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Bild: Katja Brunner

Katja Brunner

Katja Brunner, geboren 1992 in Zürich, studierte Literarisches Schreiben an der HdK Bern und Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. 2010 entstand innerhalb des Dramenprozessors ihr Stück "von den beinen zu kurz", das am Theater Winkelwiese uraufgeführt wurde. 2012 nahm sie an den Werkstatttagen des Burgtheaters teil. 2013 war sie mit ihrem Stück "die hölle ist auch nur eine sauna" zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen, gewann mit der Deutschen Erstaufführung von "von den beinen zu kurz" den Mülheimer Dramatikerpreis und wurde in der Kritikerumfrage von "Theater heute" zur besten Nachwuchsautorin gewählt. In der Spielzeit 2014/2015 war Katja Brunner Hausautorin am Theater Luzern. Im Sommer 2015 war sie Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin. 

  • ÄNDERE DEN AGGREGATZUSTAND DEINER TRAUER
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    Besetzung variabel

    Ein Teenager springt in den Tod. Dieser Selbstmord bildet den Auftakt für verschiedene Wesen in Tier- und Menschengestalt, ihre Sorgen zu artikulieren. Fuchs und Made zum Beispiel berichten von Versorgungsengpässen in einer denaturierten Welt. Der Teenager selbst wirft Schlaglichter auf seine kurze Biografie: Zeugung, Kindergarten und Schulzeit erzählen von seinem fremdbestimmten Leben im Räderwerk einer leistungsorientierten Erziehungsökonomie. Die verlassene Mutter, per Therapie zum Aushalten des Unaushaltbaren getrimmt, wird von ihrer unmittelbaren Umgebung bemitleidet und geächtet. Nur eine "Alt Gewordene" wird zur magischen Seherin und hält eine Brandrede wider die Digitalisierung des Lebens. Der freie Fall des Teenagers wird schließlich zum Befreiungsschlag aus einer künstlichen Welt.
    "Ein Text darüber, dass man vielleicht besser daran getan hätte, den Menschen bei seiner Geburt zu beweinen statt bei seinem Tod. Ein Text über die energetische Freisetzung, könnte man alle Depressionen aus den Herzen und aus den Köpfen mittelständischer mitteleuropäischer gepamperter Menschen löschen." (Katja Brunner)

    Uraufführung: 21.03.2014, Theater Luzern, Regie: Marco Storman

  • geister sind auch nur menschen
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    Besetzung variabel

    Die Heime, der ihrer Heimat beraubten Alten, Kranken und Unberührten sind Schauplatz im neuen Text von Katja Brunner. Es ist, so die Autorin im Vorwort, ein SPRECHEN OHNE ZUKUNFT und daher "freier als manch anderes Sprechen". Dieses Sprechen nimmt nicht Platz vor der Bettkante, sondern wühlt sich hinein in die mit Exkrementen und Wundschorf, Schläuchen und Kathetern verzierten Bettstätten der zum Liegen Verdammten. Abgeschirmt von einer Welt, der sie sich tatkräftig hingaben, betrachten sie verwundert die Scherben ihres gutbürgerlichen Lebens: Erlebtes steht neben unwiederbringlich Verpasstem, Träume mutieren zu Alpträumen. Der durch einen Schlaganfall versehrte Körper wird von seiner Bewohnerin als vergessener Handschuh empfunden, einem anderen wird wegen sexueller Übergriffigkeit am weiblichen Pflegepersonal der Rauswurf angedroht. Von Berührungen durch Pflegerhand zugefügte Hämatome werden im allseitigen Einvernehmen als "Zeichen der Zuneigung" befunden. Kein Blatt mehr nehmen die Alten vor die ausgetrockneten Münder. Schwall um Schwall bricht es ungehört aus ihnen heraus. Am Ende gewinnt der Krebs die Oberhand. Gebannt lauschen sie dem inwendigen Wachsen des Tumors bis ihre Kiefer runterklappen. "geister sind auch nur menschen" ist ein Text für und von den Todgeweihten, die rundumversorgt im Heim ihre auf kapitalistische Betriebsamkeit getrimmten Nachkommen nicht behindern sollen; es ist ein pralles Drama, das die Sterbenden in die Mitte einer Gesellschaft, die sie professionell ausgrenzt, zurückholt.

    Uraufführung: 08.05.2015, Theater Luzern, Regie: Heike M. Goetze
    Deutsche Erstaufführung: 17.03.2017, Schauspiel Leipzig, Regie: Claudia Bauer

  • die hölle ist auch nur eine sauna
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    Gott hat einfach keine Lust zu nähen. Sonst hätte er denen schon längst was übergezogen, diesen NUDISTEN.


    Wann beginnt Leben und wozu? Der Text von Katja Brunner nimmt uns mit auf eine Höllenfahrt in die Gebärmutter als "grausigem Ort", an dem der Schrecken und die Lust des Lebens ihren Anfang nehmen, steigt hinab ins Kellerverlies von der da unten (Ähnlichkeiten mit überlebenden Personen sind naheliegend) und überschreibt gegen jede herrschende Interpretationslogik andere überlieferte Opfergänge des weiblichen Geschlechts. Die zur Sprachlosigkeit Verdammten, allen voran Hermi, ein zerbeulter Hermaphrodit, bekommen mit der Sprache, im Sprechen, dem Erheben der Stimme ihre Existenzberechtigung zurück. Es ist eine OP am offenen Herzen einer Gesellschaft, deren strukturelle Macht, deren brutales Diktat der Normierung perverse Auswüchse in Kauf nimmt, andere versteckt, wegsperrt, unsichtbar werden lässt. Das sprachgewaltige Textkonvolut ist jedoch keine verbiesterte Anklage, sondern ein frivol-ironisches Kampftraining, subversive Gedankengymnastik für die Unbetrauerbaren, Nicht-Existenten unter uns. Auf der Strecke bleibt der "Universaldörfler".

    Uraufführung: 08.10.2014, Theater Rampe Stuttgart, Regie: Marie Bues
    Österreichische Erstauff: 14.10.2014, KosmosTheater , Saal, Regie: Tanja Witzmann

  • MAN BLEIBT WO MAN HINGEHÖRT, UND WER NICHT BLEIBEN KANN, GEHÖRT HALT NIRGENDS HIN
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    oder EINE ARGLOSE BEISETZUNG
    Besetzung variabel

    1782 wurde Anna Göldi als letzte Schweizerin wegen Hexerei verbrannt. Aus dem Flammenmeer droht sie den Schaulustigen mit ihrer Wiederkehr. Gleich darauf läuft sie über asphaltierte Straßen und Plätze, legt sich irgendwann auf den Boden, drückt ihr Ohr gegen die Erde, um "den ältesten Igel Europas" zu belauschen. Stachelig, satt und rund verdaddeln er und seinesgleichen ihre Zeit im hermetisch abgeriegelten Bau bei einem perfiden Heimat-ABC. Ihr Ordnungssinn macht selbst vor Huren nicht Halt. Frauen, pro Stockwerk nach ihrer Herkunft sortiert, harren ihrer Kundschaft. Das Heidi selbst lässt sich bereitwillig die Öffnungen ihres kindlichen Körpers mit Butterblumen aus des Almöhis Hand verschließen. So weit so idyllisch. Doch irgendwann ist Schluss. Lauthals kündigt das adoleszente Alpenkind seinen Job als blütenweiße Identifikationsfigur, doch die Protestaktion verleppert. Eine "verwilderte Autorin" ertränkt ihre Ohnmacht in whiskey sour.
    Katja Brunners Text ist ein assoziatives Mosaik wohlfeiler Selbstzuschreibungen und euphemistischer "Das Boot ist voll"-Attitüden. Das uralte Recht auf Asyl war und ist keinen Pfifferling wert. Von Natur aus ist sich hier niemand gleich.

    Uraufführung: 24.11.2016, Theater Luzern, Regie: Christina Rast

  • von den beinen zu kurz
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    Besetzung variabel

    Da ist eine Familie: ein Vater, eine Mutter, ein Kind. Namenlos. Bürgerlich. Austauschbar. Alles könnte gut sein und werden, doch etwas läuft schief, heillos schief, denn der Vater verfällt der Tochter vom Tage ihrer Geburt an. Für die Tochter ist die "grenzenlose" Liebe des Vaters vom ersten Atemzug an Teil ihrer Wirklichkeit, sein maßloses Begehren Normalität. Die ausrangierte Mutter stempelt die Tochter alsbald zur Konkurrentin, Diebin ihres Mannes. Stimmen von außen vergegenwärtigen mögliche Stationen - Geburt, erster Übergriff, Streichelzoo, Kindergeburtstag, Arztbesuch, Selbstmord - dieser Tragödie. Kontrovers besprechen sie die schnellen Wechsel im Verhalten, die Gefühlsregungen, das Macht und Ohnmachtsgebaren der beteiligten Personen. Das Einbrechen surrealer Situationen von extremer physischer und psychischer Gewalt weist jedoch weit nach draußen in die Gesellschaft. Ist das Kind nicht gezwungen sich dem Willen der Eltern zu beugen, will es wertvoll für sie bleiben? Entgegen dem therapeutischen Gerede, das später auf sie einprasselt, verteidigt die Tochter ihr verhängnisvolles Verhältnis zum Vater. In diesem beeindruckenden Debüt Katja Brunners wird die Sprache zu einem Seziermesser, das die VaterMutterKindWelt zerschneidet und die schwindelerregenden Abgründe menschlicher Leidenschaft aufdeckt.

    Uraufführung: 31.03.2012, Theater Winkelwiese , Saal, Regie: Antje Thoms
    Deutsche Erstaufführung: 05.01.2013, Staatstheater Hannover, Regie: Heike M. Götze
    Österreichische Erstauff: 27.10.2014, Theater Drachengasse, Regie: Margit Mezgolich

  • Von den Beinen zu kurz

    Da ist die Tochter. Eine kleine Tochter, gerade fünf Jahre alt. Geboren, um geliebt zu werden. Ganzkörperlich, seelisch, ein Fressen für den liebesberauschten Vater. Vom ersten Tag an. Die Mutter liebt diese Tochter pflichtgemäß. Nahm sie ihr doch den Mann. Sie ist nur noch eine Diebin, eine üble Konkurrentin, mit der sie zum Arzt muss und zum Therapeuten. Für die Menschen drum rum, für die vielen Stimmen, die sich zerreißen, die spekulieren, die sich irriert umwenden, ist diese grenzenlose VaterMutterKindWelt-Tragödie ein böser Schnitt durch ihre Sicherheiten. Katja Brunner schrieb diesen Text mit 18 Jahren. Ein seziermesserscharfes Debüt, dass 2013 den renommierten Mühlheimer Dramatikerpreis bekam. Die Jury hob hervor, dass die Autorin Tabus überschreitet, "ohne dabei reißerisch zu sein".

    Im Hörspiel sprechen: Judith Engel, Roxana Samadi, Stephan Bissmeier, Marion Breckwoldt u.a.

    Pressestimmen:

    Theater der Zeit, 1. Juni 2015 - Erik Altorfer, Mitbegründer und künstlerischer Leiter der Zürcher Autorenwerkstatt Dramenprozessor, wo Brunner ihr Stück einst entwickelte, hat ... für den WDR ein Hörspiel inszeniert. Herausgekommen ist dabei weniger eine Reduktion als vielmehr eine Konzentration auf die sprachliche Materialität. Komponist Martin Schütz unterlegte die Polyfonie des Textes, welche das siebenköpfige Sprecherensemble hervorragend in Szene setzt, mit Klangteppichen, die die Musikalität der Brunner`schen Sprache scheinen lassen.

    041 - Das Kulturmagazin, 1. Mai 2015 - So beleuchtet "von den beinen zu kurz" ein schwieriges Thema ohne Polemik, aber mit viel Einfühlungsvermögen und sehr facettenreich. Ausgezeichnet gesprochen und mit starker Musik versehen, ist dieses Hörspiel äusserst empfehlenswert.

    MDR Figaro - Das Kulturradio, 10. Juni 2015 - Beklemmende Hörspielproduktion des WDR über den sexuellen Missbrauch von Kindern. ... Hervorzuheben ist neben der sensiblen Regie von Erik Altorfer vor allem die Musik von Martin Schütz. Seine Kompositionen, die über weite Strecken das Hördrama untermalen, spiegeln die menschlichen Abgründe wider, die hier beleuchtet werden.

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    Ursendung: 06.07.2014, WDR 3 , 52'56, Regie: Erik Altdorfer

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