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Bild: Soeren Voima

Soeren Voima

Geboren 1972 in Wittgensdorf (Chemnitz), nach Forstwirtschaftsausbildung und Abitur an der Abendschule Studium der Verhaltensbiologie in Berlin. Beginnt während des Studiums zu schreiben und entdeckt durch die Begegnung mit dem Schauspieler Klaus Piontek das Theater.1995 Gründung der nach ihm benannten Autorengruppe (Alice im Wunderland; Titus Andronicus; Das Kontingent). Seit 2003 eigene Projekte (Iphigenie in Aulis; Die Vögel; Der Test; Das Leben ein Traum; Herr Ritter von der traurigen Gestalt; Volpone; Eos; Simplicius Simplicissimus; 80 Tage, 80 Nächte). Lebt als freier Autor im Havelland.

  • 80 Tage, 80 Nächte
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    2 D, 5 H, Puppen

    Ein Teddybär, in Rumänien von Lohnarbeiterinnen aus Bangladesh zusammengenäht, hält sich für einen hochwertigen Markenbär und will nach Deutschland. Er wird aber an der Grenze vom Zoll als billiges Plagiat abgewiesen und wandert in den Müll. Vor dem vernichtenden Reißwolf rettet ihn und seinen neuen Freund Leo, den Tiger, eine gute Fee. Sie schickt die beiden in einem Pappkarton zu ihrem Bruder nach Anatolien und stellt ihnen zugleich ein Ultimatum: Wenn sie in 80 Tagen und 80 Nächten jemanden finden, der sie liebt und behalten will, dann können sie am Leben bleiben. Für die Kuscheltiere beginnt eine abenteuerliche Irrfahrt, die sie durch ganz Südosteuropa führt, von einem Basar in der Türkei bis in eine Galerie nach Zürich. Sie begegnen den übelsten Geschäftemachern und Gangstern, werden als Drogenkuriere missbraucht, aufgeschlitzt und beinahe zerschreddert, in die Mülltonne geschmissen, wieder zusammengeflickt und in Einweckgläsern als Kunstprodukt ausgestellt. Was ihnen zunächst als leicht zu erfüllende Bedingung erschien, gelingt schließlich erst in letzter Minute. Schmerzlich müssen die Zwei auf ihrer Odyssee erfahren, dass für Liebe in dieser von Kriminalität, Armut, Korruption und Geldgier geprägten Welt wenig Platz ist. Ein turbulentes, schräges Globalisierungsmärchen, gespickt mit politischer Angriffslust und feinsinnigem Humor.

    Uraufführung: 30.12.2009, Staatstheater Stuttgart Schauspiel

  • Das Leben ein Traum
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    In einer Bühnenfassung von Soeren Voima
    (La vida es sueño)
    2 D, 5 H

    Weil die Sterne einst prophezeiten, der polnische Königssohn Sigismund werde sich zu einem skrupellosen Tyrannen entwickeln, ließ ihn sein Vater Basilio gleich in einen Kerker werfen. Doch nun, alt geworden, plagen Basilio Gewissensbisse. Er lässt Sigismund ein Schlafmittel verabreichen und ihn an den Königshof bringen: Benimmt sich sein verwilderter Sprössling ordentlich, soll er herrschen. Erfüllen sich hingegen die düsteren Prophezeiungen, muss er zurück ins Verließ. Immerhin: Sigismunds kurzer Ausflug an den Hof würde diesem nur wie ein kurzer, süßer Traum erscheinen.

    Soeren Voima hält sich bei seiner Neufassung dieser Tragikomödie von Calderón de la Barca (1600 bis 1681) an das strenge Versmaß des Originals, ohne ihm dadurch die sprachliche Lebendigkeit und Ironie zu nehmen.

    Uraufführung: 07.03.2003, Nationaltheater Mannheim, Regie: Christian Tschirner/ Christian Weise

  • Eos
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    5 D, 8 H

    Eos, die Göttin der Morgenröte, hat genug vom kriegerischen Gemetzel im Olymp und steigt hinab auf die Erde. Sie hofft, im banalen Menschenleben endlich die ersehnte Ruhe und Harmonie zu finden. Zunächst ist sie bezaubert von allem, was sie sieht und erlebt, sie genießt den Alltag, das Unvollkommene, die Vergänglichkeit. Ihr ungebrochener, naiver Zugang zu allem Irdischen provoziert die witzigsten Situationen. Eos fügt sich reibungslos in alle Gegebenheiten, sie findet Arbeit in einem schwedischen Möbelhaus, avanciert schon nach kürzester Zeit zur Verkaufsleiterin und verliebt sich in Tim, einen jungen Fotografen. Das traute Glück droht zu zerbrechen, als Eos schwanger wird und Tim, emotional überfordert mit der Situation, aus lauter Panik vor einen LKW läuft. Eos fleht bei den Göttern um Unsterblichkeit für ihren Geliebten und Tim überlebt, aber der Preis ist hoch, denn sie hat eines nicht für ihn erbeten: die ewige Jugend. Im Laufe der Jahre verliert Eos ihre Illusionen über die Leichtigkeit des Erdendaseins und kehrt zurück zu ihrer eigentlichen Aufgabe - jeden Morgen mit ihrem Gespann den Tag anzukündigen. Eine geistreiche Adaption des alten Mythos, die uns die irrsinnigen Seiten unseres heutigen Daseins auf höchst vergnügliche Weise vor Augen führt.

    Uraufführung: 03.05.2008, Staatstheater Stuttgart, Regie: Christian Weise

  • Das Gestell
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    2 D, 4 H

    Imme, Karl und Torben begegnen sich bei einer Attac-Veranstaltung. Karl verliebt sich in Imme, sie aber entscheidet sich für seinen Freund Torben, weil der so schöne kämpferische Reden hält. Doch schon bald soll sich das Bild komplett wandeln. Während Karl sich gleich nach dem Studium aufs Land zurückzieht und Ökobauer wird, denkt Torben als frisch gebackener Familienvater eher ans Geldverdienen und hängt seine politischen Ideale schnell an den Nagel. Er nimmt einen Job in einem großen Autokonzern in Süddeutschland an und ist schon nach kürzester Zeit voll integriert. Da hilft auch das Alibi nichts, dass er an der Entwicklung des perfekt ökologischen Autos mitarbeitet, von Torbens Kapitalismuskritik bleibt nichts übrig. Imme dagegen leidet mehr und mehr unter der Großstadthektik, sie wird zur konsequenten Umweltschützerin, fährt aus Protest mit ihrem Mountainbike über parkende Autos, scheitert aber mit ihren Widerstandsversuchen und zieht sich in eine Traumwelt zurück. Karl, der das Leben der beiden kommentierend begleitet, bietet ihr schließlich mit einem kleinen Triumphgefühl an, ob sie nicht zu ihm aufs Dorf ziehen und ein neues Leben beginnen möchte, aber für Imme kommt dieser Vorschlag zu spät.

    Der Titel des Stücks spielt auf einen Begriff von Heidegger an, der mit "Gestell" die Gesamtheit der Mittel zu fassen versuchte, mit denen der Mensch sich über die Natur erhebt. Hier schließt sich auch der Bogen zwischen dem privaten Beziehungsdrama und den großen Gesellschaftsfragen, den Voima gekonnt zu spannen versteht.

    Uraufführung: 04.05.2011, Staatstheater Stuttgart Schauspiel, Werkhalle, Regie: Josep Galindo

  • Herr Ritter von der traurigen Gestalt
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    Nach Motiven des "Don Quijote" von Cervantes
    4 D, 13 H, Doppelbesetzungen möglich

    Günther, schon lange arbeitslos, grillt Würstchen in seinem Schrebergarten, Freundin Erika erzählt von ihrem neuen Zeitjob bei der Post und Saufkumpel Dieter taxiert inzwischen abwechselnd Günthers Laubeneinrichtung und Erika. Plötzlich steht ein Ritter mit seinem klapprigen Gaul vorm Gartentor und bittet um Nachtasyl. Die drei wissen nicht, was sie davon halten sollen - ist ihnen nur das Bier zu Kopf gestiegen oder ist dieser verrückte Typ wirklich echt. Sein Pferd nennt er Rosinante, Erika hält er für ein Burgfräulein und von Dieter läßt er sich zum Ritter schlagen. Es folgt eine turbulente Nacht, an deren Ende für Günther ein neues Leben beginnt. Er nimmt das Angebot des Herrn Ritter an und geht als Knappe in seine Dienste. Gemeinsam müssen sie so manches Abenteuer bestehen, und schließlich finden sie ihre Geschichte als Fortsetzungsroman in der Zeitung wieder. Seinen Idealismus läßt sich Herr Ritter davon nicht nehmen: "Wen kümmert es im übrigen, ob es uns gibt oder nicht und ob es uns so gibt, wie wir geschildert werden, wenn es uns doch hätte geben können; wenn es uns besser hätte geben sollen?" Eine originelle, witzige und vielschichtige Don-Quijote-Version, die mit der literarischen Vorlage sehr spielerisch umgeht.

    Uraufführung: 24.02.2006, Staatstheater Stuttgart, Regie: Christian Weise
    Österreichische Erstauff: 10.08.2007, Hoftheater Gossam

    siehe auch Ostarek: Die Abenteuer des Don Quijote – gespielt von seinen Freunden
    siehe auch Fauquez: Don Quichotte von la Mancha
    siehe auch Trolle: Don Quijote
    siehe auch Bulgakow / Reschke: Don Quijote
    siehe auch Schwarz: Don Quijote

  • Iphigenie in Aulis
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    Eine Tragödie nach Euripides
    3 D, 6 H, Statisten

    Der Rachefeldzug der Griechen gegen Troja, begonnen aus männlicher Eitelkeit und kaschiert als heldenhafte Verteidigung von Freiheit und Demokratie, braucht Märtyrer. Agamemnon, verstrickt in endlose Machtspiele, muß seine eigene Tochter opfern, um den Rachefeldzug beginnen zu können. Iphigenie nimmt die Märtyrerrolle an und meint, für das Wohl ihres Vaterlandes zu sterben. Aber letztlich wird sie doppelt geopfert - auf der Schlachtebank den Göttern und auf dem Schachbrett der Politik. Soeren Voimas knappe Schnittfassung der antiken Tragödie ist sprachlich sehr modern, ohne dabei gewollt heutig zu wirken. Sie vertraut der inneren Dramatik des Konflikts und verleiht dem Text durch eine eher bruchstückhafte Struktur zusätzlich Dynamik.

    Uraufführung: 29.05.2002, Nationaltheater Mannheim, Regie: Christian Tschirner und Christian Weise

    : Iphigenie in Aulis

  • Das Kontingent
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    8 Spieler, Instrumentale Besetzung: Violine, Klarinette, Posaune, Klavier

    In einer nicht ganz so fernen Zukunft wird durch die Weltorganisation der Völker das "Kontingent" zusammengestellt, eine hochspezialisierte Eingreiftruppe "denkender Soldaten", die in riskanten Situationen Menschenrechte durchsetzen sollen, ohne die Menschlichkeit zu zerstören. Schon beim Training für den späteren Einsatz geht es um eine weitgehende Entindividualisierung der Beteiligten, die zur Voraussetzung für späteren Erfolg erklärt wird. Ein junger Amerikaner erweist sich bereits beim Training, aber erst recht bei den Einsätzen in Krisengebieten als unfähig, seine Emotionen, sein individuelles Rechtsempfinden einem allgemeinen Rechtsdenken unterzuordnen (das der "Nichteinmischung" und ähnlichen Prinzipien konfliktvermindernder Zusammenarbeit von Völkern verpflichtet ist). Als er auf eigene Faust einzugreifen droht, wird er zur Gefahr für die Existenz des Kontingents und muß erschossen werden.

    Uraufführung: 03.02.2000, Schaubühne, Berlin, Regie: Tom Kühnel, Robert Schuster
    Uraufführung: 16.02.2000, Das TAT, Frankfurt/M.

  • Simplicissimus Teutsch
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    Für die Bühne bearbeitet von Soeren Voima
    1 D, 9 H

    Wie lebt und überlebt man in einer von Krieg und Geldgier beherrschten endzeitlichen Gesellschaft? Grimmelshausen hat in seinem großen Roman davon erzählt. Die Abenteuer seines Simplicius Simplicissimus lassen sich mühelos auf jede Epoche übertragen, auch wenn das Europa des Dreißigjährigen Krieges von einer kaum zu übertreffenden Brutalität geprägt war. Als Findelkind ausgesetzt, wächst Simplicius bei einem einfachen Bauernpaar im Spessart auf. Die idyllische, wenn auch entbehrungsreiche Kindheit endet abrupt, als Landsknechte den Hof überfallen und verwüsten. Simplicius wird mitgerissen in den Strudel des grausamen, nicht enden wollenden Krieges, er schlüpft in verschiedene Rollen, kommt durch halb Europa, bewegt sich in den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Ob als Kalb von Hanau, im Harnisch eines brandschatzenden Jägers oder im diplomatischen Gewand am Pariser Hof - immer wird er zum Zerrspiegel der inneren und äußeren Verwahrlosung seiner Umwelt. Simplicius erlebt Höhen und Tiefen, wird reich und wieder arm, aber immer bleibt er allein, nie findet er wirklich einen Platz in der Gesellschaft. Selbst der Tod kann ihm keinen Ort der Erlösung bieten.

    Soeren Voima bändigt das gewaltige Material der literarischen Vorlage geschickt zu einer kurzweiligen Bühnenfassung, die das Grauen des Krieges, die Verzweiflung, den Wahnsinn ebenso einfängt wie die schelmenhaften, absurden, phantasievollen Seiten des Romans.

    Uraufführung: 18.01.2009, Bühnen der Stadt Köln, Regie: Thomas Dannemann

  • Sternstunden der Menschheit
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    Nach Stefan Zweig in einer Bearbeitung von Soeren Voima
    2 D, 4 H

    "Ereignet sich eine Weltstunde", schreibt Stefan Zweig, "so schafft sie Entscheidungen für Jahrzehnte und Jahrhunderte. Wie in der Spitze eines Blitzableiters die Elektrizität der ganzen Atmosphäre, ist dann eine unermessliche Fülle von Geschehnissen zusammengedrängt in die engste Spanne von Zeit." Für seine Bühnenfassung von Zweigs "Sternstunden der Menschheit" wählt Soeren Voima sechs dieser historischen Momente aus - Byzanz wird in einer dramatischen Schlacht von den Türken erobert, Robert Scott muss feststellen, dass sein Konkurrent Amundsen den Südpol kurz vor ihm erreicht hat, Cicero ist zu müde zu fliehen und lässt sich von Antonius ermorden, General Suter, einst der reichste Mann der Welt, wird vom Goldrausch erfasst und vernichtet, Dostojewski wird zur Hinrichtung geführt und in letzter Minute begnadigt, Lenin reist im plombierten Waggon durch Deutschland und beginnt in Russland die Oktoberrevolution. Zu einem Versdrama verdichtet und kunstvoll miteinander verschränkt, treten die einzelnen Geschichten in einen eigenwilligen Dialog, bewegen sich gemeinsam auf einen dramatischen Höhepunkt zu. Zweigs allwissender Erzähler verschwindet in Voimas Bearbeitung, das Geschilderte wird zum ureigenen Erlebnis der Figuren und gewinnt dadurch an emotionaler Kraft.

    Uraufführung: 08.05.2010, Staatsschauspiel Hannover, Regie: Christian Tschirner

  • Der Test
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    Nach der Erzählung "Die Verhandlung" von Stanislaw Lem
    1 D, 6 H

    Raumpilot Pirx erhält von der UNESCO einen eigenartigen Auftrag: Er soll als Commander einen Flug zum Saturn leiten. Das Besondere dabei: Seine Besatzung wird nur zum Teil aus Menschen bestehen. Den anderen Teil bilden Roboter. Sie verfügen über ein Herz-Imitat, über eine Ersatz-Ethik, entwickeln sogar so etwas wie Gefühle und sind den Menschen rein wissenschaftlich-mathematisch haushoch überlegen. Pirx, der bei diesem Testflug die Eignung seiner Mannschaft überprüfen soll, steht vor einer fast unlösbaren Aufgabe - wer außer ihm ist "echt", wer ist nur perfekt getarnt? Äußerlich sind die Roboter nicht zu unterscheiden, und da sie den Ehrgeiz haben, nicht entlarvt zu werden, belauern und umschleichen sich alle an Bord gegenseitig, bis ein Unfall schließlich Gewissheit bringt. Voima hat die Vorlage von Stanislaw Lem in eine amüsante, spannende Spielfassung gebracht, die neben der äußeren fast kriminalistischen Handlung vor allem auch dem ethisch-philosophischen Aspekt der Frage von Menschlichkeit und Klonen nachgeht.

    Uraufführung: 01.04.2005, Nationaltheater Mannheim, Regie: Christian Tschirner

  • Ursprung der Welt
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    Eine verschleierte Komödie
    2 D, 3 H

    Gyges und Kandaules, Freunde von Kindheit an, betreiben gemeinsam eine Werbeagentur. Von der Stiftung "Muslime für Deutschland" bekommen sie einen Auftrag, der ihr Leben verändern wird - eine Kampagne zur Vermittlung muslimischer Werte, Geschichte und Kultur. Ihre unterschiedliche Religion - Gyges ist Katholik, Kandaules Moslem - hat für beide nie eine Rolle gespielt, doch nun beginnen sie sich intensiv damit zu beschäftigen. Auf dem Höhepunkt der Arbeit an dem Projekt muss Kandaules für ein paar Tage in seine persische Heimat reisen. Dort verliebt er sich unsterblich, heiratet und kehrt mit seiner völlig verschleierten Ehefrau Nyssia zurück. Gyges erkennt in dem entrückt wirkenden Kandaules seinen alten Freund nicht wieder, und erst als er auf dessen Betreiben hin heimlich einen Blick auf Nyssia ohne Schleier werfen darf, ist auch er so betört von ihrer Schönheit, dass er alles zu vergessen scheint. Doch Nyssias Bruder, der zu ihrer Bewachung mit nach Deutschland gereist ist, entdeckt den Betrug der beiden Freunde, und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.
    Seit Herodot wird die Legende von Gyges und Kandaules immer wieder neu erzählt als Sinnbild des Widerstreits zwischen Aufklärung und Tradition. Voima holt sie in unsere Gegenwart und trifft damit ins Zentrum der Debatte um westliche Toleranz und muslimisches Traditionsbewusstsein.

    Uraufführung: 14.05.2011, Niedersächsische Staatstheater Hannover GmbH, Schauspielhaus, Regie: Tina Lanik

  • Die Vögel

    siehe Aristophanes: Die Vögel

  • Volpone
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    oder Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg
    Komödie nach Motiven von Ben Jonson
    2 D, 5 H

    Geld ist Gott, bekennt Volpone gleich am Anfang unumwunden, und nur eines stellt er noch darüber: die Lust, seine Mitmenschen hinters Licht zu führen. Der heutige Volpone ist durch einen Discountmarkt reich geworden und läßt sich, inzwischen alt und gebrechlich, in einer katholischen Kurklinik "zutodepflegen". Kinderlos und ledig, hat er einen Heidenspaß daran, die Spekulationen um seinen bevorstehenden Tod anzuheizen und damit seine "Freunde" und potentiellen Erben (seinen früheren Personalchef, seinen Anwalt und seinen lebenslangen Konkurrenten) in einen erbitterten Konkurrenzkampf um seine Gunst zu treiben. Umhegt und gepflegt wird Volpone von der Klinikchefin persönlich, die im Hintergrund still und heimlich alle Fäden zieht. Scheinbar selbstlos sorgt sie dafür, daß alle Erbschleicher Volpone großzügig beschenken und ist am Ende die lachende Siegerin. In seiner Neufassung dieser turbulenten Komödie findet Soeren Voima höchst vergnügliche Entsprechungen für alle Figuren und versieht die Geschichte mit wunderbar bissigen, treffenden Anspielungen auf unsere heutige Welt.

    Uraufführung: 01.11.2009, Bühnen der Stadt Köln, Regie: Christian Weise

  • Hisashi Inoue
    Inoue: 
    Little Boy - Big Taifoon
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    (Shōnen Kudentai 1945)
    Aus dem Japanischen von Sachiko Hara, Soeren Voima
    Text in neun Bildern; Besetzung variabel

    "Zwei Schläge mit den stärksten Bomben der Menschheitsgeschichte, und wir haben Frieden geschaffen", verkündete der amerikanische Präsident Truman, nachdem 1945 Hiroshima und Nagasaki von Atombomben völlig zerstört worden sind. Hisashi Inoues Stück "Little Boy - Big Taifoon" führt diese Behauptung ad absurdum, indem es sich mit den Opfern befasst, die der vermeintliche Frieden gefordert hat.

    Der Text erzählt, wie die drei Jungen Masao, Katsutoshi und Hidehiko in Hiroshima die Nachwirkungen der Atombombe erleben, sich einer Nachrichtentruppe anschließen und jeden Tag aufs Neue ums Überleben kämpfen. Auf ihrer Suche nach Familienangehörigen und der nächsten warmen Mahlzeit begegnen sie einem alten Philosophie-Professor, der sie auf ihrem Weg durch die Verwüstung begleitet und dazu auffordert, durchzuhalten. Bei dem sich kurz auf den Atomanschlag ereignenden Taifun ertrinkt Katsutoshi, zwei Tage darauf stirbt Masao an der Strahlenkrankheit, und zurück bleibt nur Hidehiko, der nun für alle toten Kinder weiterleben muss.

    Äußerst reduziert und doch sprachgewaltig und in bestechenden Bildern beschreibt Hisashi Inoue in seinem Text eine der größten Katastrophen der modernen Welt, die Unfähigkeit der japanischen Regierung, der Bevölkerung zu helfen, die Schuldgefühle der Überlebenden und den Versuch, dennoch weiterzumachen, nachdem alles unmöglich erschien. "Little Boy - Big Taifoon" rückt das Thema Atomkraft in den Vordergrund, das nach den jüngsten Ereignissen in Fukushima sicherlich neu verhandelt werden muss.

    Deutsche Erstaufführung: 18.09.2010, Staatstheater Hannover, Regie: Marc Prätsch

  • William Shakespeare
    Shakespeare: 
    Die jammervollste römische Tragödie von Titus Andronicus
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    (The Most Lamentable Roman Tragedy of Titus Andronicus)
    Aus dem Englischen von Soeren Voima
    3 D, 14 H, kleine Rollen

    EAÜ - Erstauff. d. Übersetzung: 28.03.1998, Schauspiel Frankfurt, Regie: Tom Kühnel/Robert Schuster

  • Herr Ritter von der traurigen Gestalt / Eos / Volpone
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    Buch 16,80 €

    Stücke
    12 x 19 cm, 284 Seiten
    978-3-940100-07-8

    Soeren Voima ist bekannt für seine bissigen, tragikomischen und feinfühligen Bearbeitungen literarischer Vorlagen. Alte Sujets erhalten ein modernes Gewand, vertraute Figuren wie Don Quijote oder Volpone agieren als unsere Zeitgenossen. Voimas Stücke sprühen vor spielerischer Lust und Sprachwitz und sind zugleich "textlich sinnliche wie intelligente Spiegelung von aktueller gesellschaftlicher Wirklichkeit". (Hartmut Krug)

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