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Bild: Dunja Arnaszus

Dunja Arnaszus

Geboren 1970 in Göttingen, arbeitete u.a. in England als Zirkus- und Performancekünstlerin. Sie lebt als Schauspielerin, Autorin und Dozentin in Hamburg.

  • Fortpflanzung - ich bin dabei!
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    1 D, 1 H, ad libitum

    Mit der Broschüre "Fortpflanzung - ich bin dabei!" versucht das Ministerium für Familie den Schwund der Bevölkerung noch einmal abzuwenden. Antonia und Tom sind eine in Wohngemeinschaft lebende Zielgruppe, die den Anleitungen und praktischen Übungen durchaus nachkommen will. Denn als erwerbslose Unterstufenlehrer sind sie auf jede staatliche Unterstützung angewiesen. Tapfer, aber wenig sachverständig, leisten sie kapitelweise den bürokratisch?erotischen Anweisungen Folge. Mit ernsthaftem Bemühen erscheinen sie auch zum Rapport, denn Libidoverweigerern drohen Apathiesteuern. Als sie sich von Asylbewerbern ein dunkles Kind borgen und es als eigenes Neugeborenes präsentieren, können sie die Behörde fast täuschen. Aber der Amtsarzt für Abstammungsidentifizierung riecht den Braten und Tom und Antonia sollen zwangsumgesiedelt werden. Da verschwinden sie als blinde Passagiere auf einem Frachtschiff doch lieber gleich ganz aus dem Land. Auf Kisten voller Munition fahren sie endlich dem Hafen von Addis Abeba entgegen.

    Ein tragikomisches Kammerspiel, dessen utopische Leichtfüßigkeit von der Realität eingeholt zu werden droht.

  • Futsch
    Ein Kompass fürs Chaos

    Es gibt eine geheime Behörde im Land. Die sammelt, registriert und veräußert gegen Aufschlag verschwundene und verlorene Dinge. Denn nichts ist völlig weg auf Nimmerwiedersehen. Nicht der entflogene Kanari, nicht die Handschuhe oder die Radiergummis. Nicht mal vergessene Gefühle. Die Schwestern Isa und Maike geraten mit ihrem unscheinbaren Mitschüler Jochen hinter die geschützten Mauern dieser Gralsburg gut gehorteter Verlorenheiten. Zu tausenden stapeln sich da die ehemaligen Lieblingsklamotten und längst vergessener Krempelkram. Fast sieht es aus wie zu Hause bei Jochen, der niemals jemanden einladen kann, weil seine Mutter eine Sammelwut hat. Eine gewagte Aktion der Kinder befreit alles Verlorene, dass nun in gewaltigen Wellen über die Stadt hereinbricht. Es wimmelt von Kleingetier. Heerscharen von Regenschirmen fliegen zurück und die Wohnungen platzen aus allen Nähten. Die Stadt gleicht binnen Minuten einer gigantischen Kippe.

    Zwischen humoristischer Fantasy und Kunstmärchen lotet Dunja Arnaszus die Frage vom Umgang mit Verlusten und Gewinnen, Leere und Überfluss aus.

    Es spielen Anna Huthmann, Holly Arnaszus, David Reibel, Britta Steffenhagen, Matthias Matschke, Irm Hermann u.a.

    "Futsch" wurde für den Kinderhörspielpreis 2010 in Karlsruhe nominiert.

    Ursendung: 12.09.2010, Deutschlandradio Kultur, 52'19, Regie: Judith Lorentz

  • Die letzte Schlacht
    Ein präpostkapitalistisches Bekennerschreiben

    "Sie sind Ingenieurin, Tischler, Operndiva, Therapeutin, Eltern und 40. Und es geht ihnen ganz gut. Bis sie einander wiederbegegnen, zwanzig Jahre nachdem sie der von ihnen gelebten Vision von der radikalen politischen Partizipation verstohlen den Rücken gekehrt haben. Was als witzig gemeintes autonomes Hausbesetzer-Ehemaligentreffen beginnt, entwickelt sich zu einem turbulenten Strudel aus Loyalität und Verrat, Milchschaum und Rheinwein, Liebe und Ruin, in dem schließlich auch Hamburgs gläsernes Renommierprojekt aus zunehmend plausiblen Gründen hopps gehen muss", so Dunja Arnaszus, die mit dieser subversiven Hörspielkomödie die Überlebensfähigkeit einstiger Ideale hinterfragt.
    O-Töne von Radio Hafenstrasse und die wilden Gesänge des Rote Flora Frauenchores wurden von Peta Devlin und Thomas Wenzel mit neuen Kompositionen und den Opernkoloraturen der Sopranistin Sylvia Koke musikalisch verbunden.

    Mit Nina Kronjäger, Sandra Borgmann, Konstantin Graudus, Sylvia Koke, Nina Petri, Oscar Ortega Sanchez, Lotte Arnaszus und anderen.

    Ursendung: 17.04.2011, NDR info, 53'53, Regie: Dunja Arnaszus und Heike Tauch

  • Die Nächsten Besten
    Ein familiäres Phantasma

    Jeden Tag wispern allüberall die Riesenchöre der Mütter Rituale der Umsorgung. Sie hören sich jede für sich stets das gleiche sagen und können doch nicht aufhören. Wie nötigend klingen die ständigen Hinweise, Fragen, sanften Mahnungen und Erinnerungen. Anne Westphal, studierte Elektrotechnikerin, beschließt, sich überflüssig zu machen, verkabelt die Wohnung mit einem Netz aus elektronischen Haushaltshelfern und taucht weg. Ihre zehnjährige Tochter Martha bekommt das kaum mit, denn die Stimme der Mutter klingt in allen Lebenslagen vom Band. Außerdem ist sie mit ihrer Freundin dabei, die Welt zu verbessern. Und dazu gehört an erster Stelle die Befreiung sämtlichen Kleingetiers aus der nächstgelegenen Tierhandlung. Während Martha einem anderen Ritual nachgeht - dem täglichen Telefonat mit ihrem Vater, einem Bakteriologen, der ihr Geschichten vom Angriff der Killerviren erzählt - füllt sich die Wohnung mit Nagern und Vögeln aller Art, die nach und nach Annes Elektroanlagen lahm legen. Die Eltern werden jeder für sich irgendwann stutzig. Sie hatten so viel für ihr Kind bedacht, aber nichts von den außerplanmäßigen Träumen ihrer Tochter gewusst. Als das Chaos am Kochen ist, kommt die heilige Kleinfamilie kurz wieder an einen Tisch.

    Jede Figur von Dunja Arnaszus ist in diesem surrealen, familiären Phantasma auf seiner eigenen Umlaufbahn unterwegs. In einem riesigen Weltgebäude, dass mal vertraut und eng, mal unendlich fremd und gefährlich wirkt.

    Mit Nina Petri, Werner Wölbern, Lotte Arnaszus, Stefan Haschke, Axel Wandtke, Hedi Kriegskotte u.a.


    "Die Nächsten Besten" werden bei den ARD-Hörspieltagen in Karslruhe um den Deutschen Hörspielpreis 2010 kämpfen.

    Ursendung: 10.01.2010, NDR info, 49'59, Regie: Christine Nagel

  • Nebeneinander Gehen

    Martha liebt es, sich einen Menschen auszusuchen und ihm exakt drei Minuten durch die Straßen zu folgen. Kein Gespräch wird begonnen, und niemand wird ein zweites Mal begleitet. Martha beobachtet. Den Gang, die Kleidung, die Haltung, die Einkäufe, die Sichtachsen und nimmt Anregungen mit in ihren stillen Haushalt. Sie kocht, was die beobachtete Person kochen würde, sie baut sich Geschichten, setzt sich in Beziehung und ist fasziniert von ihren Mitmenschen, denen sie ansonsten schweigend und schüchtern aus dem Weg geht. Tagsüber arbeitet sie in einem Übersetzerbüro, aber nicht mal ihr Chef bemerkt, daß Martha nicht spricht, sondern nur übersetzt oder in vielen Schattierungen freundlich lacht. Ein Mann namens Hafer hat sie beim Beobachten beobachtet und sucht ihren Kontakt. Nach diesem Hörspiel hat man Lust, sich dem ersten Besten an die Fersen zu hängen und einfach mitziehen zu lassen. Mal sehen, was passiert. Mit Karina Plachetka, Tina Engel, Alexander Khuon, Boris Aljinovic, Carmen-Maja Antoni, Astrid Meyerfeldt, Irm Hermann u.a.

    Ursendung: DLF 2006, 54'17, Regie: Christine Nagel

    2006 Nominierung, Woche des Hörspiels Akademie der Künste Berlin

  • Zeppelini

    Zeppelini sind ein litauisches Nationalgericht. Hackfleischgefüllte Kartoffelklöße mit saurer Sahne und Pilzsoße. Eine Köstlichkeit, die niemand so gut kann, wie Ievas Baba. Gerade wollte sie ihrer Enkelin das alte Rezept beibringen, als sie fluchtartig ihren Bauernhof verlassen müssen. Ramunas steckt in Schwierigkeiten, Schüsse fallen. Über Nacht wird Ieva nach Deutschland verfrachtet, um irgendwo in einem Nest im Norden bei einem loyalen alten Lehrerehepaar den Haushalt zu führen. Sie wird dort eine Weile in einem kleinen Dachzimmer leben und den globalisierungsgesinnten Herrn Leysing ("Wir schnallen uns alle an in Deutschland.") um den Finger wickeln. Freundlich belehrend kann er der hübschen jungen Litauerin die Errungenschaften der westlichen Welt näher bringen und auch sein Enkel Sven kommt wieder häufig zu Besuch. Frau Leysing sieht das mit säuerlicher Skepsis. Zwischen erzwungener Offenheit und angestauter Wut betrachtet sie Ievas unkonventionelle Lebensart, die auf ihre Kosten geht. Aber Ieva läßt die Sorge um ihren Bruder Ramunas keine Ruhe, und eines Tags muß sie mit Svens verliebter Hilfe und Leysings geklautem BMW zurück nach Litauen.

    Ein Stück vom Weggehen und Wiederkommen in Europa. Zugleich eine schräge Liebes- und Gaunergeschichte, die von litauischer Geschichte erzählt, von norddeutschen Schwerenötern, baltischen Kriminellen, dem Kreuzberg, Kochrezepten und globaler Scheinheiligkeit.

    Mit Klara Manzel, Jan Dose, Bärbel Bolle, Winnie Böwe, Jürgen Kloth, Doris Kunstmann u.a.

    Ursendung: 27.06.2009, RBB/DLF, 54'33, Regie: Ulrich Gerhardt

    2008 2. Preis für das beste Regionalhörspiel, Zonser Hörspieltage

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