"Ein Journalist, dreißig, sitzt allein in seinem Zimmer und denkt nach über sich und seinen Lebensanspruch. Er ist ein moderner Sisyphus, zäh ausharrendin seiner täglich sich erneuernden Bereitschaft, die Welt zum Bessern ändern zu helfen." - So lautete im Februar 1989 die sinnreich verklausulierte Ankündigung, als dieses Hörspiel im Rundfunk der DDR gesendet wurde.
Der nachdenkende, ausharrende Journalist sucht die verdrängte DDR- und seine eigene (homo)sexuelle Wirklichkeit - und flüchtet zugleich vor ihr: in der Sehnsucht nach wirklichem Sozialismus wie nach einem Jungen schüttet er sein Unausgelebtes mit Bier zu.
Ursendung:
DRA 1989, 49'40 min, Regie: Barbara Plensat
Uraufführung:
MDR 1992, 47'10, Regie: Beate Rosch
Die Geschichte spielt in den 20er Jahren im Vorstadtmilieu. Im Mittelpunkt steht der Schiffer Grubetsch, der - frei und ungebunden - die Menschen mit seiner abenteuerlichen Lebensweise sehnsüchtig macht nach Freiheit und Ausbruch aus persönlichen und sozialen Einengungen. Er nimmt ihnen aber auch den letzten Halt Familie, Freundschaft, Ordnung, bescheidenste soziale Sicherheit - so daß sie sich nicht anders zu helfen wissen, als sich des Störers Grubetsch gewaltsam zu entledigen ...
Ursendung:
DRA 1988, 53'10, Regie: Walter Niklaus
Ursendung:
DRA 1987, 43'30, Regie: Achim Scholz
Günter, etwas älter schon als fünfzig, und der Mittzwanziger Jeep lernen einander nachts im Perk, der sogenannten "Klappe" kennen. Beide sind schwul, beide wollen nicht nur schnellen Sex, sondern auch Gespräche, Nähe. Vielleicht sind sie sich bei aller Gegensätzlichkeit zu nahe - als Thomas hinzukommt, beginnen beide, um ihn zu werben, sie werden Konkurrenten. Der Ausgang ist klar: Die Jüngeren tun sich zusammen, Günter muß gehen. --- Marohn geht es nicht um Beschreibung, Alltag, Vermittlung von Kenntnissen über einen für viele exotischen Lebensbereich (obwohl sein Text dies auch alles leistet). Marohns Thema ist die Unausrottbarkeit menschlichen Hoffens auf Glückserfüllung und auf einen Lebenspartner, ist das Wissen darum, daß solche Hoffnungen sich letzlich nicht erfüllen.
Ursendung:
Sachsenradio 1991, 47'55 min, Regie: Joachim Staritz
Meistens hocken sie am "Freisitz" und trinken: Jack und Philipp aus der Reichsbahnwerkstatt, Aumann, ihr Ausbilder, und Gusche, der der Kiosk gehört. Sie kleben aneinander, auch wenn sie sich auf die Nerven gehen. Für Aumann ist Philipp eine ausgemachte Null, der mit seinem verträumten Gerede vielleicht bei Mädchen ankommt, aber nie ein richtiger Kerl wird. Als Philipp mit Mireille aufkreuzt, mit der er jetzt geht, kriegt erst sie Schläge, dann er. Einer ist immer Mode, sagt Jack. Philipp versucht später Mireille alles zu erklären: Das mit den Kumpels und das mit dem Trinken ... Die Geschichte spielt im Sächsischen, das ist auch die Kunstsprache des Hörspiels.
Ursendung:
MDR 1994, 51'19, Regie: Joachim Staritz