e])
    Komödie in 2 Akten
    Übersetzung: Thomas Reschke
    Aus dem Russischen von Thomas Reschke
    4 D, 6 H

    Glaube ich nicht! Verstehe ich nicht! Will ich nicht wissen! Du bist ein echter Sarafanow! Mein Sohn! Und noch dazu mein Lieblingssohn!

    Sie haben den letzten Zug verpasst. Es ist kalt in jener sibirischen Nacht, als sich die jungen Trinkkumpane Bussygin und Silva an einem düsteren Stadtrandgebiet zu einer Unterkunft durchfragen. Die Familie Sarafanow lässt sie schließlich in ihr Haus. Vater Sarafanow, ein auf Beerdigungen und Hochzeiten spielender Musiker, dessen Familie noch immer glaubt, er sei Mitglied der Philharmonie, meint in Bussygin seinen verlorenen Sohn zu erkennen. Alle abgelauschten und leichtsinnig preisgegebenen Informationen nutzen die Eindringlinge nun aus, um sich tiefer in die zerfallene Familienstruktur hinein zu graben. Es ist die heitere und zugleich unendlich traurige Variante der uralten Vater-Sohn-Beziehung. Er ist heimgekehrt und die Lebenslüge wird gefeiert, solange es möglich ist. Als die Blase platzt, gibt Wampilow seinen Figuren die Chance, nicht im Chaos zu versinken, sondern behutsam und mit ungeahnter Scham neue Beziehungen aufzubauen.

    DDR-Erstaufführung: 03.04.1975, Maxim Gorki Theater Berlin, Regie: Piet Drescher

    siehe auch Valentina Schalagina: Der ältere Sohn

  • Der ältere Sohn
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    Textbuch

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    (Staršij syn)
    Komödie
    Bearbeitung: Klaus Pfützner
    Aus dem Russischen von Valentina Schalagina
    Bearbeitung: Klaus Pfützner
    4 D, 6 H

    Glaube ich nicht! Verstehe ich nicht! Will ich nicht wissen! Du bist ein echter Sarafanow! Mein Sohn! Und noch dazu mein Lieblingssohn!

    Sie haben den letzten Zug verpasst. Es ist kalt in jener sibirischen Nacht, als sich die jungen Trinkkumpane Bussygin und Silva an einem düsteren Stadtrandgebiet zu einer Unterkunft durchfragen. Die Familie Sarafanow lässt sie schließlich in ihr Haus. Vater Sarafanow, ein auf Beerdigungen und Hochzeiten spielender Musiker, dessen Familie noch immer glaubt, er sei Mitglied der Philharmonie, meint in Bussygin seinen verlorenen Sohn zu erkennen. Alle abgelauschten und leichtsinnig preisgegebenen Informationen nutzen die Eindringlinge nun aus, um sich tiefer in die zerfallene Familienstruktur hinein zu graben. Es ist die heitere und zugleich unendlich traurige Variante der uralten Vater-Sohn-Beziehung. Er ist heimgekehrt und die Lebenslüge wird gefeiert, solange es möglich ist. Als die Blase platzt, gibt Wampilow seinen Figuren die Chance, nicht im Caos zu versinken, sondern behutsam und mit ungeahnter Scham neue Beziehungen aufzubauen.

    EAÜ - Erstauff. d. Übersetzung: 10.09.1974, Deutsches Nationaltheater Weimar, Regie: Gerhard Neubauer

    siehe auch Thomas Reschke: Der ältere Sohn

  • Die Entenjagd
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    Textbuch

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    (Utinaja ochota)
    Stück in 3 Akten
    Übersetzung: Harry Burck
    Aus dem Russischen von Harry Burck
    4 D, 5 H, 1 K

    Deine Frau gefällt mir. Ich versteh gar nicht, wie du zu der gekommen bist.

    "Die Entenjagd" entstand bereits 1967, konnte aber erst 1979, sieben Jahre nach Wampilows Tod, uraufgeführt werden. Das Stück beginnt mit einem Witz: Viktor Silow bekommt einen gigantisch hässlichen Trauerkranz zu seinem Ableben geschenkt. Die Belegschaft weint ihm keine Träne hinterher. Silow ist so ein athletischer Typ mit Bierflasche am Neubaufenster. Verkatert, mürrisch, großspurig, unzufrieden. Er ist 30 Jahre alt, Ingenieur von Beruf, verheiratet auch noch und er hat keine Lust mehr auf nichts außer auf die Entenjagd, allein mit sich in der Natur. Ein Mann, der seine Umgebung rasterscharf durchschaut und den die große Ödnis überfallen hat. Reste romantischer Sehnsüchte aktiviert er immer noch, aber er wehrt sich gegen sinnlose Verantwortlichkeiten. Silows Seele ist beschädigt. Er ist der Nachbar, der unangenehm ist. Der sich rausreißen will aus dem provinziellen Sumpf, aber knietief drin verfangen ist. Niemand kann erkennen, ob er geweint hat oder gelacht.

    DDR-Erstaufführung: 12.10.1980, Städtische Theater Karl-Marx-Stadt, Regie: Gerhard Meyer

    siehe auch Eckhard Thiele: Die Entenjagd

  • Die Entenjagd
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    Textbuch

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    (Utinaja ochota)
    Übersetzung: Eckhard Thiele
    Aus dem Russischen von Eckhard Thiele
    4 D, 5 H, 1 K

    Ich pfeif auf eure Sitten. Hört ihr! Eure Sitten widern mich an.

    "Die Entenjagd" entstand bereits 1967, konnte aber erst 1979, sieben Jahre nach Wampilows Tod, uraufgeführt werden. Das Stück beginnt mit einem schlechten Witz: Viktor Silow, verkatert, großmäulig, unzufrieden, bekommt einen hässlichen Trauerkranz zu seinem Ableben geschenkt. Die Kollegen amüsieren sich prächtig. Silow ist so ein athletischer Typ mit Bierflasche am Neubaufenster. Er ist 30 Jahre alt, Ingenieur von Beruf, verheiratet und er hat keine Lust auf nichts mehr außer die Entenjagd, allein mit sich in der Natur. Ein Mann, der seine Umgebung rasterscharf durchschaut und den die große Ödnis überfallen hat. Reste romantischer Sehnsüchte aktiviert er immer noch, aber er wehrt sich gegen sinnlose Verantwortlichkeiten in einer Zeit organisierter kollektiver Schlampigkeit. Silow ist beschädigt. Er ist der unangenehme Nachbar, der sich rausreißen will aus dem provinziellen Sumpf, aber knietief drin verfangen ist. Niemand kann erkennen, ob er geweint hat oder gelacht.

    siehe auch Harry Burck: Die Entenjagd

  • Das Haus mit den Fenstern zum Feld
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    Textbuch

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    (Dom oknami v pole)
    Komödie in einem Akt
    Aus dem Russischen von Thomas Reschke
    1 D, 1 H

    Der frühe Einakter, 1964 geschrieben, enthält bereits alle Attribute der späteren Wampilowschen Dramatik. Ein Dorf irgendwo. Eine junge Milchbäuerin und ein junger Lehrer, der drei Jahre Dienstverpflichtung in der Dorfschule abgeleistet hat. Es ist der letzte Abend und Tretjakow verabschiedet sich. Er fährt weit zurück in die Stadt. Der Busfahrer hupt. Sie könnten sich lieben. Tretjakow hat drei Jahre seines Lebens ihre Zuneigung nicht verstanden. Astafjewa weiß, wenn er geht, hat sie ihre Zukunft gerade verloren. Hohe Spannkraft liegt unter dem kleinen, alltäglichen Gespräch, das vom Chor der aufmerksamen Dörfler singend kommentiert wird. Der Busfahrer hupt. Die Tür bleibt offen.

  • Letzten Sommer in Tschulimsk
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    Textbuch

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    (Prošlym letom v Čulimske)
    Drama in 2 Akten
    Aus dem Russischen von Gerhard Neubauer
    3 D, 6 H

    Denn der Vorgarten ist die Welt. Und die Welt ist ein Vorgarten. Mehr nicht? Mehr nicht.

    Jeden Tag repariert Valentina den Zaun vor der Teestube. Und jeden Tag wird er wieder von den wenigen Gästen demoliert. Es ist heiß und stickig in diesem Sommer 1970 in Tschulimsk. Die runtergewirtschaftete Teestube soll renoviert werden. Irgendwann. Es hat keine Eile. Die Luft steht still. Die Menschen in diesem vergessenen Flecken irgendwo in der sibirischen Taiga haben ihre Sorgen und Freuden wie andernorts auch. Sie lieben und verraten sich, sie langweilen und ereifern sich. Sie heißen Schamanow, Paschka, Kaschkina, Metschotkin, Pomigalow, Jeremejew. Sie werden bleiben oder sich verlieren. Und Valentina wird weiter jeden Tag den Zaun aufrichten.

    Ein "Traumspiel über merkwürdige, wundersame Leute". (Gerhard Stadelmaier)

    DDR-Erstaufführung: 21.02.1975, Städtische Theater Karl-Marx-Stadt, Regie: Gerhard Meyer

  • Provinzanekdoten
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    Textbuch

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    (Provincialnye anekdoty)
    Ein Theaterabend in 2 Teilen
    Aus dem Russischen von Thomas Reschke
    2 D, 5 H

    Geld, wenn man keines hat, ist was Furchtbares.

    1. Die Geschichte mit dem Metteur

    Kaloschins Karriere führte hinab in ein Provinzhotel, wo er die Hausordnung durchzusetzen versucht. Er strampelt sich ab, macht sich zum Affen, bekommt einen Herzanfall und das alles nur, weil niemand weiß, was ein Metteur ist. Eine hohe Persönlichkeit, ein Mitarbeiter des Ministeriums, ein großes Tier? Als sich die Ereignisse in einem der Hotelzimmer gogolinisch grotesk überschlagen, weiß der kleine Administrator Kaloschin, dass es sich um einen einfachen Setzer handelt, vor dem hier alle zitterten. Er steht auf und verlässt das Haus.

    2. Zwanzig Minuten mit einem Engel

    Im Hotelzimmer nebenan kämpfen Antschugin und Ugarow gegen ihren Kater. Sie brauchen Wodka, haben aber alles Geld versoffen. Sie brüllen ihren Frust aus dem Fenster und dann kommt er: Chomutow. Gerade hörte er von der Straße die verzweifelten Rufe und nun will er den Saufbolden 100 Rubel schneken. Einfach so? Aus reiner Menschlichkeit? Antschugin und Ugarow verdächtigen, fesseln und beleidigen ihn, bis Chomutow sein ihm so unangenehmes Geheimnis offenbaren muss.

    Zwei zusammengehörige, pointierte, witzige Einakter in der Tradition Gogols.

    DDR-Erstaufführung: 24.03.1974, Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, Regie: Friedrich Siebert
    BRD-Erstaufführung: 27.11.1978, Stadttheater Aachen, Regie: Georg Immelmann

  • Der ältere Sohn
    Aus dem Russischen von Thomas Reschke

    Sie haben den letzten Zug verpasst. Es ist kalt in jener sibirischen Nacht, als sich die jungen Trinkkumpane Bussygin und Silva an einem Stadtrandgebiet zu einer Unterkunft durchfragen. Die Familie Sarafanow lässt sie schließlich in ihr Haus. Vater Sarafanow, ein auf Beerdigungen und Hochzeiten spielender Geiger, dessen Familie noch immer glaubt, er sei Mitglied der Philharmonie, meint in Bussygin seinen verlorenen Sohn zu erkennen. Alle abgelauschten und leichtsinnig preisgegebenen Informationen nutzen die beiden nun frech aus, um sich tiefer in die zerfallene Familienstruktur hinein zu graben. Es ist die heitere und zugleich unendlich traurige Variante der uralten Vater-Sohn-Beziehung. Er ist heimgekehrt und die Lebenslüge wird gefeiert, solange es möglich ist. Als die Blase platzt, gibt Wampilow seinen Figuren die Chance, nicht im Caos zu versinken, sondern neue Beziehungen aufzubauen.

    Mit Michael Schweighöfer, Herbert Sand, Günter Naumann, Jan Josef Liefers, Reiner Heise, Gundula Köster.

    Ursendung: Funk/DDR 1987, 55 min, Regie: Rainer Schwarz

  • Zwanzig Minuten mit einem Engel
    Aus dem Russischen von Thomas Reschke

    Ursendung: Rundfunk der DDR 1976, 28:47 min, Regie: Helmut Hellstorf

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