Rainer Kirsch wird am 17. Juli 1934 in Döbeln geboren. Er studiert Geschichte und Philosophie in Halle und Jena, wird aber 1957 „wegen abweichender ideologischer Auffassungen" von der Universität verwiesen. Er arbeitet als Hilfsarbeiter in einer Druckerei, als Chemiearbeiter und in der Landwirtschaft und ist seit 1961 freischaffender Schriftsteller. Von 1963 bis 1965 studiert er am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Er ist von 1965 bis 1968 mit der Schriftstellerin Sarah Kirsch verheiratet; zusammen veröffentlichen sie den Gedichtband „Gespräch mit dem Saurier“ (1965). 1973 wird er aus der SED ausgeschlossen. Neben eigenen Gedichten, Essays, Dramen, Erzählungen, Übersetzungen, Hörspielen und Kinderbüchern veröffentlicht er zahlreiche Nachdichtungen (u.a. Anna Achmatowa, Ossip Mandelstam, John Keats, Percy Bysshe Shelley). 1990 wird er Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes und Mitglied der Akademie der Künste, seit 1998 ist er auch Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste. Rainer Kirsch erhält zahlreiche Preise, u.a. den F.C.Weiskopf-Preis und den Wilhelm-Müller-Literaturpreis des Landes Sachsen-Anhalt (2001). Im Eulenspiegel Verlag erscheint 2004 eine vierbändige Ausgabe seiner Werke. Rainer Kirsch lebt und arbeitet in Berlin.
Mit poetisch pointierter Sprache gestaltet Kirsch das Märchenmotiv vom blauen Licht. Ein davongejagter Soldat und eine Hexe, der das Feuerzeug in den Brunnen fiel. Schnell durchschaut der Soldat ihre üblen Pläne; mühselig begreift er die wundersamen, aber auch verderblichen Kräfte des Feuerzeugs. Viele Lieder unterbrechen dieses kräftige Märchen, in dem Kirsch übrigens dem fünffüßigen Jambus als Bühnensprache wieder auf die Beine half.
siehe auch Martin Morgner:
Das Feuerzeug
Ohne die berühmte Geschichte von der Goldmarie und der Pechmarie zu verletzen, gelingt es dem Autor, jegliches Moralisieren zu vermeiden. Vielmehr wird die philosophische Dimension des Volksmärchens plastisch und humorvoll in Bilder gesetzt. Eine Hauptfigur wird dabei die Wolke und "sollte mit dem Darsteller besetzt werden, der sonst den Prospero oder den Faust spielt". Rainer Kirsch
Uraufführung:
30.06.1983, Theater der Jungen Generation, Dresden
siehe auch Christian Martin:
Frau Holle
siehe auch Peter Dehler:
Frau Holle
""Le Misanthrope" von Molière erlebt in Deutschland eine wunderbare Wiederauferstehung in der Nachdichtung von Rainer Kirsch. ... Der Dichter hat Molières Komödie nicht auf eine bloß bürgerliche Ebene herabgezogen und einfach in Prosa übersetzt, wie heute üblich. ... Der ästhetische Abstand zur Vorlage, den der heutige Dichter seinem Publikum und seinem großen Vorgänger schuldig zu sein glaubt, hat in dessen gereimtem Jambus einen adäquaten Ausdruck gefunden. ... Der Reim, so wie Kirsch ihn handhabt, trägt zur Heiterkeit des Textes bei, die ja von Moliére beabsichtigt war."(Heidi Urbahn de Jauregui, Junge Welt, 16.9.2009)
Der Klassiker in einer deutschen Fassung des Lyrikers Rainer Kirsch
Der empfindsame Dichter Cyrano de Bergerac aus dem 17. Jahrhundert ist in seine Cousine Roxane verliebt, kann es ihr aber aufgrund der Furcht vor einer Absage nicht gestehen. Als Roxane ihm ihre Liebe zu dem hübschen, aber beschränkten Christian de Neuvillette eröffnet, beginnt Bergerac Briefe für Neuvillete zu schreiben, die dieser in seinem Namen an Roxane verschickt. Die vorgetäuschte, romantische Ader und das Drängen Bergeracs führen zur Hochzeit von Roxane und Christian. So rettet Bergerac Roxane davor die Geliebte des Grafen de Guiche zu werden. Dieser will sich rächen und schickt das Regiment, in dem die beiden Männer dienen, an die vorderste Front des Krieges. Weiterhin schreibt Bergerac in Neuvillettes Namen Briefe an Roxane, woraufhin sie Neuvillette gesteht, dass sie ihn wegen seiner schönen Seele liebt. Daraufhin will Neuvillette ihr die Wahrheit gestehen. Kurz bevor der wahre Briefschreiber enttarnt wird, geht die Nachricht von Neuvillettes Tod ein. Roxane zieht sich trauernd in ein Kloster zurück, wo sie die Wahrheit entdeckt. Bevor Bergerac sich erklären kann, stirbt er schwer verwundet in ihren Armen.
DDR-Erstaufführung:
14.02.1969, Hans-Otto-Theater, Potsdam
BRD-Erstaufführung:
28.06.1984, E.T.A. Hoffmann-Theater, Bamberg
Es geht um eine Puppe, die von dem reichen Mädchen Lolita achtlos in die Ecke geschmissen und von dem armen Küchenmädchen Paca gefunden und behütet wird. Lolita will die Puppe zurück. Sie ist ihr Eigentum. Der Lumpensammler entscheidet, dass Paca die bessere Mutter ist und die Puppe behalten darf. Auch für kleinere Kinder ist das Problem der gerechten Urteilsfindung durch die Kreidekreisprobe fasslich und elementar nachvollziehbar gestaltet.
DDR-Erstaufführung:
16.06.1973, Theater der Jungen Welt, Leipzig
BRD-Erstaufführung:
01.01.1975, Bühnen der Landeshauptstadt Kiel
Uraufführung:
DRA 1978, 29'45 min, Regie: Manfred Täubert
Die Hexe Baba-Jaga hat wunderbar schlechte Eigenschaften. Sie ist raffgierig, selbstverliebt und eifersüchtig. Außerdem lebt sie im berühmten russischen Hexenhaus, das auf Hühnerbeinen umherstolziert. Sie hat zwei Söhne der guten Wassilissa gekidnappt und in Ahornbäume verwandelt. Auf der Suche nach den beiden trifft Wassilissa nicht nur die von Baba-Jaga schikanierten Geschöpfe Hund, Katze, Bär, sondern auch ihren kleinsten Sohn Iwanuschka, der im finsteren Wald laut pfeifend den Helden mimt. Gemeinsam gelingt es ihnen, die verzauberten Brüder zu erlösen, wobei Wassilissa auch zum Schwert greift.
Mit poetisch pointierter Sprache gestaltet Kirsch das Märchenmotiv vom blauen Licht. Ein davongejagter Soldat und eine Hexe, der das Feuerzeug in den Brunnen fiel. Schnell durchschaut der Soldat ihre üblen Pläne; mühselig begreift er die wundersamen, aber auch verderblichen Kräfte des Feuerzeugs. Viele Lieder unterbrechen dieses kräftige Märchen, in dem Kirsch übrigens dem fünffüßigen Jambus als Bühnensprache wieder auf die Beine half.
Ursendung:
DRA 1988, 47'11 min, Regie: Karlheinz Liefers
Uraufführung:
DRA 1989, 22'18 min, Regie: Gerda Zschiedrich