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Bild: Jón Atli Jónasson (Jonasson)

Jón Atli Jónasson (Jonasson)

Jón Atli Jónasson, 1972 in Reykjavik geboren, zählt zu den bekanntesten Dramatikern Islands. Er war Fischer, Pizzeriachef, Heavy-Metal-DJ und Bauarbeiter. Er schreibt Drehbücher, Prosa, Hörspiele und ist Mitbegründer von Mindgroup, einem Zusammenschluss europäischer Theatermacher mit experimentellem und politischem Anspruch. "Die Tiefe" wurde 2009 beim Theaterfestival in Edinburgh uraufgeführt und gewann 2011 den Preis für das beste nordische Radiostück.

  • Die Tiefe
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    (Djúpid)
    Aus dem Isländischen von Richard Kölbl
    1 H

    Im Dämmer verlassen Männer mit Seesäcken ihre Häuser. Ihr Schiff fährt ins Ungewisse, dem Kabeljau nach. Der junge, starke Seemann steht noch in seinem Elternhaus. Jeder Schritt, jede Berührung, jeder kindheitsbekannte Duft wird von ihm aufgesogen, denn jede Ausfahrt ist ein Abschied. In Gottes Namen. Der Junge geht an Bord, betritt die Kajüte, die nach Schweiß, Öl und Frauenlosigkeit riecht. Die Seemannsseuche liegt auf der Lauer. Und die nicht in ihrer Macht liegende Gewalt der See. Wenige Seemeilen später kippen die dreihundert Tonnen Stahl um und laufen voll. Die Welt steht Kopf. Der Junge kämpft sich die Treppe hinunter hinauf auf die Brücke unter Wasser an die Luft. Der Pott sinkt. Die Mannschaft ist weg. Keine Mama, kein Papa, kein Gott. Nur ein Vogel, mit dem der dahin treibende Junge spricht. Das Auto und die letzte Rate, Rockgruppen, Witze, Träume von einem Mädchen, dem er nur noch hinterher sehen kann. Das Leben dieses in der galaktischen Einsamkeit schwimmenden Menschen wird so unendlich schützenswert. Nur noch einen Tag will er haben.

    Der Monolog von Jón Atli Jónasson ist ein Meisterstück. Tief, poetisch, präzise und von umwerfender Kraft.

    DSEA - Deutschsprachige EA: frei

  • Die Tiefe
    Aus dem Isländischen von Richard Kölbl

    Im Dämmer verlassen Männer mit Seesäcken ihre Häuser. Ihr Schiff fährt ins Ungewisse, dem Kabeljau nach. Der junge Seemann steht noch in seinem Elternhaus. Jeder Schritt, jede Berührung, jeder kindheitsbekannte Duft wird von ihm aufgesogen, denn jede Ausfahrt ist ein Abschied. In Gottes Namen. Der Junge geht an Bord, betritt die Kajüte, die nach Schweiß, Öl und Frauenlosigkeit riecht. Die Seemannsseuche liegt auf Lauer. Und die nicht in ihrer Macht liegende Gewalt der See. Wenige Seemeilen später kippen die dreihundert Tonnen Stahl um und laufen voll. Die Welt steht Kopf. Der Junge kämpft sich die Treppe hinunter hinauf auf die Brücke unter Wasser an die Luft. Der Pott sinkt. Die Mannschaft ist weg. Keine Mama, kein Papa, kein Gott. Nur ein Vogel, mit dem der dahin treibende Junge spricht. Das Auto und die letzte Rate, Rockgruppen, Witze, Träume von einem Mädchen, dem er aus der salzigen Dunkelheit nur noch hinterher sehen kann. Das Leben dieses in der galaktischen Einsamkeit schwimmenden Menschen wird so unendlich schützenswert. Nur noch einen Tag will er haben.

    Der poetisch anrührende, existentiell starke Monolog von Jón Atli Jónasson gewann 2011 den Preis für das beste nordische Radiostück.
    Mit Dustin Semmelrogge.

    Ursendung: 01.01.2012, SWR2, 38'37'', Regie: Judith Lorentz

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