Wolfgang Kohlhaase wird 1931 in Berlin geboren. Seit 1947 ist er Mitarbeiter bei der Jugendzeitschrift "Start" und bei der Tageszeitung "Junge Welt". Von 1950 bis 1952 arbeitet er als Dramaturg bei der DEFA, danach als freischaffender Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Drehbücher zu den Filmen: "Berlin - Ecke Schönhauser" (1956), "Der Fall Gleiwitz" (1961), "Ich war neunzehn" (1968), "Der Aufenthalt" (1983), "Die Grünsteinvariante" (1984), "Der Bruch" (1989), "Die Stille nach dem Schuß" (1999). Der Film "Solo Sunny" (1980), für den Kohlhaase das Drehbuch schreibt und auch die Co-Regie übernimmt, wird Kultfilm in der DDR.
Wolfgang Kohlhaase erhält zahlreiche Auszeichnungen, u.a. drei Nationalpreise der DDR, den Prix Italia, den Drehbuchpreis in Chicago, den Helmuth-Käutner-Preis, den Ernst-Lubitsch-Preis. Seit 1991 ist er Mitglied der Akademie der Künste. Er lebt und arbeitet nahe Berlin.
Erstausstrahlung:
28.08.2009, ARTE, 90 min.
Der Schauspieler Otto Kullberg, mit Kinoruhm aus dreißig Jahren, ist ein Mann, den die Frauen lieben und die Männer mögen.
Gelegentlich hat er zu viel getrunken. Ein Film ist daran gescheitert und der, den er jetzt macht, eine Affäre zu Dritt mit gutem Anfang und bösem Ende, ist wieder in Gefahr.
Ein zweiter Schauspieler wird engagiert, um Otto zu ersetzen, falls er ausfällt. Der Regisseur Telleck wählt sich Arno Runge, einen Mann vom Theater, wenig bekannt und jünger.
Die Szenen werden doppelt gedreht, zuerst mit Otto und dann mit Arno. Ein ernstes und komisches Duell findet statt.
Otto trifft seine Liebe von gestern wieder, Bettina, Partnerin im Film und inzwischen die Frau des Regisseurs. Er sieht, dass er sie in seinem Herzen verloren hat und wirft einen unentschiedenen Blick auf die Anfängerin Heike. Nicht, dass er sich alt fühlt, sie ist nur so jung.
Ottos Vater stirbt, der war Briefträger und ist in der wirklichen Welt herumgelaufen. Er selbst aber ist Schauspieler geworden und hat Spiel und Ernst gern verwechselt.
Er betrinkt sich mit Arno, seinem Konkurrenten, der liegt unter dem Tisch. Otto Kullberg hat vielerlei Leben dargestellt. Im Licht eines nüchternen Tages findet er sich in seinem eigenen Leben allein vor und Anderen entbehrlich. Was er immer noch hat ist das Gesicht, dem das Publikum glaubt.
Kinostart:
03.09.2009, 104 Min
2009 Beste Regie, Internationales Filmfestival Karlovy Vary
Nike hat einen Balkon, Katrin hat einen Sohn, Ronald fährt einen Truck, Tina ist Kellnerin, Oskar und Helene sind alt und allein. Ob mitten im Leben oder fast am Ende oder eben am Anfang, sie alle fragen sich das gleiche: Dauert die Liebe über die Jahreszeiten? Oder ist sie nur ein Botenstoff im Hirn, der kommt und geht?
Mit präzisem Blick und großer Liebe zu den Figuren hat der Regisseur Andreas Dresen die Geschichte von zwei Freundinnen verfilmt. Zwischen Himmel und Erde sitzen sie auf dem Balkon und blicken auf das bunte, schwierige Dasein, in dem die richtigen Männer oft die falschen sind, und in dem man besser durchkommt, wenn man nicht nur schön ist, sondern auch stark.
Der Autor Wolfgang Kohlhaase, ein Spezialist für lakonische Dialoge, erzählt davon mit Leichtigkeit, und der Film hält ohne Mühe die Balance zwischen Komik und Tragik. Nicht zuletzt dank eines großartigen Darsteller-Ensembles, Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt u.a., ist Andreas Dresen eine bezaubernde Komödie gelungen, getragen von Wärme, Herzlichkeit und hinreißendem Humor.
Kinostart:
05.01.2006
2005 Best Actress Inka Friedrich, Nadja Uhl, Chicago Film Festival
2005 Silver Shell of Best Screenplay, Filmfestival San Sebastian
2006, Ernst-Lubitsch Preis Berlin
2006 Regiepreis, Bayerischer Filmpreis München
Uraufführung:
12.09.2002
Uraufführung:
14.09.2000
Erstausstrahlung:
07.04.1999
Uraufführung:
29.08.1994
Österreichische Erstauff:
SWF
Erstausstrahlung:
16.02.1989, WDR
Erstausstrahlung:
20.10.1985, Fernsehen der DDR
Deutsche Erstaufführung:
04.05.1984
Uraufführung:
10.04.1980
Uraufführung:
24.02.1977
Uraufführung:
04.04.1974
Erstausstrahlung:
01.02.1968
Uraufführung:
17.06.1962
Uraufführung:
09.09.1960
Uraufführung:
30.08.1957
Kinostart:
27.08.1954
Im Sommer 1939 sitzen drei Männer in einer Pariser Zelle fest. Die Polizei brauchte keine Gründe, um sie einzusperren. Sie sind Ausländer, und die Weltlage ist zum Fürchten. Lodek ist ein deutscher Seemann, Grünstein ein jüdischer Schlächter aus Polen und der Dritte ist ein griechischer Koch, der zwanzig Jahre versuchte, den deutschen Kartoffelpuffer auf der Insel Korfu einzuführen. Drei Lebenswege treffen sich in der schmutzigen Langeweile des Gefängnisses und verlieren sich wieder. Lodek bringt Grünstein mit Brotfiguren das Schachspielen bei. Während der Grieche vereinsamt einen Gefängniskoller erleidet, beginnt Grünstein den Schachkenner Lodek zu besiegen. Mit einem genialen Springerzug, den Lodek sich nicht merken kann, so dass er aus der Welt des Schachs verschwindet, wie Grünstein aus der Welt. Vergeblich beschwört Lodek die Erinnerung an jene besondere Variante in der spanischen Eröffnung, die Grünsteins Namen tragen könnte.
Wolfgang Kohlhaase hat seinen berühmten Hörspielklassiker (Prix Italia 1977, 1984 von Bernhard Wicki verfilmt), für die Bühne bearbeitet. Ein zeitübergreifendes, berührendes Kammerspiel.
Uraufführung:
28.09.2005, Projekttheater Dresden
Sunny ist Schlagersängerin. Mit ihrer Band tingelt sie durch die Provinznester. Abend für Abend die gleichen Witze von Manager Benno Bohne. Die miesen Absteigen, die schlechte Musik, Alkohol und vernebelte Geilheit. Zu hause ist sie irgendwo in Ostberlin, in einer winzigen Bude im Hinterhof. Belauert von Hausbewohnern und fleißigen Ordnungshütern. Sunny träumt von ihrem Lied und von der großen Liebe. Als Ralph in die Band kommt, ist die Liebe da. Er spielt Saxophon, ist Philosoph, dichtet ihr Lied und ist untreu. "Come between the lights, look at my face" - Sunny legt sich mit Benno Bohne an und wird rausgeschmissen. Nichts geht mehr. Die alte Arbeit nicht, Taxifahrer Harri nicht und die Soloversuche erst recht nicht. Sunny nimmt Tabletten. Das Leben ist zu unschön. Peter Dehler nahm sich Sunnys Wiederbelebung im Krankenhaus zum Ausgangspunkt seiner Dramatisierung. Durch die Geschichten geistert Her Kaupert. Mitarbeiter der Hauptabteilung Mensch, Arbeitsgruppe Selbstmord. Ingrid Sommer, alias Sunny, soll zurückgeholt werden in die Gemeinschaft. So war das doch gedacht, damals in den frühen Achtzigern, als sich alles um den neuen Menschen drehte, der ins Allgemeinbild paßte. "Solo Sunny" von Wolfgang Kohlhaase und Konrad Wolf wurde ein Kultfilm, die souligen Lieder von Günther Fischer sind Evergreens. Peter Dehlers lebenspralle Dramatisierung holt den Film auf die heutige Bühne.
Uraufführung:
01.06.2002, Städtische Theater Chemnitz, Regie: Peter Dehler
Uraufführung:
02.06.2007, Hessisches Staatstheater, Regie: Thorsten Duit
Ein vergilbtes Foto aus dem Jahr 1944 gibt Anlaß zu einigen Fragen: Wer sind die vier Männer in den sowjetischen Uniformen. Nur ein Name steht auf der Rückseite, in Russisch: Obergefreiter Becker. Gestützt auf vier Erlebnisberichte schildert der Autor vier Lebensläufe: vom Zimmermann, dem Theologiestudenten, dem Sohn einer Postangestellten und einem Landarbeitersohn. Sie erzählen von ihren Begegnungen mit dem einstigen Feind, auf dessen Seite sie nun gegen den deutschen Faschismus kämpfen. Drei von ihnen werden diesen Kampf nicht überleben.
Ursendung:
DRA 1969, 59'15, Regie: Hellmut Hellstorf
Eine Pariser Gefängniszelle im Jahr 1939, kurz vor Kriegsbeginn. Hier begegnet der deutsche Seemann Lodek dem jüdischen Viehhändler Grünstein aus Polen und dem Griechen Kazew, dem Kaiser Wilhelm einst den Posten eines Hofkochs versprochen hatte. Jeder der drei hat seine eigene Geschichte. Grünstein täumt von den Ochsen in seinem Dorf, der Grieche übt deutsche Sprache und Kochrezepte, Lodek möchte beide das königliche Schachspiel lehren. Und so erfindet Grünstein die Variante eines Schachzuges, der nie in die Geschichte eingegangen ist ... Das Hörspiel wurde 1977 mit dem "Prix Italia" ausgezeichnet.
Ursendung:
DRA 1976, 50'45, Regie: Günther Rücker, Barbara Plensat