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Bild: Georg Seidel

Georg Seidel

Geboren 1945 in Dessau. Gelernter Werkzeugmacher. Bausoldat. Ab 1968 Bühnenarbeiter am Dessauer Theater. 1973 wechselt er als Beleuchter zur DEFA, zwei Jahre später zum Deutschen Theater in Berlin. Dort wird er 1984 dramaturgischer Mitarbeiter. Seit Ende 1987 freischaffender Autor. Georg Seidel erhält 1988 den Preis der Frankfurter Autorenstiftung, 1989 den Förderpreis der deutschen Schillerstiftung für neue Dramatik Weimar und 1990 den Literaturpreis im Bundesverband der Deutschen Industrie. Er stirbt 1990 in Berlin. Postum erhält Georg Seidel 1991 den Mülheimer Dramatikerpreis für Villa Jugend .

  • Carmen Kittel
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    Textbuch

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    6 D, 5 H

    Carmen wuchs in Kinder- und Jugendheimen auf. Mit achtzehn werden ihr Arbeit und Wohnung zugewiesen. Heimisch wird sie nicht und Geborgenheit findet sie bei keinem Mann. Als Carmen Fehlschichten begründen muß, behauptet sie, schwanger zu sein. Nach neun Monaten stiehlt sie ein Baby, um es als eigenes präsentieren zu können. Aber das Kind stirbt. In schlaglichtartigen Szenen und verknappten Dialogen erzählt das Stück nicht vordergründig die Geschichte einer tragischen kriminellen Entwicklung, sondern es analysiert kompromißlos soziale Verhältnisse.

    Uraufführung: 17.10.1987, Schwerin
    BRD-Erstaufführung: 14.01.1990, Düsseldorf

  • Friedensfeier
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    Textbuch

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    3 D, 10 H

    Das Nachlaß-Werk skizziert die letzten Lebensjahre von Anton Webern, seine Flucht vor deutschen Zuständen in Wien und dem Krieg. Er verläßt mit der Familie die österreichische Hauptstadt, weil dort kein Platz mehr ist für seine Musik. Arm und zurückgezogen lebt die Familie in den Alpen, bis der Krieg sie einholt und Webern bei Kriegsende durch einen Zufall erschossen wird. Der Schütze trifft später in der Trinkerheilanstalt auf Sarah, eine langjährige Freundin Weberns. Seidel hat die Zerstörung künstlerischen Lebens durch barbarisches Verhalten beschrieben, den Verlust von Ruhm ebenso wie den Verrat des Publikums am Künstler.

  • Jochen Schanotta
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    Textbuch

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    4 D, 9 H

    Jochen Schanotta, der hartnäckige und sehnsuchtsvolle Ausbrecher aus Schule und Elternhaus, ist ein „Fänger im Roggen“ der achtziger Jahre. Er ist skeptischer, aggressiver und gleichzeitig kraftloser als sein literarischer Vorläufer. Schanotta hat keinen Gegenentwurf und findet keine Orientierung. Er folgt einem ihm nicht formulierbaren, aber aus seinem Negativ-Verhalten ablesbaren Wunschbild nach einer freien Subjektivität. In diesem monologisch strukturierten, dichten Text wird jedes Sprechen dem Verstummen abgetrotzt.

  • Kondensmilchpanorama
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    Textbuch

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    2 D, 3 H, Episodenrollen

    Zwei Ehepaare unterschiedlicher Generationen. Das Leben wird bestimmt vom morgendlichen Weckerklingeln, vom Alltagsstreß, beruflicher und privater Überlastung. Die Beziehungen sind verkümmert und drohen ganz zu vertrocknen. Individuelle Lebensansprüche weichen plakativen Äußerlichkeiten. Georg Seidels dramatischer Erstling besticht noch heute durch soziale Genauigkeit, die mit einer sparsamen, epischen Dramaturgie tief in die späten siebziger Jahre im Osten führt. Seine Figuren versuchen, müde und pragmatisch die täglichen Belastungen zu reduzieren und geraten immer mehr ins maschinelle Existieren.

  • Königskinder
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    Lustspiel
    2 D, 8 H

    Alles im Stück hat zwei Seiten: Handlungsort ist die Grenzbrücke zwischen Königreichen, die durch eine Schlucht getrennt sind. Die Gegenwart ist ein Märchen. Erzählt wird die alte Geschichte von den Königskindern, die nicht zueinander kommen können, weil das Einfache so durchtrieben kompliziert ist. Seidels Sprache ist grenzgängerisch. Mal illusionslos-prosaisch, mal von heiterem, schwebend-ironischem Ton. Das Stück steht in der Tradition des philosophischen Märchens und ist für Kinder und Erwachsene geeignet.

    Uraufführung: 17.06.1988, Schwedt

  • Villa Jugend
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    Textbuch

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    3 D, 9 H, 1 K, kleine Rollen

    Eine deutsche Familiengeschichte in den 60er/70er Jahren: Das lange Jahre in einem Kurort lebenede Lehrerehepaar Neitzel beschließt, in die Stadt zu ziehen, will damit das Gerede über den Selbstmordversuch des Mannes, Schwierigkeiten in der Schule und die unglückliche Liebe der Frau zu einem Kollegen hinter sich lassen. Das große Abschiedsfest mit Kindern, Freunden und Kollegen offenbart die Brüchigkeit, Banalität und Unaufrichtigkeit der gelebten Kleinstadtidylle. Doch dem Ehepaar gelingt der mit so vielen Hoffnungen besetzte Neuanfang nicht. Der Versuch einer familiären „Umgestaltung" kommt zu spät, ist nicht konsequent genug und endet tragisch. Ein Textfragment, in dem das Bild eines morbiden Zonenrandgebietes gezeichnet wird, in dem man sich, angesichts des kulturlosen Alltags, desto mehr auf Ideologie stützt.

    Uraufführung: 19.01.1991, Berliner Ensemble, Regie: Fritz Marquardt

  • Carmen Kittel

    Carmen bezieht ihre erste eigene Wohnung, nachdem sie viele Jahre in einem Heim gelebt hat. Sie wird schwanger. Ihr Freund will kein Kind. Ihre Kolleginnen sind begeistert und kümmern sich rührend um die werdende Mutter. Der Gemeinschaft des Heimes beraubt, will Carmen weder die Frauen enttäuschen, noch ihren Freund verlieren. So gerät sie nach und nach in einen unlösbaren Konflikt ... Mit Katarina Tomaschewsky, Astrid Meyerfeldt, Jutta Wachowiak, Horst Lebinsky, Ruth Glöss, Heide Kipp, Georgia Kuhlmann, Gisela Morgen, Veit Schubert, Martin Seifert.

    Ursendung: DRA 1990, 54'05, Regie: Fritz Göhler

  • Leiden Christi in Preußen

    Ursendung: DRA 1987, 50'45, Regie: Fritz Göhler

  • Villa Jugend

    Ein Lehrerehepaar in der einstigen DDR versucht auszubrechen aus festgefügten Bahnen. Das gelingt am Ende nicht. Eigene Inkonsequenz und gesellschaftliche Borniertheit stehen dem entgegen. Eine Familientragödie wird miterlebbar, damit zugleich die scharfsichtige Analyse eines morbiden Gesellschaftssystems, dessen Zusammenbruch sich ankündigt. Der Autor erhielt postum für sein gleichnamiges Theaerstück den Dramatikerpreis der Stadt Mühlheim 1992.

    Ursendung: DS Kultur 1991, 54'30, Regie: Karlheinz Liefers

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