03.11.2011
Wenn die Ammenmärchen der Zivilisation verstummen, wenn das Geschwätz von der friedlichen Koexistenz und der Globalisierung in sich selbst erstickt, wenn die Welt in der multinationalen Schuldenverwaltung längst keinen Euro mehr wert ist, dann erhebt die furchtbare Vernunft der Barbarei wieder ihre Stimme. Jetzt spricht die Fremde, ihr Name Medea, ihre Sprache Gewalt, ihre Kunst der Mord. Am Ende fragt sie: "Wer ist dieser Mann?" Das ist nicht gelogen, sie erkennt Jason tatsächlich nicht mehr.
Heiner Müllers kühnes Kondensat des Medea-Mythos eröffnet inmitten der Apokalypse des Fortschritts hindurch auch eine Möglichkeit, dessen Unterbrechung zu denken: Medea als Subjekt, das die Geschichte der Gewalt mit Gewalt unterbricht.