Christian Martin wird am 3.2.1950 in Ellefeld/Vogtland geboren, macht 1968 Abitur, studiert Germanistik und Geschichte in Leipzig, ist bis 1979 Lehrer und Sänger in einer Rockband. 1981-84 Fernstudium am Literaturinstitut "J. R. Becher", seit 1986 freischaffender Dramatiker, Hörspielautor und Märchendichter.
Seine Märchenadaptionen kommen scheinbar leicht daher. Verspielt und trotzdem genau bis in jede gesetzte Pause. Märchen bedeuten für ihn Vermittlung von Erfahrungen, die über Jahrhunderte existieren und durch seine Kunst der poetischen Verdichtung für Kinder neu erleb- und erahnbar werden. Zu seinem 60. Geburtstag brachte der Verlag zwei von der Sächsischen Kulturstiftung geförderte Bände in der "henschel Schauspiel edition" heraus,. Ein Band enthält fünf seiner schönsten Märchendramatisierung, der andere Band präsentiert vier seiner wichtigsten philosophisch volkstümlichen Gegenwartsstücke, sowie das zeitübergreifende Traumspiel "Moritz oder Das öde Land". Christian Martin lebt in Ellefeld im Vogtland, einer Landschaft, deren Mentalität und sprachliche Besonderheit in sein Werk einfließen.
Dalli, diese rührend debile Mondfigur, gab es schon in Christian Martins Stücken "Formel Einzz" (UA 1999) und in "Schneemond"(UA 2006). Ein altersloser Kindmann, der das Treiben in der Dorfgemeinde Hundsgrün beobachtet und der überall mitmachen möchte beim Überlebensspiel der Einwohner. Es ist aufregend in diesem Jahr, denn die Gemeinde wird 700 Jahre alt. Der Männerchor übt im alten Tanzsaal der Dorfkneipe "Zum Grenzquell" und ein fremder Wanderzirkus schlägt seine Zelte auf der Wiese auf. Der Bürgermeister treibt es mit der Zirkusdirektorin und manche zerfetzen die Plakate und wollen die ausländischen Artisten vertreiben. Dalli hingegen darf in der Manege sogar den Clown geben und viel zu spät wird er sich in einen Zirkuswagen flüchten, aus dem er lebend nicht mehr rauskommt.
Angst geht um und ein Funke genügt, um das lauernde Potential in dem beschaulichen Ort zu entfachen. Die Fassaden der Häuser sind saniert, die Seelen ihrer Bewohner nicht.
Die "Trilogie der verlorenen Sehnsucht", die das Schicksal der Gemeinde über eine Generation verfolgt, ist auch als großer Theaterabend zu entdecken.
Der Vater ist ein König und begehrt die Tochter zur Frau. Er überhört die Frevelrufe seiner Räte und erfüllt ihr alle Wünsche. Zaubert Kleider so leuchtend wie Mond, Sonne und die Sterne. Er schafft einen Mantel herbei, der aus tausenderlei Pelztieren zusammengesetzt ist. Er freut sich auf seine schöne Braut. Aber die nimmt Pelzwerk und Kleider und stiehlt sich davon. In den Wald, wo sie lebt wie ein Tier und endlich bei einer Jagd aufgestöbert wird. Ein Rauhtierchen, das Hilfsdienste in einer Schloßküche leisten darf. Kann auch mal ein Süppchen kochen und sonderbare, verwirrende Spuren im Haus hinterlassen. Denn abends auf dem Ball zieht sie die prächtigen Sachen an, wäscht sich das Gesicht und die Finger weiß, verzaubert den König und verschwindet wieder in den Schutz ihres Rauhtiermantels. Bis sie mit Hilfe des Narren endlich offen ihre Gestalt zeigen darf. Christian Martins sorgsame und kluge Dramatisierung dieses verschlüsselten Märchens bekommt durch den Narren eine spielerische Leichtigkeit.
Uraufführung:
22.10.2001, Puppentheater Chemnitz, Regie: Manfred Blank
Ein Traumspiel, in dem märchenhafte Sehnsucht mit brutalen Phantasien verschmelzen. Eine junge Frau bleibt nachts mit ihrem Wagen im Schlamm stecken, vier Waldarbeiter schlagen Schneisen in den Wald. Durch die Leere fegt Hunter, der Geist der Vernichtung, der im ewigen Kampf steht mit Mossy, der verwachsenen Beschützerin der Wälder. Ihre Sage dringt in die Hütte der Männer, in den Wagen der Frau und läßt sie in dieser heulenden Nacht den glücksversprechenden Goldzapfen nachjagen. Moderne Gralssucher, die sich ihren eigenen Hexenkessel bereiten.
Sie sind glücklich, aber sie wissen es nicht. Sie lieben sich inmitten einer tristen Plattensiedlung und träumen vom Reihenhaus. Als Andy eine Stelle angeboten bekommt, ganz weit weg und ohne Möglichkeit, Mandy am Wochenende zu umarmen, sagt er ja. Er wird wiederkehren als reicher Mann. Was macht da schon die kurze Einsamkeit. Als er nach getaner Arbeit zwei Jahre drauf nach Hause kommt, ist die Platte saniert, und sein Namensschild ist fort. Er wird Hausmeister und hat nichts zu tun, da alles neu ist. Im gleichen Haus lebt eine Frau, die sich Sandy nennt und als Nachtschwester andere glücklich macht. Eines Nachts wird sie im Hausflur vergewaltigt. Der Hausmeister ist kurz darauf helfend zur Stelle. Andy kümmert sich um die Verletzte. Und als Sandy zu gesunden droht, bietet er ihr viel Geld, damit sie noch eine Woche nur für ihn da ist. Aber sie kann gerade dieses Geld nicht annehmen, und Andy stößt den dienstbar angebotenen Körper von Sandy zurück. Es gibt keinen neuen Anfang. Sie kommen aus dem verzwickten Spiel nicht raus. Der Hausmeister tötet Mandy und Sandy und sich selbst. Ähnlich den Figuren aus Martins Volksstücken der Vogtländischen Trilogie scheint auch dieses Paar in einer bedrückend schmalen, mundartlich gefärbten Sprache gefangen zu sein. Andy heißt Andy und nicht Woyzeck, aber er ist der erschreckend geradlinige Kerl, der seiner Liebe nicht gestatten kann, einen Weg außerhalb seines Lebensplans zu probieren.
Uraufführung:
02.03.2002, Bremen
Es ist die Geschichte vom verlorenen Sohn Franz, der nach einigen Jahren in der Welt mit demoliertem Gesicht und kleingeschrumpften Träumen nach Hause kommt. Er wollte am großen Rennen teilnehmen und versucht sich nun im illegalen Autohandel. Es ist Himmelfahrtstag. Ein schöner Tag irgendwo tief im Vogtländer Wald. Die Skatrunde steigt zur Feier in einen Ballon und probiert bierselig den Weitblick von oben. Gagarin, Jesus, Kaufland. Unten schachern zwei alte Frauen um das Glück ihrer Kinder. Franz trifft seine Jugendliebe Anja wieder, und für einen Moment liegen sie auf der bunten Wiese und träumen vom Leben. Am Abend wird Franz vor der Kneipe "Zum Grenzquell" von Unbekannten erschlagen. Von schwarznationalen Rächern, von Mafia-Leuten oder Grenzschützern, es bleibt offen. Die Männer der Skatrunde bahren Franz im einstigen Tanzsaal vom "Grenzquell" auf. Den Saal hat der Wirt schon lange an den Bestatter vermietet, und Särge gibt es genug. Sie trinken noch eins, und gehen weiter ihren abgesteckten Lebensweg. Gottsucher zwischen Berg und Tal, ein Volkslied auf den Lippen. Anja wartet mit ihrem Kind an der verabredeten Kreuzung auf Franz. Über ihr eine grenzenlose, sternklare Nacht. Christian Martin schreibt lakonisch, sparsam, in einem leicht stilisierten Dialekt. Ein tiefes und schmerzhaft reales Stück in Horváths Tradition.
Uraufführung:
29.10.2000, Zwickau, Ringuraufführung
Uraufführung:
30.10.2000, Meiningen, Ringuraufführung
Uraufführung:
04.11.2000, Chemnitz, Ringuraufführung
Als dem schönen, fleißigen Sonnenkind Marie die blutige Spindel in den Brunnen fällt, wird es von seiner Stiefmutter gezwungen, hinterherzuspringen. Marie fällt in das weltumspannende Reich der Frau Holle, einer freundlichen und zugleich mystisch wandelbaren Frau. Wie an Spinnfäden hält sie den Lauf der Gestirne, den Wechsel der Zeiten in ihren Händen. Marie lebt ein Jahr im Haus der Frau Holle, wo sie mit einem koboldhaften Geschöpf dafür sorgt, dass es auf der Erde schneit. Mit dem Frühling kehrt sie vergoldet durchs Tor zurück auf die Erde. Stiefmutter und Stiefschwester sind ohne die Goldmarie verwahrlost. Aber nun soll auch die hässliche, faule Lieblingstochter bei Frau Holle reich werden. Sie lässt sich in den Brunnen fallen, hinunter/hinauf zur Wiese mit den reifen Äpfeln und dem gebackenen Brot. Aber sie kann nicht an gegen ihre Natur, und nach wenigen Tagen meint sie, es sei genug der Qual. Frau Holles Kobold wird sie auf die Erde zurückbringen und fröhlich die Pechschleusen im großen Tor öffnen. Eine poetische Adaption, die mit knappen Dialogen das Märchen spielerisch erzählt und zugleich auf dessen mythologische Ursprünge verweist.
Uraufführung:
06.11.2004, Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Uwe Kraus
siehe auch Rainer Kirsch:
Frau Holle
siehe auch Peter Dehler:
Frau Holle
Der Theaterdirektor höchstpersönlich verwandelt sich vor aller Augen in den Kater Moritz. Gestiefelt und im schäbigen Frack präsentiert er, wie im rasanten Spiel aus dem armseligen Müllerburschen Max ein passabler Prinz von Mannokko gebastelt wird. Schlitzohrig, clever und skrupellos geht es zu. Ohne Diskussion wird der Zauberer verspeist. Und als die Prinzessin schließlich nur einen Mann akzeptieren will, der sie auch im Tennisspiel besiegt, gibt Kater Moritz Unterricht im Gebrauch von Vor- und Rückhand. Matchball für eine außergewöhnliche Kateradaption.
siehe auch Heinz Kahlau:
Der gestiefelte Kater
siehe auch Paula Fünfeck:
Gestiefelte Katerina
Der Wilde Jäger fegt mit Stürmen durch den Wald. Er vernichtet, was sich ihm in den Weg stellt. Nur das alte Moosweib klammert sich fest und stört seine Macht. Auf Leben und Tod geht es mit dem Wilden Jäger eine Wette ein. Wenn es irgendwo noch eine Liebe gibt, die durch Geld nicht zu verraten ist, kann das Moosweib bleiben. Wenn nicht, holt der Wilde Jäger es zum Totentanz. Der Liebe von Klaus und Elke scheint auch die schlimmste Armut nichts anhaben zu können. Elke wehrt sich gegen das Werben des reichen Franz, der sich schon den Verstand ihres Vaters gekauft hat. Klaus schuftet sich als Holzfäller die Seele aus dem Leib. Vergeblich. Ein kleiner Wink des Wilden Jägers und Klaus wird lebensgefährlich verletzt. Elke muß Franz heiraten, um ihren Liebsten zu retten. Aber was soll Klaus mit einem Leben ohne Elke. Beiden scheint nur noch der gemeinsame Tod zu bleiben. Wer hat nun gewonnen? Das Moosweib oder der Wilde Jäger? Nach einer alten Sage aus dem Vogtland schrieb Christian Martin ein poetisch dichtes Spiel, in dem mit einem Rest Zauberkraft die Liebe noch einmal überleben kann.
Hans ist mit einer Igelhaut auf die Welt gekommen. Er ist der Außenseiter, der Underdog, von den Mitmenschen tyrannisiert und schließlich verjagt. Ihm bleibt nur sein Dudelsack, mit dem er gegen Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit anspielt. Doch als ihn ein Mädchen trotz seiner stachligen Schale liebt, löst sich der böse Zauber. Eine poetische Adaption des weniger bekannten Grimmschen Märchens, das Mut zum Anderssein und Mut zu Emotionen einfordert.
Uraufführung:
31.10.1992, Kommunales Kinder- u. Jugendth. Frankfurt/M
Als der finstere Zauberer Kaschnur seinen Sohn Mizra nicht mit der stolzen Prinzessin Lusa verkuppeln kann, verzaubert er sie in eine Eule. Häßlich und selbst von den Tieren verachtet, muß sie in einer Wüstenruine warten, bis ein Storch sie zur Frau begehrt. Der künftige Storch ist der lebenslustige Kalif Chasid, der viel lieber mit seinem Freund Selim rumtobt, als zu regieren. Neugierig läßt er sich von den Zauberern ein geheimnisvolles Pulver andrehen, das eine tierische Verwandlung verspricht. Kaum haben Chasid und sein Großwesir Mansor sich in Störche verwandelt, müssen sie lachen und vergessen das Erlösungswort. Als Störche erleben sie nun mit, wie die Zauberer die Macht an sich reißen und irrwitzige Gesetze erlassen. Sie flüchten in genau die Ruine, in der die Eule Lusa ihr Schicksal beklagt. Im fahlen Mondlicht werden Storch und Eule Mann und Frau. Und endlich hören sie das schönste Wort der Welt: MUTABOR. Der sonderbare Vogel, den Christian Martin in seiner spielerischen Version des Hauff-Märchens in Prolog und Epilog über die Bühne staksen läßt, ist natürlich Zauberer Kaschnur, der nach seinem speziellen Erlösungswort sucht.
Uraufführung:
31.10.2008, Schleswig-Holsteinisches Landestheater, Regie: Maren Wegner
Der arme Peter Munk wird von Ezechiel und Ratz niedergeschlagen. Im Fieber träumt ihm die Geschichte vom Kalten Herz. Er ist trotz Armut ein Sonntagskind und hat beim Glasmännlein drei Wünsche frei. Er wünscht sich den Reichtum von Ratz und Ezechiel und eine Textilfabrik. Munk verliert sein Geld sofort. Die Spielschulden sind riesig. So läuft er zum Michel, der ihm sein Herz gegen einen Stein austauscht. Peter wird hart und gefühllos. Seine Mutter läßt er nicht mehr ins Haus, den Bettler weist er zurück, und schließlich erschlägt er seine geliebte Lissi. Das Glasmännlein, das ihn als Krüppel und Gaukler immer begleitet hat, bietet ihm noch einmal seine Hilfe an. Die Erfüllung des dritten Wunsches. Peter Munk will sein Herz zurück, was ihm mit List und Mut im Kampf gegen Michel auch gelingt. Als er erwacht, scheint die Sonne, Lissi und die Mutter sitzen neben ihm. Draußen lauern Ratz und Ezechiel. Christian Martins Dramatisierung des Klassikers überzeugt durch ihre unaufdringliche Modernisierung, durch sprachliche Klarheit und eine dem Stoff entsprechende romantische Märchenatmosphäre.
Uraufführung:
26.03.1997, Thalia Theater Halle
Muck kam unglücklich auf die Welt. Die Beine zu kurz, der Kopf viel zu groß, ist er dem Spott der Straßenjungs ausgeliefert. Als ihm der Vater stirbt, steht er mittellos da. Ein verträumter, trauriger Kindgnom, der auf die Türme einer glänzenden orientalischen Stadt zumarschiert. Eine Zauberin nimmt ihn in ihre Dienste. Er pflegt ihre Katzen und ißt deren Brei. Aber Lohn bekommt er keinen. Da nimmt er sich die alten Pantoffeln und den Wanderstab aus dem verbotenen Zimmer. Zauberdinge, denn die Pantoffeln machen ihn zum schnellsten Läufer, und der Stock findet Gold. Er wird der Günstling des Königs, und sein Glück scheint gemacht. Aber Muck muß erfahren, daß Neid stärker ist. Schon wieder steht er ausgestoßen vor den Toren der Stadt. Zwei Feigenbäume spenden Trost. Zu allem Unglück wachsen ihm Eselsohren, und eine Nase wie ein Kolben hängt ihm im Gesicht. Muck lernt die Kraft der Zauberfeigen kennen. Er kehrt zurück, und der ganze gierige Königshof wird zum Eselsstall. Er, der kleine weise Muck, hat nun die Macht, die Tiergesichter zu befreien. Christian Martins Dramatisierung des berühmten Märchens besticht durch ihre einfache Klarheit. Zwischen den knappen Dialogen öffnen sich große Spielräume.
Uraufführung:
09.11.2002, Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Uwe Kraus
Die wundersame Kraft und Narretei des Theaters sinnlich und spielerisch vorzuführen, ist eine Leidenschaft des Autors. Er erfand Knallzapp, den verwandlungsfähigen Direktor eines kleinen Wandertheaters. Mit Thespiskarren und Tanzbär bietet er den Zuschauern gegenwärtige Variationen bekannter Märchen und Fabeln. Geschickt und ohne Zwang ergibt sich ein Spiel aus dem anderen. Die Stadtmusikanten überfallen eine Bank, und der Hase erfährt vor dem großen Rennen den Igeltrick. Der Tanzbär bekommt seine Freiheit und versucht, ohne Theater über die Runden zu kommen. Aber sie alle sind und bleiben mit Leidenschaft Schauspieler, Verwandlungskünstler, Faxenmacher. Bunt gezimmertes Familientheater, voll Phantasie und Überraschungen. Auf der Straße oder auch auf kleiner Bühne zu spielen und vor allem weiterzuspinnen.
Eine Bank irgendwo in einer Dezemberdämmerung. Ein alter Clochard wird von einer kindlichen Prostituierten aus seinem verkommenen Schweigen gefetzt. Sie will ihrer bodenlosen Verlorenheit einen Namen geben. In diesem letzten Rest eines Penners liegt eine Schönheit, die ihre hilflos-rotzige Traurigkeit zerstört. In einem rasenden Spiel zwischen Shakespeare und Gosse, Narrheit und trostloser Abgeklärtheit sucht die drogensüchtige Lulle nach dem Geheimnis des Alten. Nicht zu sterben in der Kälte. In einer auf den Kern reduzierten Sprache treibt Martin seine Figuren in einen trügerischen Moment von Geborgenheit. Die sehnsüchtige Hatz des Mädchens und die ruhige Weisheit des Trinkers enden in stiller, tödlicher Zärtlichkeit.
Ein Junge fällt nach Sendeschluß durch den Bildschirmschnee in eine Traummaschinerie. Umsonst schreit er nach seinen Eltern. Er ist Gefangener eines Zauberers und Gefangener seiner Ängste. Milchbart nennt ihn der Zauberer, und nur ein Milchbart kann Fluß, Wald und Berg vom befallenen Unheil erlösen. Mit einer zarten Mücke macht er sich auf den Weg durch dieses wüste Zauberland, in dem Märchenmotive mit traumhaft verzerrten Realitäten zusammenstoßen. Auch ein König braucht seine Hilfe, denn der Drache weigert sich, die dicke Prinzessin zu fressen. Aber der Drache hat viele Gesichter, und Mücke ist die abgespeckte Königstochter. Der Text folgt der sprunghaften Bilderwelt eines Traums, der weitergeht, auch wenn das Theater zu Ende ist.
Die Abwicklung der Welt scheint vollzogen. Doch hinter sieben Müllbergen, im Halteverbot einer Einsiedelei träumt der junge Moritz den verbotenen Traum von der gefangenen Prinzessin Tau und verliebt sich in sie. Er hört nicht auf Eule, den Narren, und die Befreiung von Tau wird zur Odyssee. Königin Kruppa, die Gegenspielerin von Tau, herrscht in Nubinien. Eine maskierte Goldanbeterin, die mit ihrem Kanzler lähmende Angst verbreitet. Moritz, der naive Glücksritter, wird zum Risiko für die innere Sicherheit des Landes und so zum gnadenlos Gejagten. Mit Eule flieht er ins Zentrum der Macht. Vorbei an verborgenen Widerständlern, Trinkern, Selbstmordkandidaten, heillos unglücklichen Mitläufern, die immer stärker auf diesen verliebten Jungen gewartet zu haben scheinen. Wohl sehend, dass er nichts in den Händen hat als seinen Traum. Christian Martins allegorisches Spiel führt mit ironischen Anspielungen auf heutige Realität durch eine rätselhafte Märchenwelt. Komisch und tragisch, heiter und melancholisch. Schluck, der Poet, schreibt die letzte Szene. Eine Utopie wider besseres Wissen. Ein Spiel im Traum, ein Traum im Spiel, das mit seiner verdichteten Sprache viel Raum für phantasievolle Bühnenlösungen schafft.
Ein König sucht verzweifelt nach einer Gesetzeslücke, um seine Tochter heiraten zu dürfen. Nur sie scheint ihm ebenbürtig der verstorbenen Frau. Minister und Priester verbieten die Inzestbeziehung. Aber der elitäre König will aus einem königlichen Blut die genetische Neuschöpfung des Erben, der später fähig ist, den "Morast" zu beseitigen. Die Tochter wünscht sich drei Kleider (Sonne, Mond, Sterne) und einen Mantel aus tausend Pelztieren, dann will sie sich entscheiden. Aber ihr wird zur Flucht verholfen. Ein Jäger soll sie an einen geheimen Ort bringen. Der Jäger mißbraucht das ahnungslose Kind, das in freier Wildbahn zur Frau reift. Nach Jahren wird sie als Rauhtier vom König gefunden, weil sie es so will. Strahlend und wild kehrt sie ins Schloss zurück. Um jedes Misstrauen auszuschalten, lässt der König Minister und Priester vom Jäger ermorden, der seinerseits der Rache des Rauhtiers erliegt. Die Hochzeit findet statt und bald ist die Königin schwanger mit dem Hoffnungsträger. Aber der König fühlt sich nun zu alt, er reflektiert über menschliche Abgründe, Irrtümer, unerfüllte Sehnsüchte und vergiftet sich, nicht ohne zuvor gestanden zu haben, dass er immer wusste, wen er da heiratet. Die junge Witwe und Waise steht mit ihrem Schicksal hadernd allein vor dem Spiegel. Sie ist einsam, liebeshungrig, wölfisch und luxuriös. Und sie will einen monströsen Herrscher großziehen, der die verkommene Welt richten wird.
Uraufführung:
22.10.2001, Figurentheater Chemnitz, Regie: Manfred Blank
Schmitt hat seinen Führerschein verloren. Wegen Raserei in aller Hahnenfrühe durch ein schlafendes Dorf. Das ist absurd, das ist brutal. Jetzt hockt er allein zu Hause, und alles geht mit diesem eingezogenen Papier den Bach runter. Frau, Arbeit, Auto, Lebensgefühle. Schmitt telefoniert, hat irgendwen an der Leitung, der nicht auflegt. Vielleicht sogar einen Verantwortlichen, einen, der diesen unmenschlichen Entzug rückgängig machen kann und sich seiner erbarmt. Wie ein Würgemal zieht sich diese Bremsspur um seine sorgsam eingerichtete Existenz. Schmitt bettelt, fleht, erklärt. Er war immer vorbildlich und will es wieder sein. Aber wenn man ihn provoziert, wird er seine Kehrseiten aktivieren. Er neigt auch zur Anarchie. Er fährt durchaus rabenschwarz bis hoch in den Norden, um sich dort zu töten. Der Mann mit der sinnlos bürokratisch entzogenen Legitimation stirbt auf einsamer Piste. Das wäre ein Exempel. Schmitt erpreßt. Schmitt wird gewalttätig in seinen vier Wänden. Er hat sein Leben offenbart. Hat es nackt ausgebreitet. Ein normaler, freundlicher Mitbürger, der in den Regeln seiner Zeit leben wollte. Aber die anderen haben es nicht anders gewollt, und jetzt läuft der Countdown. Nach einem authentischen Fall schrieb Christian Martin diesen erschütternd komischen Theaterschrei für einen Schauspieler beliebigen Alters.
Uraufführung:
02.10.2002, Theater Rampe, Stuttgart, Regie: Eva Hosemann
Kay bekommt einen Eiskristall ins Auge und sieht die strahlende Gestalt der Schneekönigin. Er ist verzaubert von dieser klaren Schönheit, und er folgt ihr ohne Rückblick. Gerda verliert ihren Freund an eine unheimliche, nicht faßbare Größe. Ihre heile Welt ist schlagartig zerbrochen, das Kinderzimmer traurig und leer. Aber da rappelt sich Harlekin aus seiner Spielzeugkiste. Fast war er als Puppe eingemottet, nun begleitet er als verständiger, alter Kinderfreund Gerda auf ihrem Weg in den hohen Norden. In einem „karussell der zeit“ begegnen sie dem sprechenden Raben, dem barocken Prinzenpärchen, der Räuberhorde und dem Rentier, einem mysteriösen Hirten und schließlich der Schneekönigin selbst. Christian Martin lotet tief in die Geheimnisse des Märchens und beschreibt diese Reise ans Ende der Kindheit mit einer spielfreudigen Vielfalt sprachlicher Mittel.
Uraufführung:
30.11.1997, Staatstheater Oldenburg, Regie: Kai Festersen
siehe auch Jewgeni Schwarz:
Die Schneekönigin
Die Auftragslage im beschaulichen Ort Hundsgrün ist dramatisch geschrumpft. Tischlermeister Kantl ist nicht mehr kreditwürdig. Seine zweite Frau lastet ihm die Beschneidung des spärlichen Wohlstands persönlich an, und seine alte Mutter kann die Neue nicht ausstehen. Seine 16 jährige Tochter Ria hat den Spleen, Schauspielerin werden zu wollen. Aber sie wird von Joe, Kantls letztem Lehrling, schwanger. Der will weder sie, noch die bankrotte Werkstatt. Und Ria wird das Kind nicht los. Schon wieder ist es Winter. Die Gemeinde wird das Krippenspiel aufführen, in dem Ria und Joe letztes Weihnachten als Maria und Joseph auftraten. Da hatten sie dem Dorfidioten Dalli erklärt, daß das Jesuskind eine Puppe sei. Genauso ein Bündel findet Dalli auf den Kirchenstufen. Der harmlose Sternenzähler, der Bockwurst und Cola liebt, wickelt Rias Neugeborenes aus, um es in der Schneenacht in den Schlaf zu wiegen.
In bester Tradition des Volkstheaters seziert Christian Martin mit kurzen, episodisch aufgebauten Szenen und seiner dialektal gefärbten, verdichteten Sprache dieses demographieübergreifende Familiendrama. Ein poetisches wie sozial genaues Stück von scheinbarer Abseitigkeit.
Uraufführung:
17.09.2006, Schleswig-Holsteinisches Landestheater, Regie: Susanne Ebert
Ein Mann und eine Frau gehen mit dem Rücken zum Krieg. Sie finden ein Kind und legen es zu ihrem eigenen. Anna und Sternfels sind im Dreißigjährigen Krieg geboren und wachsen mit ihm auf. Sie werden ein Liebespaar. Scheu und verträumt. Aber die dreißig Jahre Krieg sind noch nicht rum. Söldnerheere fallen über die Stadt her, und Sternfels findet seine Familie nur noch tot. Sterbenstraurig schleppt sich Sternfels mit seinem Kommandeur durch eine Schneenacht. Die Truppenspitze hat begriffen, daß sie sich diesem Krieg nur durch Flucht entziehen kann. Sternfels soll sichere Schleichwege zeigen. Er träumt von einem Leben als Bauer und legt sich in den Schnee. Engelhart, der Mann, der ihn in den Krieg zwang, wird mit ihm erfrieren. Mit poetischem Geschick läßt Martin mittelalterliche Gewalt gegen Unschuld losbrechen. Es gibt kein Erbarmen und kein Entkommen. Nur die gelebte Liebe ist Hoffnung. Die anrürend naiven, volkstümlichen Hauptfiguren reden in einem vogtländisch stilisierten Dialekt.
Uraufführung:
09.02.2002, Theater Rampe, Stuttgart
In einer Welt jenseits der Idylle wehrt sich das listige Schneiderlein mit Klugheit und Freude am eigenen Witz seiner dünnen Haut. Mit stakkatohaften Intermezzi und rasant zugespitzten Szenen wirkt diese dicht am Original bleibende Variante wie ein poetisch-gestischer Comic. Mörderisch lustvoll. Hier kämpft ein aggressiv gewitztes Schneiderlein gegen Riesen, Einhorn, Wildschwein und einen kriegslüsternen General. An der Seite des Fliegentöters eine selbstbewußte Prinzessin.
Uraufführung:
11.04.1992, Braunschweig
siehe auch Eva-Maria und Volkmar Otte:
Spiel vom tapferen Schneiderlein
siehe auch Peter Ensikat / Rainer Lischka:
Das tapfere Schneiderlein
AMOK, entstanden zwischen 1987 und 1989, ist das szenische Protokoll einer asozialen Karriere von Vierzehnjährigen im Endstadium der DDR. Ihre Sehnsucht nach Offenheit und Wärme ist umgeschlagen in selbstzerstörerischen Haß. Die Autoritäten begegnen ihnen mit zementierter Verlogenheit und fahrlässiger Unsicherheit. Der Vertrauensbruch zwischen den Generationen ist tödlich, endet in Flucht und Elternmord. Im BUNKER treffen Bankräuber auf einen desertierten Russen, auf Fidschi und Nutt, zwei Frauen ohne Aufenthaltserlaubnis. Der ehemalige Überlebensbunker der Staatssicherheit sieht zunächst wie ein sicheres Versteck vor der Polizei aus. Er erweist sich bald als tödliche Falle, in der Egoismus und Verzweiflung eskalieren. Ein Konzentrat sozialer und individueller Konflikte nach dem Untergang der zwei deutschen Staaten. FIGHTERS, 1995 mit dem Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet, ist die Geschichte einer vollendeten Zerrissenheit. Alf bleibt auch nach dem Fall der Mauer heimatlos. Seine Beziehung zu Proll, Anführer einer militanten deutschnationalen Gruppe, ist unheilvoll. In einer provozierten Schlägerei ersticht Alf einen Türken. Der war der Vater von Zitha, die Alf auf dem Friedhof kennenlernt. Es entwickelt sich eine Beziehung zwischen dem schuldlos schuldigen Mörder und der deutschen Türkin. Alf verliert seine Position in der Gruppe, ohne Zithas Liebe gewonnen zu haben. Es gibt für ihn keinen Ausweg. Drei Spiele um Jugendliche ohne Heimat, ohne Halt, ohne Glauben. Unbarmherzig lakonische Geschichten um aggressive, alte Kinder, die sich in Zwänge treiben und gegen ihre Gefühle und Hoffnungen das Aus annehmen. Daniel aus "Amok" erschießt seine Eltern, Alf tötet sich selbst, der Bunker ist die Todeszelle auf der offenen Grenzlinie.
siehe "FORMEL EINZZ", Schneemond", "Abendglühn"
Nur nachts darf die verzauberte Prinzessin hinab zum See, um dort zu baden. Der Trommler verliert zwar sein Herz, aber nicht seinen Verstand. Ihm gelingt die unmöglich scheinende Rettung der Prinzessin. Doch dann küßt er seine Eltern und vergißt die Abenteuer auf dem Glasberg, den Kampf mit Riese und Hexe, und er vergißt seine Liebe. Ein Märchenspiel, das in prägnanten Bildern und mit ausgeprägtem Sprachrhythmus auch den unsichtbaren Gefahren nachspürt, denen eine Liebesbeziehung ausgesetzt ist.
Der Autor engagiert sich für ein kritisches Volkstheater, liebt seine "kleinen Leute", schaut ihnen aufs Maul, beobachtet sie genau, ohne sie bloßzustellen. Er verfolgt Andys und Sandys Lebensweg von der Hochzeit bis zum tödlichen Ende der jungen Frau. Auf der TRAUMREISE nach Bulgarien rettet die Liebe noch über vieles hinweg. In der Situation des überall hintenanstehenden DDR-Bürgers beschließen beide, richtig ranzuklotzen, damit man sich später was leisten kann. ABSEITS führt in die erste Wohnung des Paares. Andy, vom Ackern auf dem Bau und der Schwarzarbeit am Wochenende gereizt, verfolgt vorm Fernseher die Fußballlweltmeisterschaft, trinkt und ist nicht bereit, Sandy zuzuhören. Erst im Bierrausch über Deutschlands Sieg bekommt er mit, daß Sandy das von ihm auf den letzten Listenplatz verwiesene Kind erwartet. Er vergewaltigt sie brutal, Sandy hat einen Abort. GOLAN, so das Neubauviertel genannt, in dem das Paar nun besser mit Kind lebt. Sandy wird mit den Ereignissen vom brutalen Polizeieinsatz im Herbst 1989 und den kurz darauf folgenden Hoffnungen auf ein Wohlstandsleben nach westlichem Muster nicht fertig. Hilflos versucht Andy, ihre innere Verstörtheit durch Konsumillusionen zu verdrängen, doch er kann ihren Selbstmord nicht verhindern.
Das Spiel beginnt nach der verlorenen Schlacht. Ein Inselvolk ließ sich nicht missionieren, die tote Armee treibt im Meer. Übriggeblieben sind General und Patriarch, König und Narr, ein Deserteur, der gewaltsam zu seinem nunmehr sinnlosen Auftrag zurückgeführt wird. Der irrwitzige Krieg muß weitergehen. Hexenkräfte werden mißbraucht, und ein Drache läßt sich ergeben die Köpfe abschlagen. Aus Drachenzähnen und Heldenpisse wächst eine Kampfmaschine, die nach den männlichen Insulanern auch sich selbst vernichtet. Der feindliche Rebell und der König stehen sich gegenüber. Zwei Männer ohne Volk, die ihre leeren Titel voreinander nicht mehr behaupten können. Die Einsicht des Königs, mit den versteckten Frauen und Kindern der Insel gemeinsam weiterzuleben, kommt zu spät. Die Frauen stürzen sich kollektiv in einen Vulkan. Nun braucht der König auch keinen Narren mehr. Zwanghaft muß sich die Vernichtung vollenden. Der letzte Mensch, der einstige Rebell, verstummt. Doch es war nur ein Inselmärchen, eine bedrohliche Posse. Der Narr ist nicht tot und weist dem Publikum die Tür. Martin schrieb ein Endzeitmärchen, eine schwarze Phantasie in sieben Bildern, die Shakespeare, Jewgeni Schwarz, Antike und Romantik assoziiert.
Uraufführung:
22.03.1997, Heilbronn
Jakob war ein Kind. Er bringt einer sonderbaren Alten Kohlköpfe nach Hause und hat einen Traum. Er würde in sieben flüchtigen Jahren zum Meisterkoch und die Vollendung seiner Kunst sei die Zubereitung einer Gans. Aber die Gans weigert sich und behauptet, eine Prinzessin zu sein. Als die eigene Mutter ihn nicht erkennt, muß Jakob erfahren, daß sein Traum bittere Wahrheit war. Er ist ein Zwerg mit langer Nase, verzaubert wie die Gans und einsam wie sie. Helfen kann nur das Kräutlein Niesmitlust. Doch dieses soll er nie mehr finden. So wollte es die Kräuterhexe, die das Kraut jedoch erblühen läßt, als Nase und Gans in großer Not zusammenfinden. Eine moderne Version des Märchens.
Uraufführung:
1994 Greizer Herbst, nicht über Verlag
siehe auch Ronald Mernitz:
Zwerg Nase
siehe auch Beatrice Stolzenbach:
Zwerg Nase
Ursendung:
DS Kultur 1992, 36'14, Regie: Karlheinz Liefers
Andy und Sandy leben in einer Plattensiedlung namens "Golan" irgendwo im Vogtland. Im Herbst 89 gerät Sandy nach der Arbeit in eine Demonstration, wird verhaftet und kommt erst am nächsten Morgen nach Hause. Diese "Zuführung" wird Sandy nachhaltig traumatisieren. Auch nach der Wende sieht sie keine Perspektiven. Sie ist besessen von Zukunftsängsten. Chancen sind bestenfalls Risiken. Offene Wege sind für sie Fallen. Sandy springt in den Tod und lässt Andy und die gemeinsame Tochter allein. Mit Sven Seeburg und Sophia Schilbach.
Gemsinsam mit den Teilen "Abseits" und "Traumreise" bildet "Golan" die "Vogtländische Trilogie", mit der Christian Martin als Dramatiker seinen Durchbruch hatte.
Ursendung:
Funk/DDR 1990, 31'19, Regie: Peter Groeger
Ursendung:
DRA 1990, 35'10, Regie: Christoph Schroth
Ursendung:
DRA 1989, 41'15, Regie: Werner Grunow
Ursendung:
SFB 1993, 30'38, Regie: Peter Groeger
Ursendung:
DS Kultur 1992, 41'00, Regie: Peter Brasch
Andy und Sandy, ein junges Paar aus dem Vogtland, fahren auf Hochzeitsreise in die Sowjetunion. Dieses System in den weiten Grezen der SU gab es gerade noch, und auch die Devisen bzw. der zur Verfügung stehende Rubel war kurz vor dem Untergang noch stark limitiert. Blauäugig und gut sozialismusgläubig stoßen Andy und Sandy auf Vorformen des westlichen Massentourismus. Um vorwärts zu kommen, braucht es Schmiermittel wie echte Jeans und richtige Konsumgüter, von denen im Osten nur geträumt wurde.
Mit Sven Seeburg und Sophia Schilbach. Das Hörspiel bekam den Hörerpreis 1990.
Ursendung:
DRA 1989, 40'05, Regie: Peter Groeger
"Christian Martin zeichnet seine Figuren aus liebevoller Distanz. Er beurteilt nicht, er beschreibt Verhältnisse und Zustände und nimmt uns ein für das persönliche Schicksal seiner Figuren. Die Qualität seiner dichten, poetischlakonischen und assoziativen Sprache ist unbestritten."
(Tristan Berger)
Dieser Band versammelt fünf der schönsten Märchenspiele von Christian Martin, die er frei nach den Brüdern Grimm und nach Wilhelm Hauff schrieb. "Es wird immer wichtiger, für Kinder poetische Texte zu schreiben, weil ihre Fantasie nicht verkümmern darf. Und das Theaterspielen sollte an den Schulen zum Pflichtfach erhoben werden. Man muss der Glotze Paroli bieten, unbedingt!" (Christian Martin)