Jahrgang 1930. Kindheit in Sondershausen (Thüringen).
Schauspieler, Regisseur, Dramatiker.
Schreibt Hörspiele, Fernsehspiele, Schauspiele, Lyrik und Prosa.
Helmut Bez lebt in Bernau bei Berlin.
Erstausstrahlung:
03.12.1995, ORB, 90 min., Regie: Bernd Böhlich
An Kahlenberg ist der Aufbruch Ost vorbeigeschrammt. Hier steht die Luft, und wer nicht rechtzeitig wegkam, ist verdammt. Ein Gespenst geht um. Der tote Intendant des hiesigen Stadttheaters. Gestorben in Ritterrüstung, als er den Geist von Hamlets Vater spielen wollte. Ruhelos sucht er nach Rettung für sein mumifiziertes Theater. Und so holt er den Serienstar Robert Hanning heim, der seine Karriere einst in Kahlenberg begann. Auch Sissi, die Wirtshaustochter, kam zurück, um den "Sächsischen Reiter" aufzumöbeln. Abends sitzen in ihrem Lokal ein paar zähe Rentner, ein überflüssiger Exingenieur und ein paar trinkfeste Schauspieler. Endlich auch ein berühmter Gast. Hanning soll der Theatermagnet werden. Aber der alternde Star ist längst ausgebrannt. Dafür brechen Geschichten auf von einstigem Verrat, von trügerischen Illusionen, von verschossenen Lebensläufen. Kurz nach der Premiere stürzt Hanning von der Beleuchterbrücke. Tod in der Provinz. Selbstmord behaupten die einen, Mord wissen die anderen.Die sanfte Sissi wird ihren zurückgekehrten Jugendfreund erschießen und die Stadt mit einem Totschlagsverfahren verlassen. Das Theatergespenst zieht sich zurück. Kahlenberg versinkt in einem schönen Abendrot und sieht von weitem idyllisch aus....Ein skurriles Sittengemälde vom Rande der protzigen Welt.
Die Geschichte vom "armen, geduldigen Arbeitslosen, der wohl zuweilen eine Faust, aber keine Revolution macht, der zwischen der Not seines bedrückten Lebens und den Werbungen der Parteien sich an das einzige hält und klammert, was er wirklich, als Leben, als Ding und Wert inmitten von all dem Papier und Schwindel erkennt: an seine Liebe, an seine Frau, an sein Kind, an sein bißchen bedrohtes Glück und Menschentum" (Hermann Hesse). Helmut Bez hat eine neue Bühnenbearbeitung gemacht, die unaufdringlich, aber unübersehbar aktuelle Erfahrungen einbringt und die Gefährdungen und die Verführbarkeit des kleinen Mannes betont.
Uraufführung:
11.09.1993, Chemnitz
Abgelegen, aber nicht vergessen, liegt der Ort Altwreech irgendwo im Oderbruch. Das Hochwasser ist vorbeigeflossen, und ein junger Pfarrer kommt in die Gemeinde, in der es einen renovierten Gasthof gibt, torlose Fußballer, herumlungernde Eisenbahner und eine Hure namens Nelly. Auch der einst verketzerte Republikflüchtling Haberhauffe kehrt nach zwanzig Jahren in die Heimat zurück. Er will den erhaltenen jüdischen Friedhof zur Touristenattraktion ausbauen. Der alte Lehrer erzählt, daß es damals den Ortsgruppenführer Sievers gab, der den Friedhof vor den eigenen Leuten schützte. Trotzdem wurde er von den Russen abgeholt, und niemand hat ihn verteidigt. Nelly, die jeden hier kennt, ist Sievers' Tochter. Der zwielichtige Verrat blieb an ihr kleben. Bez beschreibt in seiner schwarzen Komödie eine dörfliche Gemeinschaft zwischen unverdauter Geschichte und fragwürdiger Zukunft. Ein Flecken Welt, in dem unbemerkt ein moderner Hexenprozeß abläuft. Denn Nelly wird umgebracht. Vom Pfarrer und vom gesamten Dorf. Mit Nelly schuf Bez eine aufregende Frauenfigur für eine vielseitige Schauspielerin um die fünfzig.
EAÜ - Erstauff. d. Übersetzung:
14.10.1994, Schloßtheater Celle
Ursendung:
DRA 1889, 52'12, Regie: Fritz Göhler
Im Frühjahr 1990 erhält der - inzwischen in den Vorruhestand versetzte - Landvermesser Hermann Kabert seine letzte Arbeitsaufgabe: Sein Auftrag führt ihn in das Städtchen H. nach Thüringen. Von hier gab es bis 1945 eine Bahnverbindung hinüber nach Hessen. In Vorbereitung der deutschen Einheit soll die Strecke wieder hergestellt werden. Hermann Kaberts Neuvermessung des Geländes ist zugleich ein Ausmessen seiner bisherigen Lebensstrecke. Es ist eine Reise in die Vergangenheit und der 60jährige führt Zwiesprache mit der verstorbenen Mutter, begegnet einem Freund, der in den Westen ging, und erinnert sich an die eigene Kindheit. Sechzig Jahre deutscher Geschichte spiegeln sich im individuellen Lebensschicksal dieses Hermann Kabert.
Ursendung:
Funkhaus Berlin 1990, 53'00 min, Regie: Peter Groeger
Theo Schirrmacher sucht im nicht gleich wahrnehmbaren Wahnsinn einen Weg, mit den Wendewirrnissen zurechtzukommen. Seinen guten Posten verlor er nach dem Zusammenbruch. Wurde Schmierblattverkäufer auf offener Straße und hat jetzt seinen einträglichen Posten als Museumswärter aufs Spiel gesetzt, weil er ins Museum pinkelte und noch dazu das Nahen der Armee Wenck hört. Im Gespräch mit seiner besorgten Frau rekapituliert Theo seine Biographie. Von Hitlers Pimpf über den Neulehrer zum bewußten Sozialisten. Zweimal hat er sich gültige Formen ins Gehirn gießen lassen. Ein drittes Mal nicht. Er wird sich der Armee Wenck anschließen, die 45 die letzte Hoffnung war. Die Nachkriegsjahre werden nicht umsonst, sondern gar nicht gewesen sein. Diesmal wird der Kessel um Berlin durchbrochen. Nicht mit kriegerischem Geschrei, sondern mit einem Amen und leisem Gesang. Helmut Bez schreibt mit dem genauen Gefühl für die Tragikomik des Wahns, der ein Leben leugnet und zu seinen grotesken Anfängen zurückkehrt. Theo Schirrmacher, der Held von Lauban, ein alter Kindskopf im Schoß seiner Frau.
Ursendung:
ORB 1994, 51', Regie: Fritz Göhler
Ursendung:
Funk/DDR 1983, 58'25, Regie: Fritz Göhler
Alfred Jordan hat eine Leidenschaft für sonderbare Ortsnamen. Ellwangen. Osterburken. Hitzacker. Höxter. Schlupfwinkel. Refugien für seine wunde Seele. Und so kachelt er bei Nacht und starkem Nebel den Umweg über die A 44, um am Schild Brilon vorbeizukommen. Er ist Supervisor bei der Best Conditions Company für den Südwest-Rayon. Ein Klinkenputzer, wie seine Frau meint, ein in die Milch gefallener Frosch. Früher, im Untergegangenen, war er Botschafter in Bogotá. Das Radio warnt vor dem Autobahnmörder, der bereits dreizehn Karrieristen den Garaus gemacht hat. Ein Rastplatz, und schon sitzt er neben ihm, der vermeintliche Mörder, der seinerseits Jordan für den Berüchtigten hält. Beide stapeln tief, trampeln ihr Leben zwecks Rettung in den Dreck. Bei Brilon kommt es zum Crash. Jordan hat dreizehn Leute in den Tod gerissen, den Santini ruiniert und befindet sich in komatösem Zustand. Sein argwöhnisches Unterbewußtsein offeriert ihm obskure Geschichten. Was wollte er in Brilon, einem Örtchen im Westen Deutschlands, das den Wendepunkt der Geschichte einläuten sollte. Was weiß er von der Bahnstation Brilon Wald. Nach einem bizarren, hintergründig deutsch-deutschen Trauma erwacht Jordan in Paderborn an der Herz-Kreislaufmaschine. --- Jopp oder Die Wohlgefälligkeit (SFB 93), Die Armee Wenck (ORB 93), Nützliche Erhebung (DeutschlandRadio Berlin 94) und Crash oder Letzte Ausfahrt Brilon (WDR 95)bilden eine Tetralogie von feinsinnig ironischen Hörspielen über latent wahnsinnige Nachwendeschicksale.
Ursendung:
WDR 1995, 56', Regie: Norbert Schaeffer
Ursendung:
DRA , 46'55, Regie: Manfred Täubert
Wien 1830. Hofrat von Gentz trauert einstigem Ruhm nach. Seine Vergnügungen mit der jungen Tänzerin Fanny trösten ihn zwar, doch in den Stunden ohne sie bedrängen ihn um so heftiger Zeugen seiner Vergangenheit:Fürst Metternich, dem Gentz selbstlos diente, der ermordete Trivialschriftsteller Kotzebue und dessen Mörder Sand. Gentz sieht sich wieder als der eigentliche Sieger über Napoleon und danach als unsichtbarer Lenker der politischen Geschicke Europas. Spielerisch wird mit gesicherten Fakten jongliert. Ständig vermischen sich Realität und Fiktion. Zahlreiche aktuelle Bezüglichkeiten verbergen sich in diesem historisch angelegten Satyrspiel.
Ursendung:
Funk/DDR 1990, 59', Regie: Fritz Göhler
Irgendwie hat Jopp die kehre nicht gekriegt. Während sein ehemaliger Vorgesetzter wieder fest im Sattel sitzt, weil er den "Durchblick" hat, fliegt Dr. Jopp aus seinem Haus, auf das der Alteigentümer Besitzansprüche erhebt. An seinem Unglück fühlt er sich so unschuldig wie einst Hiob, jener biblische Rechtschaffene, der sich bis dato der Gunst des Herrn erfreuen konnte. Der ehemalige Herr über das Wohl und Wehe von Jopp will allerdings nun mit seinem früheren Untergebenen möglichst nichts mehr zu tun haben. Mit Ironie und ohne Larmoyanz erzählt Helmut Bez, ein Meister des indirekten Dialogs, wie es einem erging, der glaubte, nichts befürchten zu müssen.
Ursendung:
SFB 1993, 45', Regie: Hans Gerd Krogmann
Jutta Pahl ist Mitte Zwanzig und lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Kindern in einer Kleinstadt. Jutta begegnet ihrer großen Liebe. Dem neuen Lebensgefährten aber sind die Kinder sehr bald im Wege. Jutta Pahl kämpft um ihre Liebe und um ihre Kinder. Das Schicksal der jungen Frau wird in der Konfrontation mit den Menschen ihrer Umgebung miterlebbar. Jeder begegnet diesem Problem in einer anderen Weise.
Ursendung:
DRA 1978, 54'55 min, Regie: Fritz Göhler
Dies ist die (fast authentische) Geschichte von Eduard Klischnigg, dem Gummimenschen, der sich zum Affen Eddi machte. Es ist auch die Geschichte des Tierdresseurs und Varieté-Impresarios Jodokus van Aken, der im 19. Jahrhundert eine europäische Berühmtheit war. Seine Tochter Rosje liebte das Genie Klischnigg, aber als ihr Vater strikt gegen eine Verbindung war, wandte sie sich dem Orang Mamon zu. Als dieser an gebrochenem Herzen stirbt, steigt Klischnigg in das abgezogene Affenfell und imitiert das gelehrige Tier, bis die Affennummern nicht mehr ziehen. Aken hofft, durch amouröse Zurschaustellungen des Orang mit seiner Tochter die Kassen noch mal klingeln zu lassen. Aber dem Künstler Klischnigg geht diese Vergewaltigung durch das Showgeschäft zu weit. Er verschwindet im Urwald von Borneo und wird als zerlumpter Affenmensch von van Aken Jahre später erneut gefangen. Eine skurrile, komische und traurige Hörspielgroteske.
Ursendung:
WDR 1996, 59', Regie: Klaus Wirbitzky
Uraufführung:
DRA 1977, 54'00 min, Regie: Fritz Göhler
Dr. Gisbert Schram und Ingenieur Arthur Schlehufer sind unterwegs, um ihre einstigen Dienstfertigkeiten in gewendeten Zeitenläuften für die neuen Damen und Herren nutzbar zu machen. Das alte Paar, auf das sie treffen, erinnert an Philemon und Baucis, auch andere Bezüglichkeiten zur ferneren oder näheren Vergangenheit sind beabsichtigt. Es wird wieder abgehört, oder man schickt Leute "in die Wüste", sprich: zum Gleisbau, also "an die Basis", weil sie unbequem sind. Wundert es da, wenn das alte Paar von seinem Grund und Boden, "einem Filetstück" an Immobilie, vertrieben werden soll? Die Schlehufers jedenfalls, sie sind, wann und wo auch imer, gut zu gebrauchen. Eine ironisch-poetische Hörspiel-Parabel.
Ursendung:
DLR 1994, 64'21, Regie: Barbara Plensat
Ursendung:
DRA 1979, 53'46, Regie: Fritz Göhler
Auf den Brettern eines ostdeutschen Provinztheaters begann seine Karriere, und hier ist er auch gestorben: Der prominente Schauspieler Robert Hanning stürzte sich von der Beleuchterbrücke. Unfall, Selbstmord oder gar Mord? Hannings Gastspiel sollte eigentlich die Kasse des Hauses füllen, aber mit seiner Rückkehr brachen alte und neue Konflikte innerhalb des Ensembles auf. Wegen diverser Affären hatten viele Grund zur Eifersucht, überdies gab es Neid auf den berühmten Film-und Fernsehschauspieler, der es in Westdeutschland so viel weiter gebracht hatte als seine Ex-Kollegen.
Ursendung:
WDR 1996, 69'17, Regie: K. D. Pittrich
Ursendung:
DRA 1976, 53'15 min, Regie: Joachim Staritz