Ambrosio, der liebenswerte Gastwirt von San Buco, singt lieber mitten in der Nacht und macht Seifenblasen, als daß er arbeitet. Um endlich ungestört zu sein, stiehlt er die geregelte Zeit in Form von Weckern, Nachtwächtertrompeten und Turmuhr. Sogar das Schmieröl für die Bahnschranken ist vor ihm nicht sicher. Für die entsetzten Dorfbewohner erfindet er den Täter gleich dazu: einen großen, dicken Räuber. Ein hintersinniges Spiel um Arbeitszeit und Zeit für Muße.
Das Stück hat mit dem Fauquezschen Klassiker AMBROSIO TÖTET DIE ZEIT nur die Titelgestalt, den freundlichen Gastwirt Ambrosio, gemeinsam. Aber anders als sein realitätsferner Vorgänger steht dieser Ambrosio mit beiden Beinen im Leben, und das ist auch notwendig: Krieg droht zwischen den benachbarten Dörfern San Buco und Opulenza auszubrechen, und Ambrosio will das unter allen Umständen verhindern. Ein Lehrstück über das Thema Krieg und Frieden und darüberhinaus eine spielerische Auseinandersetzung mit kindlichen Verhaltensweisen, die in Sandkastengefechten oft bis ins hohe Alter erhalten bleiben.
Barbarossa ist hier nicht der sagenumwobene Kaiser, sondern ein grobschlächtiger, rotbärtiger Pirat, der aber gerne Kaiser wäre, und deshalb die Bewohner von Sankt-Rose-vom-Berg einfach zu seinen Untertanen erklärt und sie tyrannisiert. Leider funktioniert das auch, bis sie seine Angst vor der Farbe Gelb entdecken und ihn mit einer furiosen Gesamtinszenierung von Gelb aus der Stadt jagen.
Die berühmten Abenteuer des großen Verteidigers der Ritterromantik und seines Begleiters Sancho Pansa finden im Stück unterhaltsame und zugleich theatralisch genaue Umsetzung durch die ausgefeilten Dialoge. Die menschliche Größe des letzten spanischen Ritters siegt über seine durch Tradition und Literatur gestützten Illusionen. Am Ende seiner „Heldentaten“ bekennt er sich zum Leben, zur Wirklichkeit.
siehe auch Ostarek:
Die Abenteuer des Don Quijote – gespielt von seinen Freunden
siehe auch Bulgakow / Reschke:
Don Quijote
siehe auch Schwarz:
Don Quijote
siehe auch Trolle:
Don Quijote
siehe auch Voima:
Herr Ritter von der traurigen Gestalt
Seit Felix, der Eisenbahnmaschinist, im Land der Roten Erde gewesen ist, versucht er zu Hause die riesigen roten Äpfel zu züchten, die dort wachsen. Sein mißgünstiger Nachbar Oskar denkt, er macht Gold und zerstört das Gewächshaus. Argwöhnisch und aufgehetzt lassen die Dörfler sogar zu, daß Felix ins Gefängnis kommt. Nur der kleine Junge Pip glaubt unbeirrbar an den Traum von der Apfelplantage, die dem ganzen Dorf zugute kommen soll und macht sich heimlich auf die Reise ins Land der Roten Erde.
Hundertfach verkleinert, verwandeln sich kriegerische Anläße und höfisches Streben auf der Stelle in Szenen aus einem Flohzirkus. Hundertfach vergrößert, können Streitereien zerplatzen wie Seifenblasen. Gulliver erlebt im Zwergenland Lilliput und im Riesenland Brobdingnag die lebensnützliche Deformation von Aggressivität, Mißgunst und Heuchelei. So kann er im Land Laputa drei Scharlatanen das Handwerk legen.
Am Hof des Königs der Tiere, des Löwen Nobel, beschweren sich alle über die Gerissenheit und Bosheit von Reineke Fuchs. Der aber ist so schlau, daß er nicht nur das Intrigenspiel und die Dummheit der Ankläger entlarvt, sondern am Schluß selbst Minister wird. Die klassische Fabel in einer detailfreudig erzählten Version.