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Bild: Lothar Trolle

Lothar Trolle

Geboren am 22.01.1944 in Brücken im Harz. Abitur 1963. Seit 1965 in Berlin, Berufsausbildung als Handelskaufmann; danach arbeitet er u.a. als Handelskaufmann, Transportarbeiter, Bühnenarbeiter. 1966 - 1970 Philosophie-Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seitdem arbeitet Trolle als freischaffender Schriftsteller. Frühe Texte erscheinen in der Revue "Geländewagen I". Trolle ist von 1983 - 1987 zusammen mit Uwe Kolbe und Bernd Wagner Herausgeber von "Mikado", der ersten inoffiziellen literarischen Untergrundzeitung der DDR. Ab Ende der 80er beginnt eine Inszenierungswelle von Trolles Stücken auf größeren Bühnen: in Karl-Marx-Stadt, Frankfurt/Oder, Berlin. Hausautor im Schauspiel Frankfurt. 1992 inszeniert Frank Castorf die Uraufführung des Stückes "Hermes in der Stadt" am Deutschen Theater Berlin.

Lothar Trolle erhält 1986 und 1991 den Terre-des-Hommes- Kinderhörspielpreis (für "Jozia, die Tochter der Delegierten" und "Das Dreivierteljahr des David Rubinovicz"). 1998 Hörerpreis der Akademie der Künste für "Annas zweite Erschaffung der Welt" in der Regie von Jörg Jannings.

Lothar Trolle schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Prosa und Lyrik. Bearbeitungen von Holberg, Übersetzungen (u.a. Charms, Euripides). Lothar Trolle lebt als freischaffender Autor in Berlin.
2007 veröffentlichte der Alexander Verlag Berlin in Zusammenarbeit mit henschel SCHAUSPIEL Lothar Trolles "Gesammelte Werke". "Nach der Sintflut" heißt der von Tilman Raabke herausgegebene Band.

  • 34 Sätze über eine Frau
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    Textbuch

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    Besetzung variabel

    "Die Schauspieler treten aus ihrer Rolle, legen das Textbuch beiseite, verlassen ihre Position und fordern das Publikum auf, jetzt sich selber auszudenken, was die Reinemachefrau Anna an diesem Tag noch erlebt, wovon sie träumte, bevor sie das Geld erhielt, was sie mit dem Geld anstellte, nachdem sie es erhalten hatte, und diskutieren so lange mit dem Publikum, bis jeder Zuschauer zum Nachdenken angeregt und jeder Gedanke, der an diesem Abend gedacht wurde, ausgesprochen wird, und auf der Bühne ein an jedem Abend anderes authentisches Bild der Reinemachefrau Anna entsteht." (Lothar Trolles Regieanweisung am Ende dieses Kurzstücks)

    Uraufführung: 08.11.1985, Bühnen der Stadt Gera, Regie: Wolf Bunge

  • Die 81 Min. des Fräulein A.
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    Textbuch

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    1 - 7 Darsteller

    Ein Umkleideraum im Supermarkt mit dem tristen Charme einer Wartehalle. In ihm findet minimal zugestandene, kontrollierbare Pausenfreiheit statt. Verkäuferinnen, auch grün-/blau-/rotgekittelte Engel, probieren verschiedene Traumtechniken als Methode vorübergehender Befreiung. Sie lassen sich als Leda vom Teichschwan verführen, fallen in Straßentratsch, versuchen vor dem Schlafzimmerspiegel ihr stummes Gegenüber zu überrumpeln. Sie träumen sich als weiblichen König Lear, vierter Stock, mit Blick aus dem Fenster und sinnen als Noah auf den Wellen der biblischen Sintflut Weltuntergangslegenden nach. Sie spielen sich in archetypische Geschichten und Figuren, mit denen sich noch Utopie projizieren läßt. Trolle schrieb einen kompakt fortlaufenden Text mit integrierten Monologblöcken. Irritierend komisch. Die Travestie auf einen zerfallenen Chor, mit ungewöhnlichen Frauenrollen.

    Uraufführung: 07.10.1995, Vereinigte Bühnen Graz, "Steirischer Herbst", Regie: Wolfram Apprich
    Deutsche Erstaufführung: 30.11.1996, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Regie: Martin Meltke

  • die baugrube
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    Textbuch

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    (nach platonow)
    Besetzung variabel

    Eine Fortsetzung der Geschichte vom Turmbau zu Babel? In Platonows Roman geht es um den Bau eines proletarischen Gemeinschaftshauses im Mittelpunkt der Erde. Auch dieses Projekt gegen die Vereinzelung scheitert. Trolle hat Prosa in Prosa übersetzt und einen theatralischen Text geschrieben. Es war einmal ein Traum, eine Utopie. Da schippten Leute an einer monströsen Baugrube, die sich auswuchs zum Massengrab. Platonows traumatischer Realismus wird mit interpunktionslosen, elliptischen Endlosschleifen zu einem traurig komischen Märchen, in dem Vorgänge, Figuren, Sprache in eins rinnen. Der Text gibt dem Theater eine extreme Spiel- und Interpretationsfreiheit. „Dieser Turm, diese Gemeinschaft - das ist wichtig. Was daraus wird, ist egal. Denn es wird eh nichts. Aber warum sollten wir zulassen, daß die Realität den Traum beschädigt?" (trolle)

    Uraufführung: 03.04.1996, Berliner Ensemble, Koproduktion mit dem Kleist-Theater, Frankfurt/Oder, Regie: Armin Petras

  • Das beispielhafte Leben und der Tod von Peter Göring.
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    Textbuch

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    Biographie eines glücklichen Bürgers

    Uraufführung: 02.07.1971, Polytechnische Oberschule Berlin Prenzlauer Berg, Klassen 5 a und 5 b, Regie: Barbara Honigmann und Eva-Maria Vieberg

  • Brandenburger Entree
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    Textbuch

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    Hanswurstszene IX
    nach b. wagner
    Besetzung variabel

    Ein Mann ist unterwegs in einem Brandenburger Dorf. Er ist gekommen, um hier eine Stelle als Lehrer anzutreten.Alles ist ihm vertraut, das Kopfsteinpflaster, die Birke, die aus dem Fenster der Kirche wächst, die letzten Prüfungen, die schon so lange zurück liegen. Er kennt die Geschichte und die Geschichten dieser Landschaft 50 Kilometer entfernt von Berlin. Kleist kam hier vorbei. Er selbst ist schon so lange unterwegs auf seiner WINTERREISE. Ist er nun angekommen an dem Ort, an dem er nicht "als Fremder einzieht" um als "Fremder wieder auszuziehen"? Wo finden Entwurzelte, Heimatlose wie er "Heimat". Wessen Spur muss er da nachgehen VOR IHM WEGSINKEND IN WELCHEN SCHLAF DER ACKERWEG VERSANDEND DER BODEN BESTANDEN VON LUPINEN WILDEM HAFER DA VORN FÖHRENHÜGEL KOMM NÄHER DU KOMM NÄHER DU ...

    Auch in seiner Hanstwurstszene IX entwirft Trolle in einer Montage aus Momentaufnahmen, Zitaten, Fetzen innerer Monologe ein komplexes Bild der Gegenwart und liefert damit einen weiteren Beitrag zu seiner Comédie humaine.

  • Don Quijote

    siehe auch Ostarek: Die Abenteuer des Don Quijote – gespielt von seinen Freunden
    siehe auch Fauquez: Don Quichotte von la Mancha
    siehe auch Schwarz: Don Quijote
    siehe auch Bulgakow / Reschke: Don Quijote
    siehe auch Voima: Herr Ritter von der traurigen Gestalt

  • Das Dreivierteljahr des David Rubinowicz
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    Textbuch

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    oder Requiem auf einen Jungen, der nicht Radfahren lernte
    Besetzung variabel

    Basierend auf dem Tagebuch des zwölfjährigen David Rubinowicz, der 1943 mit seiner Familie deportiert und ermordet wurde, hat Trolle einen literarisch hoch anspruchsvollen Text geschrieben, dessen Suggestivkraft den Zuschauer in das Geschehen hineinzieht … Ein Chor berichtet vom Leben dieses jüdischen Jungen in einem besetzten polnischen Dorf. Trolle überhöht den karg kindlichen Stil des Originals zu einer fast antiken Sprache, die dann wieder jüdischmärchenhafte Züge annimmt und schließlich akribisch-brutal wird. Am Schluß beginnt David, Fahrradfahren zu lernen. In der raunenden Beschwörung dieses doch nicht zu Ende gebrachten Vorhabens endet der tragische, aber auch kindgerechte Text.

    Uraufführung: 13.11.1991, Schauspiel Frankfurt/M., Regie: Peter Eschberg

  • Dshan
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    Textbuch

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    nach Platonow
    Besetzung variabel

    "Wirklichkeit ist letztendlich ein Leidensstrom, den man mitmacht. Es gibt keine Konflikte mehr, in die man sich einhaken kann. Man kann sie nur noch beschreiben", so Lothar Trolle zu seiner einzigartigen Technik der dramatischen Epik. Er nahm sich den 1934 entstandenen Roman des russischen Dichters Andrej Platonow als Folie für die mythische Suche nach einem in der Wüste verlorenen nomadisierenden Volk. In der strahlend schönen Unbehaustheit einer lebensfeindlichen Landschaft wird ein Mann namens Nassar einen messianischen Auftrag erfüllen. Reste seines versprengten, ausgedörrten Volkes zu finden, aufzubauen und heimzuführen. Er trifft auf Alte mit leeren Augen, er nimmt das Mädchen Aidyn auf seine Schultern, um es durch die wüste Erde zu tragen. Jeder Atemzug unter dem kalten Himmel und der grellen Sonne ist eine extreme Herausforderung. Hölle und Paradies, Märchen und minutiöse Dokumentation, Blindheit und Sehen, Leben und Tod verschmelzen zu einem Erzählstrom, aus dem selten einzelne Stimmen ausbrechen. Nassars ständige Begleiter sind gewaltige Vögel und filzige Steppenläufer, die windgetrieben durch die Geschichte irren. Einem scheinbaren Ziel entgegen und hinein in eine Gegenwart, die unsere sein kann. Trolle hat Platonows poetisch elegischen Stoff zubereitet "wie eine Liebesgabe an die Regisseure, mit der Aufforderung: Macht was draus." (Trolle in "Theater der Zeit" Februar 2009)

  • Ein Epitaph für Sally Epstein
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    Textbuch

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    Bierdunst, schwere Kneipenvorhänge, verwinkelte Ecken, Zigaretten, die in langsamen Bewegungen zu Mündern geführt werden. Drei Gestalten zoomen sich von ihrem heutigen Standort zurück in die Berliner Schattenwelt der späten 20er Jahre. Als die Nazis Bier und Korn in den Hinterzimmern ihrer Stammkneipen neben den Kneipen der Kommunisten tranken. Da machte sich ein Trüppchen vom Rotfrontkämpferbund auf in die Große Frankfurter Allee 62, 4. Stock, um dem Mietschuldner Horst Wessel eine proletarische Abreibung zu verpassen. Dieser Vorfall endete für die meisten Beteiligten tödlich. SA?Sturmführer Horst Wessel wird zum Märtyrer der erstarkenden NSDAP stilisiert, das Viertel um die Berliner Volksbühne erhält seinen Namen. Der unbedarfte Jude Sally Epstein, bei dem Mord an Horst Wessel lediglich Schmieresteher, wird in einem minutiös dokumentierten Schauprozess 1935 zum Tode verurteilt und innerhalb von 65 Sekunden in Plötzensee hingerichtet. --- Trolles tiefenscharfe Textmontage folgt den Spuren dieser Morde durch die Altberliner Straßen und Treppenhäuser. Sie verharrt bei Gesprächsmomenten, erstarrt im Dickicht von Dokumenten und Briefen, verliert sich kurz im Nuttenmilieu und landet hart in der Gegenwart.

    Uraufführung: 20.05.2008, Volksbühne Berlin, Regie: Marc Ottiker

  • Ein Vormittag in der Freiheit
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    Textbuch

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    oder Sie gestatten, Lehmann vorn mit l und hinten mit n wie Lenin
    1 H

    Im Gedankenlabyrinth des entlassenen ostdeutschen Betriebsdirektors Lehmann taucht immer wieder die Frage auf, was er überhaupt zu bereuen hätte: Daß er stets mehr tat als seine Pflicht? Daß er nie unentschuldigt auf einer Parteiversammlung fehlte? Daß er bei jeder Olympiade die DDR-Siege mitzählte? L’s Reflexionen darüber und seine Erinnerungen an die bewegten 50er Jahre, an den Kampf um die Staatsplanerfüllung, werden kontrastiert von minutiös geschilderten Alltagsverrichtungen unter den Zwängen seiner Einsamkeit. Aber ob L. wirklich daran gelegen ist, Vergangenheit aufzuarbeiten? Oder ob es ihm nur darum geht, diesen elend langen Vormittag herumzukriegen?

    Uraufführung: 18.10.1991, Freie Kammerspiele Magdeburg, Regie: Wolf Bunge

  • Eine (kurze) Szene Annas
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    Textbuch

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    variabel

    Wie klingt die schönste Ansage für einen Anrufbeantworter? Jedes Wort, jede Betonung sollen perfekt sein und so bemüht sich Anna die ganze Nacht. Sie probiert es in verschiedenen Tonlagen, einmal sogar singend, und sucht schließlich nach Inspiration. Zuerst bei ihren Freundinnen, dann im Telefonbuch. Sie beginnt bei A. Die Geisterstunde naht. Und die Stimmen lösen sich von ihren Sprechern, geistern durch das Telefonnetz, durch die Stadt. Da hört ein ganz anderer die fremde Frauenstimme und sucht nach der Fortsetzung ihrer Geschichte. Wie fehlgeleitete Anrufe irren jetzt Menschenkörper durch ein S-Bahnnetz.

    Lothar Trolle erzählt mit Witz und Poesie eine nur fast alltägliche Geschichte. Seine suchend wühlende Sprache ermöglicht Wege tief in die Sätze hinein zwischen Nachrichten, Gedichte und zitternde Fensterscheiben.

  • Eine (kurze) Szene Annas. Hanswurstszene 1 usw.
    Einakter und kurze Szenen
    variabel

    In unterschiedlich langen, variier- und erweiterbaren Szenen versucht Trolle unseren Begriff von Gegenwart zu erweitern. Alltagsszenen, die nicht immer tragisch enden. Da ist nicht nur der Bericht von ANNA, die sich eine Nacht lang bemüht, über den Anrufbeantworter ihres Telefons potentiellen Anrufern mitzuteilen, dass sie eigentlich nicht zu Hause ist und die in dieser langen Nacht begreift, dass sie in ihrer Neubauwohnung "17 Stockwerke hoch unter den Wolken" tatsächlich nicht zu Hause ist, da ist nicht nur HANSWURST, der, vor seinem Spiegel stehend, sich eine Prostituierte gefügig machen will, da ist nicht nur der BILDSCHIRM EINES FERNSEHAPPARATS, aus dem eines Tages ein daumengroßer Hitler springt, um sich häuslich einzurichten, da sind auch unterschiedliche LANDSCHAFTEN und das ist nicht nur ein VERSCHNEITER HERBSTWALD, in dem sich zwei endlich finden, nicht nur die WOHNUNG EINER SCHAUSPIELERIN, in der sie nach einer Premiere eine Nacht mit einem ihrer Kollegen verbringt, da ist auch der ORT EINER KINDHEIT UND JUGEND, an dem sich der Protagonist fremder fühlt als anderswo und da ist ein KIRSCHKERN, der einmal, als eine Hoffnung sich nicht erfüllte, heimlich eingegraben wurde, damit eines Tages, wenn sich keiner mehr erinnert, auf was da gehofft wurde, aus ihm ein neuer Kirschbaum wächst ...

    Inhalt: "Hanswurstszene 1", "Fernsehen", "Arkadien 1", "Wohnzimmerstück", "Heimatland", "Eine kurze Szene Annas", "Herbst in den Eichenwäldern", "Der Kirschkern" ...

  • Der Engel von Sibiu
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    Textbuch

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    Besetzung variabel

    Wort für Wort entsteht ein Ort randvoll mit Geschichten, einer, der von traurigen, verwirrenden und hoffnungsvollen Begegnungen bestimmt wird.

    Der eine versucht zu fliehen und kommt nicht weit, ein anderer will alle Schwellen mit Elan überschreiten und ermattet. Ein Wasserstrahl dringt durch die Mauer, sodass ein Mädchen sich darin fröhlich duschen kann. Und ein kinderloses Paar hat Angst vor dem Altern. Um irgendwo einen Sohn zu finden, zieht der Mann los. Vielleicht macht Sibiu es ja möglich - diese rumänische Stadt mit seiner alten Geschichte. Die Stadt, durch die schlitternd, stolpernd ein leicht zerschundener Engel zieht. Er hat alles im Blick. "SUCHT MICH IN DER WELLE, SUCHT MICH IM SCHNEE SUCHT MICH SUCHT MICH ICH BIN`S OHNE DESSEN WORTE SICH DAS ECHO LANGWEILT ICH ICH ICH"

    Uraufführung: 06.03.2011, Theater Oberhausen , Regie: Peter Carp

  • Greikemeier
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    Textbuch

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    Szenen zwischen Himmel und Erde
    5 D, 20 H, Mehrfachbesetzungen möglich

    Wie hoch mussten die Gedankensprünge gewesen sein und wieviel Redepausen mussten da erst einmal überstanden sein, damit man (frühmorgens kurz nach 3, man stand zu zweit in dem kleinen Flur der Eineinhalb-Zimmer-Wohnung von Thomas Brasch neben der Tür zum Badezimmer vor dem Bücherregal, das da in der Flurecke aufgebaut war, und hatte schon längst über die Namen palavert, die man auf den Bücherrücken entziffern konnte - Céssar Vallejo, Robert Walser ..., "Und hast du schon einmal ... gelesen?" usw.) völlig unvermittelt zu der Feststellung kommt: Eigentlich gibt es kein Stück über den 17. Juni. "Los, du schreibst ein Stück über den 17. Juni auf dem Land, du kommst ja vom Dorf, und ich schreibe ein Stück über den 17. Juni in der Stadt. Berlin kenne ich noch am genauesten. Wetten, dass ich als erster fertig bin ..." (Lothar Trolle über die Entstehung von "Greikemeier")

    Uraufführung: frei

  • Hans (im Glück)
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    Textbuch

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    Besetzung variabel

    Hans ist der (Märchen)-Mann, der wie ein Versprechen von Freiheit seinen Goldklumpen tauscht gegen immer kleiner werdende störrische Tiere, bis er auf den Wetzstein kommt und diesen im Brunnen versenkt. Trolle zelebriert mit rhythmischer Detailverliebtheit diese verlustreichen Transaktionen. Das alte Zuhause erträgt einen solchen Entmaterialisierten nicht. Und so zieht Hans in die modernen Städte, taucht an Straßenrändern auf, bleibt vor Schaufenstern stehen, beobachtet das Treiben der Leute, schnappt auf und lässt laufen. Der Ruf nach ihm und seinem Geheimnis wispert wie eine Beschwörung durch den Text, wie eine alte Ahnung von Glück. Authentische Berichte außergewöhnlicher Menschen ragen aus dem assoziationsreichen Fließtext heraus. Scheinbare Zufallsfunde. Eine Turmspringerin mit Höhenangst, ein schizophrener Nobelpreisträger für Mathematik, ein Pianist, seit der "Kristallnacht" auf weltweiter Konzertflucht oder ein Internetkrämer, der mit einer Büroklammer zu Reichtum gelangt. Momente des Innehaltens und Wunderns. Hans (im Glück) läuft weiter. Ruhelos, unbemerkt. Das Getriebe der Welt scheint neben ihm zu knirschen. Und manchmal verschwindet er in einem Kino oder sitzt am Wegesrand.

    Trolles Text bietet je nach Inszenierungsidee Spielmaterial für unterschiedliche Bühnenformate.

    Frei zur Uraufführung.

  • Heimatland
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    Textbuch

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    variabel

    Besetzung variabel

    Es ist die Zeit, in der Gartentore mithören und Fahrräder ihre Besitzer verraten. In der die einzige Chance im Geheimnis liegt, das jederzeit mit Grausamkeit gelüftet werden könnte.

    Lothar Trolle stieß auf einen Zeitungsartikel von 1933: Eine kommunistische Widerstandszelle wurde in seiner Heimatgegend entdeckt und vernichtet. Im Original bildet dieser Text eines Nationalsozialisten den ersten Teil von "Heimatland". Die unverkennbare Sprache des Nationalsozialismus` wird kontrastiert mit einem sehr persönlichen Monolog über eine mögliche Heimat von gestern, über das Verdecken von Schuld und das Abschreiten von fürchterlich bekannten Wegen.

    Frei zur UA.

  • Hermes in der Stadt
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    Textbuch

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    Nach F. G. Jünger, W. Serner, B. Wagner u. a.
    Besetzung variabel

    Hermes, der schöngeistig zynische Gott der Verbrecher flaniert durch die moderne Zeit. In diesem episch angelegten Text entwickelt Trolle Bilder der im Dickicht unserer Städte und Köpfe rollenden physischen und psychischen Gewalt. Er betont gleichzeitig die Anonymität des Verbrechens, läßt A,B,C, ... X,Y,Z agieren, beginnend mit „kleineren Delikten" bis zur detailliert beschriebenen Inszenierung von Kindesentführung, Vergewaltigung, Mord. Trolle kontrastiert die maßlose Brutalität mit klassischer Schönheit, zitiert deutsche Lyrik, Poetik, antike Geschichte. Ein Stück, das Widerspruch und Auseinandersetzung unbedingt herausfordert.

    Uraufführung: 16.02.1992, Deutsches Theater Berlin, Regie: Frank Castorf

  • Hiltibrandszenen (VF)
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    Textbuch

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    Besetzung variabel

    Ausgehend vom althochdeutschen "Hildebrandslied" aus dem 9. Jahrhundert, dem wenige Zeilen umfassenden Fragment eines anonymen Klosterschreibers über eine germanische Familientragödie, assoziiert Lothar Trolle einen phantastischen Reigen über das Jungsein in heutigen Zeiten. In der Vorlage trifft Hildebrand, der vor 30 Jahren Frau und Kind verlassen hatte, um an der Seite Dietrichs von Bern in zahllose Kriege zu ziehen, in einer Schlacht auf seinen Sohn Hadubrand. Hadubrand, der seinen Vater tot glaubt, will ihn nicht erkennen und hält ihn für einen Feind. Schließlich schlagen beide aufeinander los. Trolle hat abenteuerliche Stationen einer Heimreise Hildebrands hinzuerfunden: Begegnungen mit Dreikäsehochs, gefährlichen Medusen und Riesen wechseln mit Alltagsszenen einer alleingelassenen Jugend. Trolles Rauschrätselritt durch den deutschen Geisterwald endet mit dem aufsehenerregenden Auftauchen eines aus der Vergangenheit flüchtenden Ritters an einem vollbesetzten Touristenstrand.

    Uraufführung: 28.04.2006, Theater an der Parkaue, Berlin, (unter dem Titel "Hildebrandslied"), Regie: Sascha Bunge

  • Jozia, die Tochter der Delegierten
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    Textbuch

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    oder Die Heilige Johanna in der Wohnküche
    Nach Anna Seghers
    2 D, Stimmen

    Niemand darf erfahren, daß die Wohnung bewohnt ist. Eine ganze Woche lang muß die dreizehnjährige Jozia hinter verschlossenen Vorhängen so tun, als gäbe es sie nicht. Das Brot geht zu Ende, und die Zeit steht still. Verlockende und gefährliche Stimmen hinter der Tür. Jozias Einsamkeit wird zur Qual. Trolles Text ist wie ein einziger Satz, mit dem sich Jozia aus ihrer Küchengruft rund um die Welt nach Moskau gräbt, wo ihre Mutter illegal an einem Kongreß teilnimmt.

    Uraufführung: 29.01.1988, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Regie: Thomas Vallentin

  • Judith
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    Textbuch

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    3 D

    Ein chassidisches Märchen berichtet von einem Ziegenbock, der seine Hörner in Mond und Sterne stößt, auf der Suche nach dem Messias. Das Firmament schweigt den Bock an, der aber zerstößt die Himmelssteine und sie fallen in funkelnden Edelsteinsplittern runter auf die Straßen der jüdischen Schtetl, in denen sich die Bewohner seit Jahrhunderten Geschichten erzählen. Schnorren, Gräuel, Wunder und Taten voll Mut und Hoffnung in schlimmen Zeiten. Wie die von der schwarzen Witwe Judith, die es damals, zu biblischen Zeiten, schafft, bis ins Zelt des assyrischen Feldherrn Holofernes vorzudringen. Sie kommt nicht, um für ihr belagertes Volk Israel zu bitten. Sie kommt, um mit dem Feind zu essen und zu trinken. Sie betört den Krieger, den sie lieben könnte und schlägt ihm nachts den betrunkenen Kopf ab. Stille Präzisionsarbeit mit dem fremden Schwert, festgehalten in der Legende und fortgesetzt von nachgeborenen Schwestern. Judith geht, das Haupt des Holofernes im Brotbeutel verborgen, aus dem Lager der kopflosen Besatzer hinaus. Sie geht, ohne zu wissen, was ihr folgen wird. Trolle schichtet und verwebt in seiner dichten Textcollage Versatzstücke jüdischer Kulturgeschichte zu einem hellen Gebet vom Überleben.

    Uraufführung: 24.02.2013, Schaubude Berlin, Regie: Wera Herzberg

  • K.O. nach 12 Runden (Boxerstück)
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    Textbuch

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    Ad libitum

    "junge, du weißt, wenn du heute verlierst,/ ist alles verloren, /dann kannst du dich in der reihe wieder hinten anstellen"

    Boxer erzählen: Über den Moment in dem die Faust trifft, über das Gefühl als Kämpfender zu Boden zu gehen, über die Tragik der Niederlage und den Verlust von Kontrolle, Ansehen und Bewusstsein. Ihre Stimmen formen sich in "K.O nach zwölf Runden" zu einem Chor der Geschlagenen - über die Zeiten hinweg. Was geschieht, wenn wir den Boden unter den Füßen verlieren, nicht nur im Spiel, sondern im Privaten, Beruflichen - im Leben? Mit seiner unverkennbaren Handschrift hat Lothar Trolle ein Stück über Kampf und Scheitern geschrieben, über das Fallen aber auch über das Wiederaufstehen.

    Uraufführung: 05.07.2014, Mainfranken Theater Würzburg , Regie: Sascha Bunge

  • K.s Kasperlspiele
    1 H

    Drei Monologe, in denen ein Mann, er, der Kasper, mit sich und seinem Kassettenrekorder Lebenslagen ausprobiert. Die Spiele bestehen aus den Teilen:

    "Die Stimme seines Herrn"

    K. (Kasperl) mit seinem Kassettenrekorder/Tonbandgerät

    ... Nun, Kasperl, was ist? Langweilt dich jetzt deine Lieblingsbeschäftigung? Erwartest du jetzt von mir, daß ich dir sage, was du machen sollst, um die nächsten Stunden einigermaßen zu überstehen? ...

    "K. erhält eine Lektion"

    ... Und jetzt gib mir was zum Trinken, sonst fange ich tatsächlich noch an zu heulen! (Schenkt - mit geschlossenen Augen - ein, erhebt danach - mit geschlossenen Augen - sein Glas und redet - mit unverstellter Stimme - weiter.) Darauf, daß uns heute abend zum letzten Mal eng geworden ist im Hals und daß wir von jetzt ab immer beste Laune haben ...

    "K. findet eine Frau"

    ... O Kasperl, du könntest wohl stundenlang mit deinem Lieblingsspielzeug herumspielen und würdest dich nicht langweilen oder etwas vermissen. Oh, wer so träumen kann wie du, ist wahrhaftig zu beneiden! ...

    Uraufführung: 06.07.1987, Theater unterm Dach, Berlin, DIE STIMME SEINES HERRN, Regie: Wera Herzberg
    Uraufführung: 18.09.1987, Volksbühne Berlin, K. FINDET EINE FRAU, Regie: Jürgen Verdofsky
    Uraufführung: 24.02.2000, Theaterhaus Jena, K. ERHÄLT EINE LEKTION, Regie: Walter Meierjohann

  • Das Kind
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    Textbuch

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    aus Weltuntergang Berlin II
    1 D

    Ein scheinbar unscheinbares Kind, vielleicht. Einsam und immer auf der Suche, sich die Zeit zu vertreiben, sie totzuschlagen. Es ersinnt sich ein ungeheures Szenario: aus dem Tierpark brechen die Tiere aus, der Urwald erobert das Neubauviertel, Knochen krachen, Gurgeln erfüllt die Nacht, Hilfeschreie ersticken. Eins von Millionen Kindern. " ... doch weiß man, was hinter Ihren unauffälligen Stirnen so alles vor sich geht?"
    Bereits 1987 wurde der Monolog, der ein Auszug aus "Weltuntergang Berlin II" ist, unter der Regie von Wera Herzberg im Berliner "Theater unterm Dach" aufgeführt. Seinerzeit verkörperte Corinna Harfouch das "liebe Kind" aus dem Neubauviertel, das mit seiner aggressiven Phantasie eben dieses Klischee mit voller Wucht zerstört.

  • Lichtenberger Weihnachtsmärchen
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    Besetzung variabel

    Lothar Trolle versetzt die Heilige Familie in spe ins kalte Deutschland und folgt Joseph, der hochschwangeren Maria und einem Esel auf ihrer Odyssee entlang nasskalter Autobahntrassen. In die heutigen Adventszenen sind Geschichten über Annäherungen und Abstoßungen montiert. Dabei wechseln Zeiten und Räume wie im Traum. Trolle führt uns in Eckkneipen und Schützengräben, wir folgen Obdachlosen in Bürgerwohnungen und befinden uns im nächsten Moment im nahen Osten. Eine moderne Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art, die einen eigentümlichen Sog entwickelt.

    Sascha Bunges Inszenierung im Theater an der Parkaue "beweist, zusammen mit einem furios eingespielten Ensemble, ein tolles Gespür für den nachtschwarzen Humor dieses Stücks." (Tagesspiegel 1.12.09)

    Uraufführung: 29.11.2009, Theater an der Parkaue, Berlin , Regie: Sascha Bunge

  • Ludvig Holbergs Jeppe vom Berge
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    oder EIN DICHTER IN SEINER EIGENEN KOMÖDIE
    Eine Hanswurstiade in 3 Bildern mit Publikum und Möglichkeiten zum Improvisieren
    1 D, 5 H, kleine Rollen

    Jeppe, begeisterter Säufer und leidenschaftlicher Penner, wird von seiner Frau Nele und ihrem Knüppel Erich in die Stadt gejagt, um Seife zu kaufen. Auf dem Weg liegt eine Kneipe, und durch die fällt Jeppe in den Straßengraben, wo ihn der Baron aufsammelt. Holberg selbst leitet mit teuflischem Charme das Spiel der vielfarbigen Hanswürste. Der Baron steckt Jeppe ins seidene Bett und läßt ihm von Ärzten suggerieren, daß jede Erinnerung an den Bauerntölpel eine Bewußtseinstrübung und Jeppe in Wahrheit der Baron sei. Die Irritation ist heftig aber kurz, und Jeppe übernimmt prassend im Schloß das Kommando. Er tut sein Bestes im Kopieren von baroneskem Gebaren. Das ist schamlos, peinlich und komisch. Im Rausch gipfelt sein Machtgefühl in der Demolierung des Mobiliars. Voll wie ein Eimer kippt er schließlich um. Trolles Holberg schneidet dem pikierten Baron das letzte Wort ab. Der Spaß mit dem Pack ging nach hinten los. Eine schlanke, schön böse Bearbeitung des Stoffes aus den frühen achtziger Jahren.

    siehe auch Horst Ulrich Wendler: Jeppe

  • Märkische Pastorale
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    Textbuch

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    (Hanswurstszene 3)
    Nach Grit Poppe
    Besetzung variabel

    Minutiös beobachtet, passiert kaum etwas. Ein Mädchen kämmt sich, steckt den Kamm ein. Blickt in den Spiegel, sieht die Mutter im Spiegel, die sich aus der Schrankwand die Fernbedienung holt. Der Sessel, der Korridor. Besorgte Fragen. Nein, sie gehen nicht in diese Bahnhofsdisko, diese Kaschemme. Beruhigung und Geheimnis. Natürlich gehen Marlies und Simone dorthin, wo die Mutter sie nicht sehen will. Zum Bahnhof, zu den Bierlachen, dem Dunst, dem Geruch nach kaltem Nebel und den Männern, die aus dem Wohnheim für Ausländer zum Tanzen kommen. Trolles Text bewegt sich zentimeterweise durch die abgestandene Luft dieser einzigen lohnenswerten Lokalität der namenlosen Stadt. Tanzen, der Bart des Mannes, der nach Nikotin riecht und nach Fremdheit. Der verpasste Bus, die trüben Straßenlampen. Später dann, an anderen Tagen, das Wohnheim. Zärtlichkeit im Doppelstockbett. Das Leben geht los, so bleiern froh. So unbeholfen sehnsüchtig. Ein Stück für Jugendliche.

    Uraufführung: 05.03.2004, Neue Bühne Senftenberg, Regie: Sascha Bunge

  • novemberszenen
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    Textbuch

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    (nach a. döblin)
    Besetzung variabel

    Mit für Trolle typischen Konstruktionen werden Gedanken- und Erlebnisebenen gleichsam geschichtet. Ereignisse um die Novemberrevolution in Berlin werden mit Alltagsszenerien zwischen Gemüseladen, Aufwartefrau oder Hinterhof verschnitten. Und aus dem November von damals fährt plötzlich ein Taxi in den November von jetzt. In Menschenaufläufen bleiben die Figuren stecken. Silhouettenhaft kommen sie aus der Menge, haben einen Auftritt, drehen sich um und sind ein anderer. Trolle: "novemberszenen" ist am allerwenigsten ein Stück über eine Jahreszeit. Ort der Handlung ist Berlin, hier, wo eine Gegenwart zurückkehrt zu ihrer Vergangenheit, dreht sich ein Totentanz (findet er einmal Statt, der Aufstand der Toten? Bzw. Nimm dich in Acht, Nimm dich in acht, dieses geschieht auch dir ... ) der andauert, solange diese Gegenwart keine Zukunft findet. Der zweite Teil ist eine Gesprächsphantasie der Rosa Luxemburg. Unter Bedingungen der Isolation und Sprachlosigkeit behauptet sie Dialog und Gemeinsamkeit. Der Text verharrt an unterschiedlichsten Orten. Hakt sich fest, um im unerwarteten Augenblick die Richtung, die Ebene zu wechseln. Wie im Traum, im Sterben, im phantastischen Rekapitulieren, erlebt Rosa Höllen und wenige Seligkeiten. Liebknecht, illegale Treffs, Leo und immer wieder ihr toter Liebster Hannes. Mit ihm feiert sie in der Zelle Hochzeit. Sie materialisiert den jungen Mann, der in der russischen Schneesteppe im Krieg erfroren ist. Sie stirbt mit ihm, und sie nimmt ihn in sich auf. Seine Seele haust für Augenblicke in dem kranken Körper eines häßlichen alten Weibes, wie sich Rosa in belustigter Verzweiflung manchmal selbst bezeichnet. Der Text ist eine entsetzliche Sehnsucht nach Liebe, nach einem Funken Normalität. Sofort zugeschüttet durch fiebrige Wahnvorstellungen. Ein schlittschuhlaufendes totes Mädchen auf dem Landwehrkanal. Auflösung und prismatische Verdoppelung. Rosa wird erschlagen und erschossen und bleibt in diesem Totentanz die Hauptfigur.

    Uraufführung: 18.05.2002, Theater Bielefeld, Regie: Hartmut Wickert

  • Papa Mama
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    Textbuch

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    1 D, 1 H, 1 K

    Wie ein gewöhnlicher Sonntag fast zu einem Mordstag gerät, wie Papa die Mama und dann Mama den Papa umzubringen versuchen und sich das Kind währenddessen in der Küche den Bauch bis zur drohenden Explosion vollschlägt, wie sich am Ende doch alles zum Guten (?) wendet - davon erzählt Trolles familiäres Theatergräuelmärchen. Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit realen Begebenheiten sind natürlich rein zufällig!

    Uraufführung: 18.06.1979, Vereinigte Städtische Bühnen Krefeld und Mönchengladbach, Regie: Grit Rehfeld
    DDR-Erstaufführung: 08.11.1985, Bühnen der Stadt Gera, Regie: Wolf Bunge

  • Pepos Kofferoper
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    Textbuch

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    1 H, ad libitum

    Eigentlich ist Pepo ein Clown. Jedenfalls sieht er so aus: wie er da kostümiert in der Zirkusmanege steht. Doch hat er einen ganz besonderen Koffer bei sich. Als er ihn öffnet, stößt er auf ein kleines, vergoldetes Opernhaus. Winzige Zuschauer, Schauspieler und Sänger sind hier am Werk und nach und nach erklingen Melodien, die Pepo überraschend bekannt erscheinen. Seine eigene Oper wird uraufgeführt. Doch der große Sprechstallmeister ist dagegen. Diese Aufführung gehört nicht hierher, das ist ein Zirkus. Er lässt die wilden Tiere frei.

    "Pepos Kofferoper" ist ein kleines, witziges und liebevolles Stück über eine Aufführung in einer Aufführung in einer Aufführung. Wort für Wort schraubt es sich in die Situation des Theaters hinein, schließlich kann Theater Manege, Opernkleid und Wortkunst zugleich bedeuten.

    Am Ende sitzt Pepo im eigenen Koffer und sogar die Löwen und Tiger lauschen andächtig.

  • Die Reise
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    Textbuch

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    Eine Schuloper
    Besetzung variabel

    In neun kurzen szenischen Kapiteln entwickelt Trolle eine moderne Sintflutphantasie. Die beginnt hinter der Waschanlage an der Tankstelle. Noahs Söhne suchen sich Freundinnen zum Überleben. Es nieselt. Das Dorf wird langsam evakuiert. Noah baut sein Schiff. Was auf sie zukommt, weiß keiner. Noch macht es Spaß, in Gummistiefeln durch die leerstehenden Häuser zu geistern und alte Fotos oder verlassene Möbel zu betrachten. Dann kommt der Regen. Bald finden die Haubentaucher kein Grünzeug mehr und sacken in die Tiefe. Teppiche von verfilztem Ungeziefer hängen an der Arche. Noah entwickelt finstere Visionen. Was wäre, wenn diese Insekten durch die Luken drängen. Ersticken müßte man. Die Arche schwimmt vorbei an Hochhausdächern. Die Söhne spielen Karten. Die Schwiegertöchter langweilen sich. Sonderbare Fragen tauchen auf. Was machen z. B. die Unsterblichen während der Sintflut. Vielleicht prüft Prometheus am Gipfel eines Achttausenders mit den Zehen die Wassertemperatur. Ist der Gipfel des Mount Everest ein Ankerplatz. Noah hofft auf die Spitzen versunkener Errungenschaften - Empire State Building, Eiffelturm, Kölner Dom, Tokio. Aber die Taube ist längst zurückgekehrt. Ohne Olivenzweig im Schnabel klammert sie sich an die Planken und wird an Bord versteckt. Ein assoziativer, bildreicher und komischer Text, der Spielraum bietet für Improvisationen.

    Uraufführung: 06.05.2000, Theater Essen, Regie: Eduardo Kapsch/Thomas Stich

  • Sie leben! Sie leben! Sie leben noch immer!
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    Textbuch

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    Ein Berliner Märchen

    Besetzung variabel

    Was sind das für Leute, die sich an Häuserwände gelehnt, auf Bordsteinkanten hockend, vor Spätverkaufstellen und vor Kneipen stehend Berliner Geschichten erzählen. Wie die von der Frau aus der Straße Soundso, die jahrelang aus dem Fenster sieht und auf ihre Tochter wartet, bis die mit einem Krug voll Tränen endlich wieder nach Hause kommt. Oder die Geschichte von dem liebeskranken Drogisten, der noch heute am Weißensee hockt und die Wellen streichelt. Oder die von dem Kassierer im Supermarkt, der einer Frau stets nur die Zigaretten berechnet, bis der Schaden haushoch ist. Oder das Märchen von dem Juden aus der Rykestraße, der drei Araber nur dann freundlich grüßt, wenn die ihm erzählen, wer von ihnen der Dümmste ist. Überall stehen Menschen zusammen, und die Geschichten und Legenden fließen in einem Reichtum und einer lebendigen Farbigkeit dahin, dass nur einer wie Lothar Trolle sie aufsammeln und in seiner Sprache bündeln kann.

    Eine Kooperation zwischen dem Theater an der Parkaue mit dem Institut für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin.

    Uraufführung: 24.10.2013, Theater an der Parkaue, Berlin, Regie: Sascha Bunge

  • Sie zu dritt unter einem Apfelbaum
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    Textbuch

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    1 D

    Trolles Monolog einer Schauspielerin ist komponiert wie eine Sonate. Im Garten ihrer Kindheit genüßlich in der Erde wühlend, schwelgt sie in der Zubereitung selbst geernteter Früchte, um ganz unvermittelt verschiedene Register ihrer Kunst zu ziehen. Spielerisch läßt sie sich von ihren Assoziationen tragen, amüsiert sich über ihre komische Alte, ertrinkt hinter den Augen ihrer Freundinnen im See, sucht als David Emanuel Lifschitz nach dem Ort, in dem Boris Pasternak starb. Alltägliche Details zu einem sinnlichen Genuß erhebend, verabschiedet sich die Schauspielerin von ihrer Hauptrolle in Tschechows "Kirschgarten", dessen Premiere vor wenigen Stunden auf ungewisse Zeit verschoben wurde. Eine so kraftvolle wie zarte Rolle für eine Schauspielerin reiferen Alters.

    Uraufführung: 15.01.1999, Städtische Theater Chemnitz, Regie: Elvira Grecki

  • Weltuntergang in Berlin / Weltuntergang Berlin II / Die Heimarbeiterin
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    Textbuch

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    Besetzung variabel

    Weltuntergang in Berlin ist eine Szenensammlung, die Trolle um 1974 schrieb. Es ist Frühling 45. Zwischen Trümmern, Leichen, letzten Schlachtgeräuschen, werden Skelette lebendig, geben sich Überlebende gegenseitig den Rest. Eine nüchterne Szenerie der grotesken Auslauferscheinungen des Krieges. Trolles künftige Kasperstücke kündigen sich an und die Nähe zu Müllers "Die Schlacht" ist unverkennbar. Trolle ist lakonisch, er blickt auf die Farce, nicht auf die Tragödie. Das ist erschreckend komisch und entsetzlich lachhaft. Genau wie "Weltuntergang Berlin 2", die jüngere Szenenfolge, die mit dem gerne gespielten bitterbösen Endstück "Das Kind" in die unmittelbare Gegenwart führt und eine clowneske Deformation des Menschen in seinem Alltag zeigt. In diesem Zusammenhang steht das winzige Anti-Stück "Die Heimarbeiterin". Die Dramatik einer einsamen Sturzgeburt, die Verscharrung und Ausgrabung des Kindes, der Weg der Heimarbeiterin zur Polizei wird gekontert mit deutschem Volksliedgut. "Man kann diese Geschichten nur noch notieren, man kann das Fremde, das Trennende nur noch benennen. Man beschreibt eigentlich ein Verstummen." (Trolle)

    Uraufführung: 01.09.1979, Gleisdreieckgelände Berlin, WELTUNTERGANG IN BERLIN, Regie: Christian Bertram / Wolfgang Storch
    Uraufführung: 28.05.1987, Volksbühne Berlin, WELTUNGERGANG BERLIN II, Regie: Jürgen Verdofsky
    Uraufführung: 13.06.1997, Berliner Ensemble, DIE HEIMARBEITERIN, Regie: Wera Herzberg

  • Wstawate, Lizzy, Wstawate
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    Textbuch

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    oder Manege frei für eine ältere Dame
    1 D

    Lizzy – eine große alte Dame – zu Hause vor ihrem Spiegel: Sie hat 27 Jahre als Operettensängerin und etliche Zeit im Ruhestand hinter sich, und mit letzterem soll es nun genug sein. Es hält sie nichts mehr in ihren vier Wänden, sie hat etwas zu sagen, sie hat nichts vergessen. In ihrem facettenreichen Monolog – das Vorstellungsgespräch beim Zirkusdirektor probend – holt sie die Höhen und Tiefen ihres Lebens auf die Bühne. Auschwitz, Theateralltag, Altersprobleme. Nachdenklich und komisch, ohne Bitterkeit und Ulk, läßt Lizzy ihr Leben Revue passieren. Ein eindrucksvoller, metaphernreicher Text mit einer Paraderolle für eine ältere Schauspielerin.

    Uraufführung: 02.04.1993, Schauspiel Frankfurt/M., Regie: Jürgen Kruse

  • Daniil Charms
    Charms: 
    Jelisaweta Bam
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    Textbuch

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    (Elizaveta Bam)
    Aus dem Russischen von Lothar Trolle
    3 D, 4 H, Statisten

    Mit surrealistischen Mitteln zeigt Charms (1905-1942) die Absurdität der Verhaftung der Jelisaweta Bam, die erst durch ein danach erzwungenes verbrechen legitimiert wird. Die stilistisch ganz unterschiedlich gebauten und nur sehr locker zusammenhängenden Szenen des 1927 geschriebenen Stückes machen den Experimentalcharakter deutlich. Der spielerische Umgang mit einer Vielzahl von Gestaltungsmitteln ist Aufbegehren gegen die herkömmliche Form des realistisch-naturalistischen russischen Dramas und gleichzeitig der versuch, Vorgänge weniger erlebbar als vielmehr durchschaubar zu machen.

    DDR-Erstaufführung: 01.05.1990, Theater unterm Dach, Berlin / Gemeinschaftsproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin, Regie: Wera Herzberg

  • (Belo-) Russische Anthologie
    nach Interviews von Swetlana Alexijewitsch

    Erinnerung soll so konkret wie möglich in diesem Poem für das Radio erfasst werden. Den 13 Monologen bzw. Szenen liegen Tatsachenberichte zugrunde. Bruchstückhaft erinnern sich belorussische Bürger an ihre Kinderzeit im Krieg. Das authentische Material wird durch eine gebundene Rhythmisierung sprachlich überhöht. Die fragmentarisch erzählten Kinderschicksale lösen erdrückende Assoziationen zu gegenwärtigen Kriegshandlungen aus.

    Ursendung: DLR 1995, 49'34, Regie: Ulrich Gerhardt

  • Annas zweite Erschaffung der Welt oder Die 81 Minuten des Fräulein A.

    "Fräulein A ist einer von den grün-/blau-/rot-bekittelten Engeln, die frühmorgens kurz vor 8.00 Uhr mit der Kasse unterm Arm ... an die ihnen zugewiesenen Kassen treten ..." So beginnt ein Tag im Leben der Supermarktkassiererin. Die Szenerie im Pausenraum, die Schikanen der Kolleginnen, Kunden oder Betriebsleitung unterscheiden sich nur graduell. Oder ist doch bloß alles eine Frage der jeweiligen Optik? Gerät da nicht plötzlich eine Männerwelt in Verzückung? Ist man nicht eine von König Lears Töchtern? Werden nicht alle "Sprüche/Gleichnisse/Prophezeiungen" zunächst erst einmal wahr? Lothar Trolle arrangiert Bilder einer verlorenen Utopie und mischt sie mit Bildern derjenigen, die unseren Konsum hin und herschieben.

    Ursendung: SWF/DLR 1997, 54'28, Regie: Jörg Jannings

  • Das dreiviertel Jahr des David Rubinowicz
    oder Requiem auf einen Jungen, der nicht Fahrradfahren lernte

    Basierend auf dem Tagebuch des zwölfjährigen David Rubinowicz, der 1943 mit seiner Familie im Lager ums Leben kommt, hat Trolle einen literarisch hoch anspruchsvollen Text geschrieben, dessen Suggestivkraft den Zuschauer in das Geschehen hineinzieht. Ein Chor berichtet vom Leben des jüdischen Jungen in einem besetzten polnischen Dorf. Trolle überhöht den karg kindlichen Stil des Originals zu einer fast antiken Sprache, die dann wieder jüdisch-märchenhafte Züge annimmt und schließlich akribisch-brutal wird. Kurz vor seiner Ermordung beginnt David Fahrradfahren zu lernen. Mit der Beschwörung dieses doch nicht zu Ende gebrachten Vorhabens schließt der tragische, aber auch kindgerechte Text.

    Ursendung: DS Kultur 1991, 38'40, Regie: Karlheinz Liefers

  • Ein Vormittag in der Freiheit oder Sie gestatten, Lehmann, vorn mit L wie Lenin

    Wie bringt Lehmann diesen elend langen Vormittag rum? Im Gedankenlabyrinth des entlassenen ostdeutschen Betriebsdirektors taucht immer wieder die Frage auf, was er überhaupt zu bereuen hätte. Dass er stets mehr tat als seine Pflicht? Lehmanns Reflexionen darüber und seine Erinnerungen an den jahrzehntelangen, letztlich sinnlosen Kampf um die Staatsplanerfüllung, werden kontrastiert von minutiös geschilderten Alltagsverrichtungen zwischen Frühstück und Mittag unter den Zwängen der Einsamkeit. Mit Kurt Böwe.

    Ursendung: DS Kultur 1991, 48'37, Regie: Karlheinz Liefers

  • Ein Vormitttag in der Freiheit oder Sie gestatten, Lehmann vorn mit L wie Lenin

    Seit sechs Wochen hat Lehmann die Freiheit, sich jeden Tag ausschlafen zu können. Doch wie soll er die Zeit bis zum Mittag erbringen, außer zwischen Schrankwand, Tisch und Sesseln hin- und herzugehen? Lehmann, gestürzter Genosse und ehemaligee Kombinatsdirektor, spielt sich durch seine Erinnerungen, bis er sich vor den Türen seiner Nachbarn, die ihn nicht mehr kennen wollen, auf den Knien rutschen sieht, bis er wütend um Gnade winselt, bis er blökt, bis er miaut. Bitterböser und hinreissend komischer Monolog eines Wendeopfers. Mit dem unvergessenen Kurt Böwe.

    Ursendung: DS Kultur 1991, 48'37, Regie: Karlheinz Liefers

  • Einer sitzt auf dem Sofa und sucht seinen Traum (Die Stunde des Herrn)

    Einer, von dem man nur erfährt, daß er mehr als siebzig Jahre alt ist, versucht sich zu erinnern. Sein privater kleiner Lebenstraum zersplittert ihm dabei ebenso wie der Verlauf der Weltgeschichte, die er miterlebte und die ihn prägte. Die Kraft für Zukünftiges ist ihm zerstoben, die Vergangenheit verloren. "Selbst nach zwei Stunden Mittagsschlaf sitzt du auf deinem Sofa wie jetzt ich, bist halb angezogen und findest keinen Grund, dich endlich zu erheben." So fleht er um Beistand für einen alten Mann, "daß er aufhört zu kapitulieren, sich aufrafft und aufsteht."

    Ursendung: SDR 1989, 40'45, Regie: Otto Düben

  • Gott flaniert
    nach HERMES IN DER STADT und anderen Theatertexten

    Das Hörstück ist eine Collage von Szenen, die antike Mythen direkt mit der Gegenwart der Großstadt konfrontiert. Hermes ist Zeitgenosse, kultivierter Unhold, er schlachtet Frauen ab, bestiehlt arglose Reisende und berauscht sich an den Wundern der Metrik, am Blankvers und Hexameter, an Hölderlin, Kleist und Kloppstock. "Sprachkunst als Mordsspaß" oder umgekehrt. Zugleich ist sein Ganovengeplauder der zynische Kommentar zur Medienwirklichkeit heute. Unterhaltung im Trojanischen Pferd oder in der Wohnstube, beim Schachspiel oder beim Zappen durch die Fernsehkanäle ist Krieg – und KASSANDRA, der Phöbus Apoll in den Hals spuckte und ihr beim Küssen die Gabe aufhalste, Katastrophen auszuplaudern, würgt noch heute. Sie geht als Pennerin durch die Stadt, die von Mythen und selbsternannten Göttern bevölkert ist.

    Ursendung: DLF/DRS 1997, 35', Regie: Klaus Buhlert

  • Hans (im Glück)

    Hans ist der mit den Händen in den leeren Taschen und der Schiebermütze auf dem Kopf. Der, der aus dem Märchen kommt und einen Goldklumpen tauscht gegen immer kleiner werdende, störrische Tiere. Bis er auf den Wetzstein kommt und diesen im Brunnen versenkt. Trolle zelebriert mit Hingabe diese Transaktionen zwischen Hans und seinen Tauschpartnern. Das alte Zuhause aber erträgt einen solchen nicht. Und so stromert Hans durch die Stadt, fährt Bahn, taucht an Straßenrändern auf, bleibt vor Schaufensterauslagen stehen, beobachtet das Treiben der Leute, treibt selbst dahin, schnappt auf und lässt laufen. Momente des Innehaltens bilden kurze Berichte außergewöhnlicher Zeitgenossen, die ihr Glück fanden. Eine Turmspringerin mit Höhenangst, ein schizophrener Nobelpreisträger für Mathematik, ein Pianist, seit der Kristallnacht auf der weltumspannenden Konzertflucht. Authentische Berichte, die kurz aus dem Fluss der Menschen ragen. Hans, der nicht fassbare Flaneur, taucht wieder ein. Das Getriebe der Welt scheint neben ihm zu knirschen. Und manchmal geht er ins Kino und sitzt vor oder hinter einem. Ein Glücksucher ohne definiertes Ziel.
    Mit Martin Engler, Jasmin Tabatabai, Claudius von Stolzmann, Wanda Colombina, Abak Safaei-Rad, Friedhelm Ptok und Hermann Beyer. Komposition Ignaz Schick

    Ursendung: 19.11.2010, RBB Kulturradio, 54'28, Regie: Götz Naleppa

  • Die Insel
    nach Anton Tschechow

    1890 reiste Anton Tschechow per Bahn und Kutsche tausende Werst durch Russland, die Taiga und Sibirien hin zur Sträflingsinsel Sachalin. Er führte anschaulich Tagebuch, und es ist für den verwöhnten Zivilisten heute unvorstellbar, was der damals dreißig jährige Tschechow auf sich nahm, um dorthin zu kommen und monatelang genau Bestand aufzunehmen von den Bedingungen auf der Insel mit dem täuschend schönen Namen. Trolle hat das umfangreiche, poetisch wie statistisch gleichermaßen aufregende Material neu montiert. Aufzählungen über medizinisches Gerät, Anzahl und Zusammensetzung der Gefangenen, Lagerzustände, eheliche und uneheliche Sträflingskinder, Hygiene und Krankenstände wechseln mit kargen Dialogen zwischen dem reisenden/beobachtenden ICH und Kutschern, Wärtern, Bauern. Dazwischen die unglaublichen Landschaftsbeschreibungen. Waldbrände, die der Taiga nichts anhaben. Das Finale bildet die mit weicher, fast emotionsloser Stimme einer Schauspielerin beschriebene Auspeitschung eines Häftlings, die zum Lagerleben gehörte wie Handel und Prostitution und Liebe und ein Leben jenseits des Denkbaren.

    Ursendung: DLF 2003, ca. 50', Regie: Klaus Buhlert

  • Jozia, die Tochter der Delegierten
    oder Die Heilige Johanna in der Wohnküche
    nach Anna Seghers

    Ursendung: Funk/DDR 1986, 46'46, Regie: Karlheinz Liefers

  • Judith

    Ursendung: Deustchlandradio, Regie: Walter Adler

  • Sie zu dritt unter einem Apfelbaum

    Eine Schauspielerin spielt im Garten ihrer verstorbenen Mutter Theater: Sie leiht sich fremde Geschichten und Worte aus, ist mal Tolstoianerin, mal Gartenbauexpertin, deklamiert den alten Gleim und Ovid, erinnert sich minutiös an Kochrezepte und die Einsamkeit des Jesus von Nazareth, ist beim Unkrauthacken die Lady Macbeth und arbeitet sich durch zur "Ballade vom langen Weg des D.E.L.". Die Schauspielerin sucht nach einer Form, würdig Abschied zu nehmen, und sie spielt dabei um ihr Leben. Sie hat ihre Arbeit und ihr Theater verloren und mit dem Tod der Mutter auch ihr Zuhause. Wenn sie am Ende i h r e n Kirschgarten verläßt, ist ihr ein Abschied gelungen.

    Corinna Harfouch spielt diese Rolle und sie ist großartig.

    Ursendung: DLR Berlin /DRS 1994, 59'35, Regie: Ulrich Gerhardt

  • Stern über Marzahn

    Anna, alleine wohnhaft im 17. Stock eines Hochhauses in Marzahn, bemüht sich, ihren neuen Anrufbeantworter zu besprechen. Schwieriger als die technische Anforderung ist das Aufsprechen des Standardsatzes, den wohl kaum je einer abhören wird. Parallel, entlang der Leitplanken der Autobahnen, ziehen ein Esel, eine schwangere Frau (Maria) und ein Mann namens Josef Richtung Landsberger Chaussee. Anna, die unterdessen ihre Besprechungsversuche aufgegeben hat und sich nun alphabetisch durch das Berliner Telefonbuch arbeitet, erzählt den Anrufbeantwortern von Aaron, Abel oder Balthasar Geschichten um Jesu Geburt. Zur Geisterstunde klingelt es bei ihr. Sie erwartet niemanden und öffnet dennoch die Haustür. Maria findet Platz unter den Briefkästen, und während sie im Neonlicht der Platte ihr Kind gebiert, sammeln sich die Menschen der Stadt, magisch angezogen von einem leuchtenden Stern über Annas Haus. Sie drängen heran aus Straßenbahnen, aus Taxen, zu Fuß.
    Eine (Fast-) Erlöserparabel von märchenhaft schönem Ausmaß in der kalten, einsamen Getriebenheit der Großstadt.
    Es sprechen Corinna Harfouch und Bernhard Schütz.

    Ursendung: 28.12.2007, DLF / HR 2007, 49', Regie: Klaus Buhlert

  • Wstawate, Lizzy, Wstawate oder Manege frei für eine ältere Dame

    Lizzy, eine alte Operettensängerin und einzige Überlebende einer Frauenbaracke in Auschwitz, spielt Theater um ihr Leben. Sie erwägt einen Neuanfang im Zirkus. Doch jeder ihrer operettenhaften Auftritte führt sie zurück nach Auschwitz. Nach dem "Dummen August" und der "Irren von Chaillot" spielt Lizzy ihre letzte Rolle: die Studienrätin Litzmann an der Rampe in Auschwitz. Ihr Wohnzimmerfenster wird zur Waggontür: "Wstawate, Lizzy, spring, Lizzy, spring". Die Vergangenheit hat sie eingeholt. Mit der unvergleichlichen Gisela May.

    Ursendung: DS Kultur 1992, 49'58, Regie: Karlheinz Liefers

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