Geboren 1983 in Zürich. Mit ihrem ersten Stück "Nachtblind" gewann sie 2005 den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts und wurde zu den 32. Mülheimer Theatertagen eingeladen. "Nachtblind" wurde in acht Sprachen übersetzt und über zwanzig mal in Deutschland und im Ausland inszeniert. Das zweite Stück "Zornig geboren" kam 2009 in der Regie von Armin Petras am Maxim Gorki Theater zur Uraufführung. Es wurde ans "Festival de Theatro de la Habana" nach Kuba eingeladen.
Gemeinsam mit der Autorin Claudia Grehn recherchierte und schrieb Darja Stocker 2010/11 das Auftragswerk "REICHT ES NICHT ZU SAGEN ICH WILL LEBEN" für das Nationaltheater Weimar und das Centraltheater Leipzig. Im Juli 2011 war sie Teilnehmerin des "International Residency Program" am Royal Court in London und im Dezember war sie zum "Reveil. Festival freier arabischer Theatergruppen" nach Alexandria eingeladen. Darja Stocker studierte "Szenisches Schreiben" an der Universität der Künste Berlin.
Leyla, eine junge Frau, sucht ihren eigenen Weg jenseits der Normalität. Zuhause bricht die Familie auseinander: Der Bruder rüstet innerlich auf, der Vater ist dabei, sich abzusetzen, die Mutter sieht schon lange weg. Leyla lernt Moe kennen, der ist ein zurückhaltender Automechaniker, angeblich hochbegabt. Nicht nur soziale Welten prallen aufeinander, Funken fliegen, Zuneigung wächst und läßt die Dinge nicht, wie sie sind. Und da ist noch ein anderer in Leylas Leben, der selten, aber vehement in Erscheinung tritt, Verwirrung stiftet und dann oft für lange Zeit verschwunden bleibt. Mit ihm verwandelt Leyla seit Jahren Industriegebäude in farbenfrohe Luftschlösser. Etwas schwer Sagbares zwischen Liebe und Wahnsinn verbindet sie. Moe findet heraus, daß der große Fremde zwischen Zärtlichkeit und Gewalt nicht unterscheiden kann. Leyla hält die Schläge und die Liebe kaum noch aus. Moes Nähe und familiäre Zuspitzungen drängen sie mehr und mehr zu einer Entscheidung. Sie muß den Schritt allein gehen. Darja Stockers außergewöhnliches Debütstück erzählt von einem widersprüchlichen Befreiungsschlag, vom Aushaltenkönnen und von schmerzhaften Lösungen. Und von der Notwendigkeit zu träumen.
Uraufführung:
18.03.2006, Theater an der Winkelwiese, Zürich, Regie: Brigitta Soraperra
Deutsche Erstaufführung:
22.04.2006, Hannover
Österreichische Erstauff:
27.03.2008, TAO! Theater am Ostweinplatz, Graz
"Meine Heimat ist da wo mir die Dinge nicht egal sind."
Zusammen mit der Autorin Claudia Grehn (Verlag der Autoren) hat Darja Stocker Gespräche, die sie mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen geführt haben, zu einer Szenencollage verdichtet, die verschiedene Aggregatszustände des Aufbegehrens, angefangen von schlichter Empörung bis hin zu aktivem Widerstand, ausloten. Es ist ein scharfzüngiges Gesellschaftspanorama entstanden, in dem der Einsatz, dieser an den unterschiedlichsten Fronten kämpfenden Individuen, am bleiernen Konsens über die Unveränderbarkeit der bestehenden Verhältnisse abprallt. Je selbstbestimmter und radikaler diese Figuren - vom Manager über die Studentin, Altenpflegerin oder Asylbewerberin - gegen Hartz IV, Pflegenotstand, Residenzpflicht usw. agieren, desto weiter werden sie in ein privates wie öffentliches Abseits gedrängt, landen in der Gosse oder im Gefängnis. Der Text der beiden Autorinnen führt den Titel in jedweder Hinsicht ad absurdum. Er ist ein berührendes Zeitdokument und vielstimmiges Manifest wider das Einvernehmen der politischen Ohnmacht.
Uraufführung:
30.06.2011, Deutsches Nationaltheate Weimar, Regie: Nora Schlocker
Uraufführung:
28.09.2011, Schauspiel Leipzig , Skala, Regie: Nora Schlocker
Catherine hat ein bewegtes Leben hinter sich: Sie war in der Resistance, hat KZ und Arbeitslager überlebt und sich auch nach dem Krieg immer durchgeschlagen. Ihre widerständige Art scheint sich auf ihr Umfeld zu übertragen. In ihrer neuen Wohnung kreuzen sich ungewöhnliche Lebenswege. Marie, Catherines Enkelin, engagiert sich für Hilfsprojekte in Afrika. Mara, die Nachbarin aus Südeuropa, versucht einer arrangierten Ehe durch ein Studium zu entgehen. Benjamin, Catherines Sohn, kann seine bewegte politische Vergangenheit nicht vergessen. Micha, Sohn eines Ex?Mannes von Catherine, sucht nach der Spur seines Vaters, die sich in Nordafrika verliert. Micha und Marie werden schließlich nach Südspanien aufbrechen, um in riesigen Plantagen verschwundene afrikanische Freunde zu suchen, die sich auf den gefährlichen Weg ins verheißungsvolle Europa begeben hatten. In das Generationen-Tableau schneidet Darja Stocker Szenen der Französischen Revolution: Die Kurtisane Olympe de Gouges wirbelt mit ihren Ansichten über die Emanzipation der Frau die Pariser Verhältnisse durcheinander. Als Schriftstellerin und Politikerin gewinnt sie an Einfluss - bis sie den Revolutionsführern zu gefährlich wird. Die unangepassten Figuren in Darja Stockers neuem Stück suchen nach individuellen Ansatzpunkten gesellschaftlicher Veränderungen. Es sind die Frauen, die in "Zornig geboren" die Initiative ergreifen.
Uraufführung:
04.06.2009, Maxim Gorki Theater , Regie: Armin Petras
Leyla, eine junge Sprayerin, die mit ihrem gewalttätig liebenden Freund seit Jahren triste Fabrikgebäude in Phantasieburgen verwandelt, beginnt mit ihrer zarten Beziehung zu dem Bastler Moe, genauer auf ihre Liebes- und Lebensverhältnisse zu blicken. Die Konturen ihrer zerfallenden Familie werden scharf. Wie kann sie leben zwischen einem aggressiven Bruder, einer hilflos toleranten Mutter und einem sich davonstehlenden Vater. Warum läßt sie sich von ihrem angeblichen Freund soviel gefallen. Ihre Zuneigung zu Moe wächst, und sie weiß, daß sie sich befreien muß. Eine unter die Haut gehende Inszenierung. Mit Rebecca Klingenberg als Leyla (ihre rauhe, warme Stimme bleibt im Ohr), Daniel Kashi als Moe, Doris Wolters als Mutter und Patrick Güldenberg als hemmungslos wütendem Bruder Rico.
Musik Philipp Schaufelberger.
Ursendung:
06.09.2006, DRS II 2006, 47'58 , Regie: Stephan Heilmann