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hörspielautoren


Bild: Steffen Thiemann

Steffen Thiemann

1966 geboren, lebt in Berlin. Landvermesser, verschiedene Tätigkeiten, freiberuflicher Autor. schreibt Hörspiele u.a. Die 169. Funktion (ORB) Die 5. Jahreszeit (ORB), Treppenwalzer (ORB) Nichtschwimmercafe (NDR) Sonderangebot (RBB/NDR) Urlaub für alle (NDR/RBB) und Theaterstücke u.a. „Tschechows Husten" (Volksbühne 3. Stock), „Wir mixen - happy hour für Barbaren" (Stadtbad Oderberger Straße Berlin), „Die Schatzinsel" frei nach R.L.Stevenson, TJG Dresden, „Urlaub für alle - Reisebüro an das schönste Ende der Welt", eine Produktion des Schloßplatztheaters Berlin im öffentlichen Raum Opernbearbeitungen für Kinder, u.a. „Hänsel & Gretel mit ohne Pfefferkuchen"(nach Humperdinck), „Cinderellapop" (nach Rossini), Schloßplatztheater Berlin

  • Die 169. Funktion

    Auf der vorderen Ebene quält sich ein Staubsaugervertreter vor einer Busreisegesellschaft seine immer gleichen Werbetexte ab. Ein Mensch, geschaffen, unseren Großmüttern Tränen zu entlocken und den altgedienten Staubsauger gegen "Gertrud", so heißt das zu verkaufende Wunderding, einzutauschen. Auf der zweiten Ebene spult sich der gedankliche und physische Ekel des Mannes ab. Widerwillen vor dem armseligen Volk, das er bequatschen muss, Widerwillen vor diesem erbärmlichen Job, Angst zu versagen, Hass und Selbsthass. Ein Täter vor Tätern, der keinen Ausweg aus dem Zwang des Verdienens sieht. Manchmal flocken seine Gedanken in die Familie, die nur noch Flüchtigkeit ist und seine Unarbeit braucht. Ein Intermezzo läßt die Zuhörer mit seiner Reporterstimme aktuell teilhaben an der aus Lebensfrust verübten tödlichen Duellierung zweier Gymnasiasten. Eine letzte Warnung, Aufforderung, Gertrud zu kaufen und den Saal zu verlassen, dann kommt die 169. Funktion.

    Ursendung: ORB 1994, 29'28, Regie: Rainer Schwarz

  • Erntelied

    Wie lange braucht man, um von den letzten 25 Jahren seines Lebens zu erzählen? Eine Stunde, wenige Minuten, ein Achselzucken lang? Ein Mann begibt sich auf die Rückreise in seine Kindheit. Er ist zum ersten Mal zu einem Klassentreffen eingeladen worden, und nun fährt er in die Stadt, in der der Grabstein seines Großvaters schon umgekippt ist. Seine Gedanken geistern, aktivieren Kinderängste und zerbröselte Sehnsüchte. Die Erinnerungen kommen wie alte Bekannte um die Ecke, erschrecken sich voreinander, laufen auseinander. Was bleibt, was ist so wichtig gewesen, dass es in den Speicher kommt. Die tote Mutter setzt sich kurz zusammen, die ungeliebte Mathematiklehrerin, immer wieder der Großvater, der ein alter Kämpfer war. Wofür? Für den Sozialismus? Vielleicht. Diese Betonstadt sah der Mann wachsen. Eine hilflose Stadt mit leerem Zentrum und einer einst durchlässigen Utopie. Hallo, ist da jemand? Der Mann geht in ein Cafe. Der einzige Gast und eine Kellnerin mit unrasierten Achselhöhlen. Sie erkennt sofort, dass einer wie er nur herkam, um zu einem Klassentreffen zu gehen. Die Gedanken des Mannes kommen zur Ruhe, konzentrieren sich auf diese Achselhöhle, in der er seine Nase verstecken möchte. Mehr nicht.

    Erntelied ist ein zartes, melancholisches Hörstück über Menschen am Rande des Verschwindens in einer namenlosen Stadt irgendwo in Odernähe. Eine banale Bilanz aus der Mitte eines Lebens.

    Mit Sven Lehmann, Catherine Stoyan, Gabriela Maria Schmeide, Steffi Kühnert, Cathlen Gawlich, Roland Hemmo u.a.
    Volker Schlott Saxophon, Kornad Bauer Posaune, Uwe Kropinski Gitarre

    Ursendung: 26.06.2009, RBB , 52'55, Regie: Gabriele Bigott

    2009 Slábbész, Internationale Hörspieltage Österreich Berging

  • Die fünfte Jahreszeit

    Ein Endspiel zwischen Mann und Frau, das nach einer tatsächlich stattgefundenen oder einer fiktiven Katastrophe abläuft. Das Ehepaar, sie einst Kunststudentin, er einst Jurastudent, hat sich in der Wohnung verbarrikadiert. Die Fenster sind abgedichtet, kein Geräusch dringt nach drinnen. Die Welt scheint gestorben, der Tod an ihnen vorbeigegangen. Es gibt noch Strom, ansonsten nichts mehr. Sie wissen, daß alles Warten auf Hilfe von außen müßig ist. Sie geben sich Mühe, sich gegenseitig zu genügen. Was sie immer wollten, als sie noch verliebt waren. Ganze Tage Zeit nur füreinander. Doch ihre Apokalypse ist der Stillstand. Der Mann will schließlich überleben, indem er sich im Kühlschrank einfrieren möchte. Die Frau zerschießt den Kühlschrank.

    Ursendung: ORB 1996, 43'15, Regie: Barbara Plensat

  • Hochstand

    Ein Mann geht auf die Jagd in den Wald. Der Mann will es wissen. Die Jagd, das ist etwas Uraltes. "Ein Urtrieb. Etwas, das jeder in sich spürt. Jeder Mann zumindest. Einen Funken davon. Jäger sein. Wild erlegen." Soweit ist alles klar. Und sonst? Eigentlich ist er nämlich kein Jäger. Eigentlich ist er ein Großstadtmensch. Schlimmer, ein Stubenhocker. Schlimmer, ein Mann in der Krise. Aber jetzt ist Schluss, jetzt wird das Leben in die Hand genommen, jetzt bekommt es die richtige Richtung. Er hat bereits Waldhorn geübt. Er hat sich belesen, Lexika frequentiert, sich Gedanken gemacht. Auch mit seiner Frau hat er gesprochen. Soll sie sich doch wundern, was in ihn gefahren ist. Er wird auf die Jagd gehen! Er wird zielen, schießen, treffen. Beute machen. Waidmanns Heil! Ein richtiger Mann sein! Auf dem Hochstand. Nachts, bei Vollmond.

    Mit Martin Brambach als Jäger u.a.

    Ursendung: 27.05.2012, MDR 2012, 55', Regie: Thomas Wolfertz

  • Nichtschwimmercafé

    Eine Sintflut könnte das werden, so wie es regnet und die Meteorologen sich in Schweigen hüllen. Sieben Menschen sitzen in einem Café im Trockenen und versuchen sich gegenseitig weiszumachen, dass dieser immer chaotischer werdende Zustand Alltag sei. Banalitäten werden ausgetauscht, der Pianist klimpert freundlich vor sich hin, ein Mann macht akrobatische Kunststücke und stürzt von der Decke. Das Wasser dringt durch die Ritzen, und ein Erdbeben lässt die Wände wackeln. Aber kein Ereignis kann die Gemüter erschüttern. Titanic nicht mit uns. Das Wasser steigt, wir steigen auch. Hoch in den nächsten Stock. Eine fröhliche Farce auf eine Welt, in der nichts mehr hält, aber haltbar geredet wird.

    Mit Antje von der Ahe, Bernhard Schütz, Boris Aljinovic, Matthias Matschke, u.a.

    Ursendung: NDR 2001, 50', Regie: Christiane Ohaus

  • Sonderangebot

    Die Zeiten, wo er auf Sonderangebote reinfiel, sind vorbei. Aber an diesem Morgen steht ein Jemand vor der Tür und will ihn von seinen Ideen befreien, die sowieso niemand braucht und die ihm nur noch Ballast sind. Er selbst kann bestimmen, was ihm diese Ideen, die in einen gigantischen Pool fließen werden, wert sind. Und er gibt alles. Seine Frau ist schockiert, begreift nur langsam, was sich da ereignet hat. Ihr Erspartes ist weg bis auf den letzten Cent. Gehts ihm jetzt besser ohne Geld, ohne Ideen, ohne Vorwärts oder Rückwärts? Überkommt ihn endlich die befreiende Leichtigkeit des Seins im leeren Raum? So richtig klappt es nicht, bis er bei seiner Frau sonderbare Veränderungen entdeckt. Auch sie hat sich umgesehen, um mit diesem Leben klar zu kommen. Sie entdeckt den Laden für Nichts. Steffen Thiemanns hellsichtiges, absurdes und zugleich tieftrauriges Hörspiel zeigt aus der intimen Küchenperspektive den Wahnsinn unserer dynamisch sich verschlingenden Zeit.

    Mit Ulrike Grote und Ingo Hülsmann.

    Ursendung: RBB/NDR 2005 , 42'18, Regie: Annette Berger

  • Treppenwalzer

    Zwei nebeneinander stehende Monologe eines gerade auseinandergelaufenen Liebespaares. Ihr Weg führt von der zugeschlagenen Wohnungstür ins Innere der Wohnung. Sein Weg führt ihn die Treppen runter auf die Straßen quer durch die Stadt. Ihre Kreise werden immer kleiner, der Blick wird enger, sie vernichtet jedes geschriebene Wort, jeden Beleg, der an ihre Existenz erinnert. Sie radiert sich aus zwischen quälendem Warten auf ihn und Erlösung, ihn los zu sein. Er zieht immer weitere Kreise. Hetzt durch rasendes Stadtgetümmel, knackt ein Auto, wirft sich fast vor die U-Bahn, sucht panisch nach Weite und Befreiung und steht endlich wieder im muffigen Flur vor ihrer Tür. Unfähig zu klopfen er, unfähig zu öffnen sie. Zwei stringente Texte, die sprachlich wie technisch beeindruckend sind.

    Ursendung: ORB 1994, 32', Regie: Wolfgang Rindfleisch

  • Urlaub für alle
    Manifest für die Reise an das schönste Ende der Welt

    "Wohin soll die Reise gehen? Last Minute Utopia! Der Mensch ist zum Urlaub geboren, wie der Vogel zum Fliegen. Die große Radioshow "Urlaub für alle!" beginnt im größten Regenwald der Welt, außerhalb der Tropen, in einer ehemaligen Luftschiffhalle. Alle Navigationssysteme sind abgeschaltet, um die Reise an das schönste Ende der Welt beginnen zu können. Den Showmaster begleiten durch das Programm: die singenden Reiseleiter, eine Expertenrunde aus Urlaubstheoretikern, ein Stubenhocker als Hauptgewinner, und selbstverständlich gibt es auch ein Reisetypenerkennungsquiz sowie den Preis des Abends: 1 mal Nichts für zwei Personen, inklusive Faulsein, Kontemplation und Langeweile. Keinen Winkel der Gegenwart lässt der Showmaster mit seinem Team aus dem Auge, um die Zukunft am Ende der Arbeit zu entdecken. Die Zukunft, so viel steht fest, breitet sich immer weiter aus. Die Show gibt die entsprechende Verhaltensanweisung gleich mit auf den Weg: "Tun sie nichts, so funktionieren sie am besten!"

    Ursendung: NDR / ORB 2006, 54'13, Regie: Leonhard Koppelmann

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