1972 in Graz geboren. Germanistikstudium und Schauspielausbildung. Hausautorin und Ensemblemitglied am Grazer "Theater im Bahnhof". Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin für Theater und Film arbeitet Pia Hierzegger als Autorin von Stücken, Hörspielen und Drehbüchern sowie als Regisseurin.
Pia Hierzegger ist Mitglied der Autorengruppe "Eigenbau" am Grazer Theater im Bahnhof. 2007 erhält sie für "vernetzt denken" den Preis des Augsburger Stückewettbewerbs zum Thema "wir. terroristen". Im Herbst 2009 dramatisiert sie den Roman "Das ewige Leben" von Wolf Haas für das Schauspielhaus Graz.
Lotte, Marianne und Paula, die sich der Einfachheit halber Schwestern nennen, obwohl Marianne nur eine Freundin ist ziehen sich alljährlich auf eine abgelegene Hütte zur Sommerfrische zurück. Sie trinken und kochen dort und warten auf ihre daheim gebliebenen Männer. Nur Paula wartet nicht mehr, weil sie sich von ihrem Mann getrennt hat. Die drei haben nicht bemerkt, dass sie nur noch aus Gewohnheit miteinander wegfahren und sich inzwischen nicht mehr ausstehen können. Paula gibt schlechte, selbst geschriebene Gedichte zum Besten, Lotte hat immer Lösungen für alle Probleme parat und Marianne telefoniert ständig mit Dieter, der immer verspricht zu kommen, aber nie auftaucht. Sobald sie sich zu zweit begegnen, überlegen sie Möglichkeiten, wie die Dritte am besten umzubringen wäre. Aber Gott sei dank droht eine Sintflut, Lotte übernimmt das Kommando, und unter ihrer Anleitung bereiten sie sich auf die Katastrophe vor. Endlich soll etwas Erzählenswertes passieren, das sie vielleicht sogar ins Fernsehen bringt. Doch die Nacht vergeht, ohne dass die Flut das Haus wirklich bedroht. Aus Enttäuschung beschimpft Lotte ihre Schwester Paula, worauf diese gehen will. Aber Paula kommt wegen der Überschwemmungen nicht weit und findet sich am Abend mit den zwei anderen bei Grillwürsteln und Bier wieder. Sie macht noch schnell ein Gedicht und alles ist wie es immer war. (Pia Hierzegger über ihr Stück)
Uraufführung:
frei
Armin Ofner lebt seit dem Tod seines Vaters alleine und zurückgezogen auf einem ehemaligen Bauernhof im Süden Österreichs. Sein einziger Kontakt zur Außenwelt ist der allwöchentliche Besuch seines Bruders Alexander, einem Chirurgen, der ihn mit Asthmamedikamenten versorgt. Eines Tages taucht Anna auf, die sich als Enkelin einer ehemaligen ukrainischen Zwangsarbeiterin ausgibt. Armin weiß nichts darüber, lädt Anna aber ein, zum Essen zu bleiben. Sie findet Armin zwar unheimlich, lässt sich aber überreden. Für die Frau aus dem Osten opfert er sogar Che, eines seiner drei Hühner. Armin ist zwar seltsam, aber alles läuft noch in nachvollziehbaren Bahnen. Alexander bricht herein und erzählt von den verschiedenen Zwangsarbeitern, die am Hof beschäftigt waren, von Annas Großmutter hat er allerdings nichts gehört. Wir erfahren nicht, ob er die Wahrheit sagt oder die Geschichte nur erfindet, um Anna zu imponieren. Armin hat inzwischen auch gefallen an Anna gefunden. Anna selbst sinniert darüber, welche Rolle sie in der Geschichte spielt und ob sie eher zum Opfer oder zur Täterin taugt. Alexander verspricht Armin mit Anna zu verkuppeln, flirtet aber aus Gewohnheit selbst mit Anna. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir schon, dass vor allem Anna und Alexander andere Pläne haben, als sie uns erzählen. Endlich landen Anna und Armin im Bett, das kann Alexander natürlich nicht auf sich sitzen lassen und lädt Anna ein, um Mitternacht auf sein Zimmer zu kommen. Was da geschieht, erfahren wir nie, aber es muss etwas Schreckliches sein, da Alexander darüber den Verstand verliert. Zu diesem Zeitpunkt ist nicht mehr klar, ob sich Anna nicht von Anfang an eingeschlichen hat, um ihre Großmutter zu rächen oder ob sie gar kein Mensch ist, sondern eine Widergängerin ähnlich will Grillparzers Ahnfrau. Am nächsten Morgen bereitet Anna ein Mahl und erklärt ihre Mission für beendet. Der verliebte Armin bleibt alleine zurück und ob Alexander im Kochtopf gelandet ist, erfahren wir genauso wenig wie die wahre Identität Annas. (Pia Hierzegger über ihr Stück)
Uraufführung:
frei
Die schräge Patchwork-Familie Knapp flüchtet aus der Stadt ins Dorf, zu den "Speckgürteltieren" am Autobahnkreuz, um dort das lang ersehnte Einfamilienhaus zu bauen. Von den Eingeborenen werden sie zunächst abweisend beäugt, dann wird auch schon losgeflirtet, was das Zeug hält. Überhaupt scheint es unter den idyllisch zusammengerotteten Menschlein in erster Linie um die Erhaltung der Art zu gehen. Zur Not tuts auch ein geklautes Kind. Etwaige kulturelle Differenzen werden flugs planiert, aufkeimende Konflikte verdrängt, störende Umweltaktivisten kurzerhand zu Pflegefällen gehauen. Eigentlich müsste hier alles schreiend auseinander rennen, stattdessen wird ohne Rücksicht auf Verluste geheiratet und zusammengezogen. Bis alles unterm frisch gedeckten Dach in gruseliger Eintracht Heimatlieder singt. Pia Hierzeggers urkomische, comichafte Volkstheater-Farce findet im provinziellen Mikrokosmos eine ganze Welt.
Uraufführung:
31.10.2007, Schauspielhaus Graz in Kooperation mit dem Theater im Bahnhof, Graz, Regie: Ed Hauswirth
Deutsche Erstaufführung:
10.12.2010, Landestheater Württemberg- Hohenzollern (LTT), Regie: Reto Finger
Ein freies Grundstück soll bebaut werden, die "letzte schöne Wiese weit und breit". Onkel Donald hat sie jeden Tag überquert. Schon die Großmutter hatte hier Skifahren gelernt. Jetzt wird die Wiese vermessen und für einen schicken Neubau präpariert. "Die Dinge gehören denen, die sie lieben", meint Onkel Donald. Die Leute vom Bauamt weisen ihn dennoch umstandslos zurück. Das scheinbar Unabwendbare führt zu familiären Zerwürfnissen. Onkel Donald trinkt zuviel, seine Frau verlässt ihn. Von Donalds Neffen verliebt sich einer in die zugezogene Nachbarstochter, während der andere sich zusehends radikalisiert, versponnen in eine Netztheorie, die einfache Antworten verspricht. Bis eine Bonbonniere in den Händen der Bürgermeistersekretärin explodiert. Ohnmacht, Zumutungen und enge Horizonte: Hierzeggers Stück entwickelt in lakonischen, szenisch aufgeladenen Dialogen die Stationen eines Gewaltausbruchs.
Uraufführung:
25.05.2007, Theater Augsburg, Regie: Thomas Peters