Christoph Hein wird 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Er wächst in Bad Düben bei Leipzig auf und zieht 1958 nach Westberlin, wo er ein humanistisches Gymnasium besucht, bis er nach dem Mauerbau 1961 wieder in die DDR geht. Er arbeitet in den nächsten Jahren u.a. als Montagearbeiter, Buchhändler und Regieassistent bei Benno Besson an der Berliner Volksbühne. 1964 holt er sein Abitur nach und studiert von 1967 bis 1971 Philosophie und Logik in Leipzig und Berlin. Danach ist er erst als Dramaturg, dann ab 1973 als Autor an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz engagiert. Seit 1979 erarbeitet Christoph Hein freischaffend Stücke, Übersetzungen, Bearbeitungen, Novellen und Erzählungen. 1992 wird Christoph Hein Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Von 1998 bis 2000 ist er Präsident des PEN-Zentrums Deutschland. Für seine schriftstellerische Arbeit und sein Engagement erhielt Christoph Hein zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz.
Geheimrat Theodor Bruch im Ruhestand? Der Chirurg, der Könige und Präsidenten operiert hat und unterdessen an der Universitätsklinik nicht mehr gebraucht wird, sieht sich als Opfer allgemeiner Verwirrung der Nachkriegszeit. Als der Minister für Volksbildung und Gesundheit brieflich die Pensionierung mitteilt, will der alt gewordene und kranke Bruch mit der Eröffnung einer eigenen Klinik antworten. Ein Geschäftsmann soll Lizenz, Immobilie und vor allem Geld heranschaffen. Ein halbzerstörtes Palais wird als künftiges Klinik-Gelände offeriert. Die ahnungslose Besitzerin, eine alte Freundin des Geheimrats, würde sogar ihr Einverständnis geben. Aber das Fiasko ist programmiert. Der Chirurg („senil und dement“, wie das seine Haushälterin ausdrückt) hält sich an die letzte Person, die ihm vertraut, eine Krebspatientin, und riskiert ihr Leben. Christoph Hein hat sich für das neue Stück von deutschen Medizinerbiografien anregen lassen, sein Titelheld Bruch ist jedoch eine fiktive Person, die auf sehr anschauliche Weise Gelegenheit gibt, über das objektive Aufhören-Müssen und das subjektive Nicht-Aufhören-Können einzelner im Strudel geschichtlicher Abläufe nachzudenken.
Uraufführung:
27.02.1999, Düsseldorfer Schauspielhaus, Regie: Anna Badora
Momentaufnahmen deutscher Wirklichkeit aus einem mecklenburgischen Dorf in den 90er Jahren, als das Vergnügungsgewerbe das flache Land eroberte. In einem mecklenburgischen Dorf hat der Zimmermann Horst den Maler Heinz nach einem kleinen Richtfestbesäufnis schon morgens in eine Bar abgeschleppt, wo halbnackte “Meechens” 24 Stunden mit dem Hintern wackeln sollen. Doch die betagte Barfrau ist beim Saubermachen, die “Exotin” Yvonne stammt aus Zarrentin und kennt den Maler aus der Berufsschule. Heinz hat es ja schon vorher gewußt: fremde Weiber kosten nur, und vermutlich werden ihn noch die Schwiegereltern erwischen, wenn man den “Himmel auf Erden” ernüchtert wieder verläßt.
Uraufführung:
09.10.1999, Schauspiel Chemnitz, Regie: Tatjana Rose
In einer neuen Zeit tagt im Zitadellen-Gefängnis das Schattenkabinett der zusammengeschrumpften Artusrunde und trifft Vorbereitungen für den nah geglaubten Regierungswechsel. Man übt sich in demokratischen Tugenden. So erhält etwa der Beschluß einer sitzungseröffnenden Schweigeminute problemlos die nötige Zweidrittelmehrheit der Ministerkandidaten Keie, Orilus und Lancelot. Die weitere Tagesordnung birgt Probleme: Die Außenpolitik ist streng betrachtet nicht mehr vorhanden, und die unbedingt anzustrebenden Grundversorgung der Recken mit Sekretärinnen, Dienstwagen, Diäten etc. verwehrt die dicke Gefängnismauer. Das Elend des Volkes jedenfalls, darin besteht Einigkeit, gehört künftig verboten, wenn schon die Presse nicht zu kontrollieren ist. Der alte Artus, als "Hauptverantwortlicher" der politischen Wende gehaßt und isoliert, nähert sich Parzival wieder an, der es im Prozeß verstanden hatte, seinen Anteil am alten Unrecht mit Unwissenheit zu bemänteln, und der sich nun den Blümchen im Gefängnishof widmet, bis seine Fähigkeiten im neuen System wieder nützlich werden. Täglich sieht Krankenschwester Uta vorbei, und sie hat immer ein offenes Ohr am Stethoskop. Ihr Sohn arbeitet im Untergrund bei den "Jungen Rittern" an einer Befreiungsaktion. Aber die Ereignisse nehmen einen gänzlich unerwarteten Verlauf ... Mit den Erfahrungen gesamtdeutscher Geschichte wirft Christoph Hein in seinem Einakter einen satirisch-spöttischen Blick auf eine wohlbekannte Elefantenrunde.
Uraufführung:
29.04.1999, Deutsches Nationaltheater Weimar
1946 kommt der noch minderjährige Neffe Jörg zu seinem Onkel Emil Jannings nach Strobl am Wolfgangsee und stellt ihm einige unbequeme Fragen. Warum ist er, der in Hollywood zu Stummfilmzeiten Triumphe feierte, nicht in der Nazizeit emigriert? Wenn er fälschlich als Mitläufer verunglimpft wurde, warum hat er nicht längst seine Unschuld bewiesen? Jannings spricht sich nicht von jeglicher Schuld frei: Er hat durchaus gewusst, was in Deutschland passierte. Einmal ins Reden über das "geborene Schauspieler-Sein" gekommen, wo alles Leben nur Schauspiel ist, steigert er sich zu einem Plädoyer für die politische Charakterlosigkeit des Schauspielers - und ahnt dabei doch etwas von dem Verhängnis, das ihn und seinesgleichen ins gesellschaftliche Abseits geführt hat.
Ganz anders Tilla Durieux. Auch sie feierte große Bühnenerfolge, die Klatschpresse schrieb sich die Finger wund über ihre Liebesgeschichte mit dem berühmten Kunstmäzen und Verleger Paul Cassirer und deren dramatisches Ende - am Tag der Scheidung, kurz bevor beim Anwalt die letzte Unterschrift zu leisten war, erschoss sich Paul Cassirer vor der Kanzlei. Dieser schockierende Moment überschattete Tillas weiteres Leben - die Liebe zu ihrem zweiten Mann Ludwig, dessen Ermordung im Konzentrationslager, die eigene Flucht vor den Nazis, das beschwerliche Leben im kroatischen Exil, die späte Rückkehr nach Deutschland. Trotz erneuten Ruhms als Film- und Theaterschauspielerin in den sechziger Jahren quält sie am Ende ihres Lebens vor allem eine Frage - warum ist sie zurückgekommen nach Deutschland.
Ein Abend über zwei große Schauspieler, deren Leben durch das Dritte Reich konträre Wendungen nahm, die bei aller Unterschiedlichkeit aber dennoch etwas eint - die grenzenlose Liebe zur Kunst.
Uraufführung:
frei
Ein unrasierter alter Mann, an einem Manuskript arbeitend, frühstückend, rauchend und Manuskriptblätter zerreißend. Mit ihm im Zimmer ist eine elegante Vierzigerin, die behutsam herumläuft, als ob sie hier zu Hause wäre, ohne daß der Alte sie wahrnimmt. Jemand ruft an und beschimpft den jüdischen Autor, der aus England nach Deutschland zurückgekehrt ist, obwohl seine Eltern in Auschwitz ermordet wurden. Mit der Post kommt ein widerwärtiger Schmähbrief, noch dazu mit einer Absenderangabe. Der Autor zerreißt den Brief und arbeitet weiter. Die Frau in seinem Zimmer, die ihm mütterliche Vorhaltungen zum Rauchen und anderen Fragwürdigkeiten seines Lebensstils macht, die ihm familiäre Versäumnisse ankreidet und sein Manuskript kritisch begutachtet - sie empfiehlt für alle Fälle gepackte Koffer, einen gültigen Reisepaß und rät ab von der Erdgeschoßwohnung, wo Steine durchs Fenster fliegen können. Der Autor entschließt sich, in ein höheres Stockwerk umzuziehen. Christoph Heins unaufgeregter Einakter ist eine Liebeserklärung für George Tabori, der in der Uraufführung spielen wird. Er ist darüber hinaus eine Liebeserklärung an alle Überlebenden des Terrors und eine Verneigung vor den Opfern.
Uraufführung:
16.10.2000, Berliner Ensemble, Berlin, Regie: Claus Peymann
Uraufführung:
28.05.1982, Staatstheater Schwerin
Anna Andress, die 36jährige Malerin, lebt nach der Trennung von ihrem Mann (einem Alkoholiker, der sich als DDR- Opfer empfindet) allein in einem abgelegenen Haus in der naturbelassenen Randow-Niederung an der Grenze zu Polen. Sie beobachtet mit wachsender Nervosität, wie sich in der Nachwende-Wirklichkeit vieles um sie herum verändert, wie auf illegale Einwanderer aus Osteuropa Jagd gemacht wird. Daß Anna schließlich ihr Haus aufgibt, hängt mit dubiosen Immobilien-Geschäften eines Kölner Anwalts zusammen, signalisiert aber auch Befindlichkeiten im einst verbarrikadierten und jetzt neu vermessenen Landschaftsschutzgebiet Ost. Eine Komödie? Ein Stück Leben aus einer Zeit, die auf Disponibilität und Anpassung drängt, auf den Wechsel von Identität.
Uraufführung:
12.04.1989, Dresden
BRD-Erstaufführung:
01.03.1990, Kassel
Schweizer Erstaufführung:
22.04.1992, M.A.R.I.A., freies Th., Aarau
Österreichische Erstauff:
22.04.1994, Theater m.b.H., Wien
Jakob Borg hat eine Wunderwelt um sich aufgebaut, die von sonderbaren Wesen bewohnt wird. Von Schnauz, dem sprechenden Esel und von Panadel, dem Clochard, der die tollsten Schnurren erzählt. Vom Falschen Prinzen, der zum Verlieben schön ist und von Katinka, dem feinen Mädchen, das die Bande zusammenhält. Dieses eigensinnige, dickköpfige, bunte Völkchen wartet jeden Tag auf Jakob, wenn er frustriert aus der Schule kommt. Mit ihnen kann er Schätze suchen, ein Wildpferd fangen oder im Gruselzelt übernachten. Hier lacht niemand über ihn, wenn er den Kopfstand nicht kann oder wenn einfach mal ein Erdbeben seine selbst gezeichnete Landkarte unbrauchbar gemacht hat. In der Bühnenfassung, die nach Christoph Heins Kinderbuch entstand, gibt es niemanden, der Jakobs Geschichten so sehr braucht wie sein Opa. Schließlich ist er selbst ein unglaublicher Geschichtenerfinder. Wer weiß, ob er noch leben würde, wenn Jakob nicht täglich mit neusten Erlebnissen zu ihm ins Krankenhaus käme. Opa und Enkel tauchen ein in die wunderbare Welt, die so weit weg ist von unsinniger Schule, Einsamkeit und Krankheit. Und die auf geheimnisvolle Weise doch von Geschichte zu Geschichte mehr mit Jakobs täglichem Leben zu tun hat.
Uraufführung:
19.03.2005, carrousel Theater an der Parkaue, Berlin, Regie: Eberhard Köhler
An einem Mai-Nachmittag sitzen Lotte und Luise, zwei alte Damen, nach der Beerdigung von Lottes Mann in einem Café. Was draußen inzwischen passiert, wo sich Studenten in stillem Protest hingesetzt haben und singen, um die angekündigte Sprengung der Universitätskirche zu verhindern, interessiert die beiden nur beiläufig. Denn auch nach mehreren Anläufen und vielen Pfefferminzlikörchen hat Lotte immer noch nicht herausbekommen, in welchen zweifelhaften Beziehungen ihr verstorbener Willi zur besten Freundin Luise stand. Die Aufmerksamkeit der wenigen anderen Gäste gilt freilich dem Geschehen hinter der Fensterscheibe. Als es zur Eskalation auf dem abgesperrten Platz kommt, sieht man drinnen zu, wie draußen auf die Menge eingeprügelt wird. Dabei tut sich der Typ mit Anorak und Stoffbeutel hervor, den die alten Damen im Café längst als „Geheimen" ausgemacht haben. - Momentaufnahmen deutscher Realität aus dem Leipzig von 1968.
Ein aufsässiger junger Mann besucht den hochverehrten Schriftsteller Schubart, der zehn Jahre auf der Festung Hohenasperg eingesperrt war. Es ist Jakob Michael Reinhold Lenz, Autor des berühmten "Hofmeister". Er sucht nach einem neuen Stoff, der zu einem Weltenschauspiel taugt und nicht nur zur Farce über das Zwergenland der Deutschen. Schubart erzählt ihm schließlich ein "Geschichtgen", das Lenz zu einer seltsamen "Geschichte des menschlichen Herzens" inspiriert - über einen Baron mit einem Serail von Tänzerinnen, vor allem aber über den ungeratenen Sohn Carl, der sich wegen einer unerwiderten Liebe als Soldat anwerben läßt, eine fürchterliche Schlacht überlebt, aber vom intriganten Bruder Wilhelm, dem greinenden Vater gegenüber, für tot erklärt wird. Schubart soll das "Geschichtgen" für Lenz bis zur Vollendung seines Dramas unter Verschluß halten - doch es ist schon Jahre früher in einem Magazin veröffentlicht worden. Das ist Christoph Heins sarkastischer Schlusspunkt einer doppelbödigen fiktiven Dichterstory, die zwei vom Leben gebeutelte literarische Genies zusammenführt und - aus der Zeit gefallen - über ein "Geschichtgen" fabulieren läßt, das auch ein anderer, erfolgreicherer Zeitgenosse als "Räuber" in Mannheim auf das Theater gebracht hat.
Uraufführung:
02.02.2002, Stadttheater Bern, Regie: Eberhard Köhler
Er hat Könige und Präsidenten operiert, dieser Geheimrat Theodor Bruch. Sein Name ist Legende, aber man hat ihn in Nachkriegszeiten in Pension geschickt. Ein Opfer politischer Willkür, ein Racheakt neidischer Kollegen? Der altgewordene Chirurg verschließt sich in seiner Villa am See den Realitäten. Alltagssorgen überläßt er der Haushälterin und Dr. Sperling, seinem einstigen Assistenten. Bruch hängt Träumen von einer Privatklinik nach und fällt auf den zwielichtigen Kliniklizenz- Besitzer Manitlowski herein, der mit Bruchs Namen (und Sperlings Erspartem) Geschäfte machen will und dem Geheimrat ein halbzerstörtes Palais als Klinik- Gelände offeriert. Der Chirurg ("senil und dement", wie das die Haushälterin ausdrückt) fühlt sich ein letztes Mal gefordert, als sich eine seiner früheren Patientinnen an ihn wendet. Die schwerkranke junge Frau kann den Alten zu einer Notoperation im Badezimmer des Hauses überreden, die sie selbst nicht überlebt. Bruch ahnt die Konsequenzen, die der "Exitus" hervorrufen wird, und entzieht sich der nahenden Untersuchung durch Abtauchen in die Vergangenheit
Ursendung:
MDR 1999, 63'11, Regie: Jörg Jannigs
Ein Etablissement irgendwo in Norddeutschland, in welches der Zimmermann Horst den Maler Heinz nach dem morgendlichen Richtfestbesäufnis abgeschleppt hat, und in dem "Exotinnen" 24 Stunden mit dem Hintern wackeln sollen. Doch die schuljungenhafte Erregung der beiden trifft nur auf eine leere Bar mit hochgestellten Stühlen, einen Staubsauger und Elsa - die 60jährige Bardame und Reinemachefrau. Heinz mag eigentlich lieber nach Hause gehen, zu Marlies und den Jungen und einem Pornovideo, weil das nun mal sicherer ist, als hier von den Schwiegereltern oder jemandem aus dem Dorf gesichtet zu werden. Preiswerter ist es ohnehin; denn gewackelt wird hier nur, wenn der Gast konsumiert - und bei einer Flasche Mineralwasser zu DM 24,80 hört bei Heinz alles auf. Sein Kumpel Horst läßt sich von all dem nicht beirren - auch wenn die "Exotin" Yvonne heißt und aus einem benachbarten Dorf kommt. Irgendwann sitzen sie mit Yvonne brav am Tisch und teilen sich eine Flasche Wasser. Das Gespräch wird immer sprachloser. Die Platitüden der Bauarbeitersprache funktionieren hier nicht, und Yvonnes Eloquenz läßt ebenfalls zu wünschen übrig.
Ursendung:
MDR 1999, 38'51 min, Regie: Karlheinz Liefers
Teil 1: Obwohl ihnen das Kampieren in der kleinen Kurstadt wiederholt verboten wurde, kamen die Zigeuner wie jedes Jahr im Mai nach Bad Guldenberg. Am Ende des Sommers fanden Schuljungen den toten Museumsleiter Horn im Wald. In der Erinnerung der Guldenberger sind diese beiden Ereignisse unauflösbar miteinander verknüpft. Horn, der nach einem politischen Verfahren in die Provinzstadt versetzt worden war, hat dort immer als Fremder gelebt. Was also können die Leute im Ort jetzt über ihn erzählen? Thomas etwa, der Sohn des Apothekers, oder der Maler Gohl, Freund des Zigeunerhäuptlings - Menschen einer DDR-Kleinstadt erinnern sich an den Sommer 1957 ... - Teil 2: Der Arzt Dr. Spodeck schreibt die Chronik seiner Stadt: "Die Braunhemden, die hier umjubelt wurden, kamen nicht von irgendwo. Sie sind aus unseren Wohnungen hervorgekrochen, unter unserer Haut." Auch nach Kriegsende hat sich das Verhalten der Guldenberger wenig geändert: Opportunismus und Denunziantentum sind die vorherrschenden Tugenden. Bürgermeister Kruschkatz und Horn sind schon vor Jahren aneinandergeraten: nun kreuzen sich erneut ihre Wege. - Teil 3: Die selbstgerechten Kleinstädter haben ein neues Opfer gefunden: War es während der NS-Zeit die Mutter der schwachsinnigen Marlene, so ist es nun der Historiker Horn. Daß er den Guldenbergern Diskussionen zu einer "überwundenen Epoche aufnötigen will", wird ihm zum Verhängnis. Dr. Spodeck gibt Horn einen Rat: "Mißtrauen sie ihrer Erinnerung. Es ist vernünftiger, die Bilder der Erinnerung zu bezweifeln und nicht das Leben."
Ursendung:
SDR 1987, s. Kommentar, Regie: Horst H. Vollmer
Jacob Borgs Freunde sind lustig, aber auch ein bißchen verrückt. So werden bei ihnen die unglaublichsten Geschichten wahr: Falscher Prinz, der beim Klavierspielen so gerne träumt, kann plötzlich fliegen. Kleine Adlerfeder wird über Nacht zum großen Entdecker, obwohl er auf einem Kontinent lebt, auf dem es nichts mehr zu entdecken gibt. Und Falscher Prinz fängt für Katinka ein Wildpferd ein, weil sie sich so sehr danach sehnt. Sie weiß zwar, daß im Kinderzimmer wenig Platz ist für ein Pferd, aber ihr Wunsch ist stärker. Und sie ist glücklich mit ihrem Wildpferd, obwohl sich später herausstellt, daß es eher Milch schleckt und miaut, statt Heu zu fressen und zu wiehern. Aber Wunder, an die man ganz fest glaubt, die müssen einfach wahr werden.
Ursendung:
DRA 1981/82, 44'30, Regie: Flora Hoffmann
Kleine Adlerfeder hat am Blabberfluß eine Höhle entdeckt. Nun sitzt er auf einem Baumstumpf und beobachtet den Eingang. Er weiß nicht, ob es eine friedliche oder eine gefährliche Höhle ist. Vielleicht wohnt da ein Bär? Jakob ist auch unsicher. Für eine Entdeckung braucht man viel Mut! Sie holen sich den Clochard als Verstärkung. "Das kann nur eine Seeräuberhöhle sein", behauptet der Clochard, "sicher sind hier Diamanten, silberne Uhren und Süßigkeiten versteckt." Auch die vielen Fußspuren vor der Höhle machen dem Clochard Angst. "Wie müssen die Höhle stürmen! Hoffentlich kommen wir nicht zu spät, und die Seeräuber sind schon mit allen Schätzen geflohen." Das wäre wirklich dumm.
Ursendung:
DRA 1981/82, 44'25, Regie: Flora Hoffmann
Fünfmal Ärger an einem Tag, das ist zuviel für Jacob! Erst im Unterricht, danach in der Hofpause, und auch zu Hause sagt Papa gleich, Jakob soll bloß ruhig sein und ihn ja nicht stören. Nur gut, daß in seinem Zimmer, unter dem roten Sofa, gute Freunde auf ihn warten: Schnauz, der Esel, Kleine Adlerfeder, Katinka im roten Tüllkleid, der Clochard mit den zweierlei Schuhen und Falscher Prinz. Sie alle sind sehr ungeduldig, wollen sie doch endlich mit Jacob im Stadtpark einen Schatz suchen. Die Schatzkarte ist schon fertig, es kann losgehen. Nun verspricht der Tag doch noch spannend zu werden.
Ursendung:
DRA 1981/82, 44'53, Regie: Flora Hoffmann
Das Schuljahr ist zu Ende, Jakob Borg und seine Freunde gehen zum Abschlußfest. Es ist ein herrlicher Sommerabend mit Lampions, Grillwürstchen und Tanz. Nur Jakob ist ganz mürrisch und rennt schließlich davon. Katja mit dem roten Kleid ist daran schud. Sie hat sich in Jakob verliebt, ihm gefällt sie auch, aber er hat Angst, daß die anderen über ihn lachen. Morgen, das nimmt sich Jakob fest vor, morgen wird er mutiger sein. So mutig wie Kleine Adlerfeder, der mit fünf Ballons, Hosenträgern, Kochgeschirr und einem Regenschirm in 24 Stunden um die Erde fliegen will.
Ursendung:
DRA 1981/82, 43'10, Regie: Flora Hoffmann
Katinka erlebt ein ganz unglaubliches Wunder! Sie schreibt jeden Abend in ihr Tagebuch Briefe an eine Freundin namens Julia, die sie sich ausgedacht hat. Julia kann sie ihr Herz ausschütten, ihr kann sie erzählen von all den dummen Streichen der Jungs. Und das Tolste ist: Julia versteht Katinka ganz genau. So wird sie bald ihre allerbeste Freundin. Das größte Wunder allerdings widerfährt Schnauz, dem Esel: Er wird Professor mit Lehrstuhl an der Universität Paris.
Ursendung:
DRA 1981/82, 44'30, Regie: Flora Hoffmann
1946 kommt der noch minderjährige Neffe Jörg zum Onkel Emil nach Strobl am Wolfgangsee, um ihn damit zu beglücken, daß er auch Schauspieler werden würde. Eine ergiebige Ausgangssituation, um den vergnatzten Mimen zum Reden zu bekommen, der jetzt, nach Kriegsende, als Nutznießer des Naziregimes "schlecht gemacht" wird und keine angemessenen neuen Theater- oder Filmrollen angeboten bekommt. Neffe Jörg stellt Jannings einige der Fragen, die die Nachkriegs-Kulturwelt bewegten. Warum vor allem ist er, der in Hollywood zu Stummfilmzeiten Triumphe feierte, nicht auch emigriert? Wenn er nur in deutscher Sprache als Schauspieler zu wirken können glaubte und fälschlich als Mitläufer verunglimpft wurde, warum hat er nicht längst offensiv seine Unschuld bewiesen? Heins Jannings-Figur läßt sich nicht auf vermutete politische Naivität festlegen, er spricht sich auch nicht von Schuld frei: Er hat schon alles gewußt, was rings um ihn in Deutschland passierte. Aber er hat die Kenntnisse für seine Schauspielkunst genutzt. Einmal ins Reden über das "geborene Schauspieler-Sein" gekommen, wo alles Leben nur Schauspiel ist, steigert sich der einstige Saft- und Kraft-Klotz, der längst krank und hinfällig geworden ist, zu einem Plädoyer für die politische Charakterlosigkeit des Schauspielers - und ahnt dabei doch etwas von dem Verhängnis, das ihn und seinesgleichen ins gesellschaftliche Abseits geführt hat. Mit Rolf Hoppe, Dagmar Manzel und Robert Gwisdek
Ursendung:
DLRB 2004, 49'00, Regie: Jörg Jannigs
Ursendung:
DRA 1989, 34'24, Regie: Fritz Göhler
Das Stück erzählt legendenhaft die Geschichte einer Familie, die in der Zeit vor 1945 eine furchtbare Tragödie erlebte. Anstelle der geistig behinderten Tochter Marlene ging die Mutter den Weg in den "weißen Tod" der faschistischen Euthanasie. Die Tochter überlebte in der mitteldeutschen Kleinstadt, doch all die furchtbaren Ereignisse in ihrer Kindheit sind unvergessen. Marlenes Selbstgespräch ist zugleich ein Versuch, die sie bedrängende Gegenwart zu bewältigen.
Ursendung:
Funkhaus Berlin 1990, 40'50 min, Regie: Angelica Perl
Ursendung:
MDR 2000, Regie: Jörg Jannigs
Ursendung:
DRA 1988, 58'41 min, Regie: Achim Scholz
Anna Andress hat ein Haus in der Randow ausgebaut und will dort malen. Doch das Haus zieht auf ganz eigene Weise Menschen an: ihren Mann, der trinkt, wie er mit seinem Leben nicht klarkommt, die gemeinsame Tochter, die in Berlin lebt, den Jäger aus dem Westen, der sich nicht ohne Eigennutz um das Naturschutzgebiet bemüht, den Bürgermeister, der weiß, daß man in dieser Funktion immer in der richtigen Partei sein muss, den Westmanager sowie seinen Ostgehilfen und in der Ferne schon mal die Fremden, die nachts über die Grenze wollen. Die Randow ist eine deutsche Landschaft. "Randow" ist eine Komödie.
Ursendung:
DLRB 1995, 77'22 min, Regie: Jörg Jannigs
Gekürzte Hochbuchfassung des Romans, gelesen von Ulrich Mühe
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346 Min
Bernd Willenbrock, früher Ingenieur in einem DDR-Betrieb, führt jetzt einen Gebrauchtwagenhandel in Berlin. Ein Mann im besten Alter, der mit den Verhältnissen zurechtkommt. Auch im Privaten scheint alles zu stimmen. Die Ehe mit Susanne funktioniert trotz gelegentlicher Seitensprünge, gemeinsame Wochenendfahrten ins Landhaus unterbrechen den Alltag. Daß der abgezäunte Platz mit den Gebrauchtwagen Ziel eines nächtlichen Einbruchs wird, überrascht Willenbrock kaum. Er engagiert einen Wachschutz. Als er und Susanne jedoch in ihrem Landhaus brutal überfallen werden und die Täter zwar gefaßt, aber wieder laufen gelassen werden, droht der Verlust der Sicherheiten. Da bietet Krylow, ein guter russischer Kunde, Willenbrock einen Revolver an. Ein Zeitzünder, der irgendwann losgehen muß. Das Hörspiel in zwei Teilen (in der Bearbeitung von Leonhard Koppelmann) entstand nach Christoph Heins gleichnamigen Roman. Als Willenbrock hören Sie Ulrich Pleitgen.
Ursendung:
NDR 2002, 83'00, Regie: Leonard Koppelmann
Leipzig, Ende Mai 1968: Die alte Universitätskirche bekommt in ihren letzten Stunden viel Besuch. Junge Leute protestieren gegen die von "oben" geplante Sprengung. Die wenigen Gäste im Café hinter der polizeilichen Absperrung beobachten das Geschehen. Doch eigentlich interessieren sie sich fürs Private: Lotte und Luise kommen gerade von einer Beerdigung und hängen ihren Erinnerungen an Willi nach, der Rentner Muschkowski hadert mit seinen Patiencen. Nur der wachsame Genosse Berger wird zunehmend unruhig und wartet auf die entscheidende Provokation vor der Kirche, damit er endlich eingreifen kann. Als es zur Eskalation auf dem Platz kommt, schauen die Zaungäste dem brutalen Treiben interessiert zu. Bei noch einem Kaffee und noch einem Likörchen. Nichts geht doch über die sächsische Gemütlichkeit.
Ursendung:
MDR 1999, 45'21 min, Regie: Walter Niklaus